FC Porto vs. FC Chelsea: Können die Portugiesen auch Tuchel ärgern?

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Im Viertelfinale der UEFA Champions League empfängt der FC Porto den FC Chelsea zum Hinspiel. Die Portugiesen haben bereits Juventus besiegt. Nun soll die nächste Überraschung gelingen.

Anstoß der Partie ist am Mittwochabend um 21 Uhr, Live auf DAZN. (Registriere dich jetzt auf DAZN und erhalte einen Gratismonat).

  • Porto als Favoritenschreck: Nun soll Chelsea geärgert werden
  • Die Blues reisen mit einer 2:5-Niederlage im Gepäck nach Portugal
  • Kann der FC Porto die notwendige Balance generieren?

Vor der Partie zwischen dem FC Porto und dem FC Chelsea haben wir uns zudem eine Experteneinschätzung von Nizaar Kinsella, Goal-Korrespondent für die Blues, eingeholt.

FC Porto: Die Juventus-Spiele als Anleitung für Chelsea

Es war eine Überraschung, als der FC Porto Juventus in den Achtelfinalspielen aus dem Wettbewerb befördern konnte. Der Schlüssel zum Sieg war damals eine sehr gute Balance im Spiel der Portugiesen. Gegen die Bianconeri gab es schwierige Phasen, aber man hatte zu jeder Zeit das Gefühl, dass Porto gefährliche Momente heraufbeschwören kann. Dass das entscheidende Tor zum 2:2 in Turin in der 115. Minute und in Unterzahl fiel, sagt einiges über die Mannschaft aus. Allerdings ist Sergio Oliveira (28), der beide Treffer in diesem Spiel erzielte, im Hinspiel gegen die Blues gesperrt. Gleiches gilt für den sehr umtriebigen Stürmer Mehdi Taremi (28).

Porto

Photo by Imago

Insgesamt spielt die Mannschaft von Trainer Sergio Conceicao (46) eine Saison mit einigen Höhen und Tiefen. In der heimischen Liga hat der FC Porto einen großen Rückstand auf Spitzenreiter Sporting. Die Dragões können die Meisterschaft abhaken, obwohl dieser Titel eigentlich zum absoluten Selbstverständnis gehört. Allerdings ist der Kader der Portugiesen auch nicht hervorragend ausbalanciert. Viel mehr scheint in dieser Saison nicht möglich zu sein. Einzelne Topleistungen wie gegen Juventus sind allerdings jederzeit möglich und das sollte der Conceicao-Elf Mut für die Chelsea-Spiele geben. 

Porto muss auf den Heimvorteil verzichten

Das Estadio do Dragao in Porto ist ein Stadion, das vor allem in Vollbesetzung seine Magie entfaltet. Darauf muss der FC Porto seit geraumer Zeit verzichten, aber selbst im leeren Heimstadion kann ein Gegner vor große Probleme gestellt werden. Auf diesen Vorteil müssen die Portugiesen aber verzichten, denn die Spiele gegen Chelsea werden im Estadio Ramon Sanchez Pizjuan in Sevilla ausgetragen. Zusätzlich zu den beiden gesperrten Schlüsselspielern stellt auch diese Situation den Außenseiter vor eine große Herausforderung.

Selbst die Außenseiterrolle, die die Möglichkeit einer abwartenden Spielweise mit sich bringt, ist in diesem Spiel kein außerordentlich großer Faktor. Denn Chelsea fühlt sich mittlerweile im eigenen Ballbesitz deutlich wohler als noch vor einigen Wochen. Deswegen muss Trainer Conceicao eine gute Mischung finden. Porto muss ein gewisses Maß an Eigeninitiative zeigen, darf gegen eine schnelle und spielstarke Offensive aber auch nicht in das offene Messer laufen.

In Abwesenheit von Taremi ruht der Fokus im Sturm deutlich mehr auf Moussa Marega (29). Der Angreifer bringt eine gewisse Wucht mit und kann Bälle sehr gut festmachen. Das gibt Porto die Möglichkeit, in Drucksituationen auch mit langen Bällen zu operieren. Marega dürfte zudem der Zielspieler von Jesus Corona (28) sein, der in dieser Saison schon zwölf Tore vorbereitet hat. Seine Hereingaben sind stets gefährlich. Aufgrund des Taremi-Ausfalls ist es gut möglich, dass die Portugiesen vom typischen 4-4-2-System abrücken und eine flexiblere Ausrichtung wählen. Mehr Personal im Mittelfeld könnte dafür sorgen, dass die Dominanz von Chelsea zumindest in Phasen unterbrochen wird. In jedem Fall muss der „Gastgeber“ in diesem Spiel über sich hinauswachsen. 

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Chelsea und die positiven Ansätze unter Tuchel

Die Saison des FC Chelsea verläuft bisher nicht überragend, aber nach dem Trainerwechsel von Frank Lampard (42) zu Thomas Tuchel (47) durchliefen die Blues eine gute Entwicklung. Am vergangenen Wochenende vergeigte Chelsea zwar die Generalprobe zuhause gegen West Bromwich Albion (2:5), das eine Spiel sollte aber den positiven Trend der letzten Wochen nicht beeinflussen. Ein früher Platzverweis und ein Doppelschlag von WBA sorgten dafür, dass Chelsea die Stabilität verlor. Und diese Stabilität war zuletzt wie ein Anker für die Mannschaft, die unter Lampard noch häufig das System und die Ausrichtung wechselte.

„Es ist klar, dass es eine defensive Revolution bei Chelsea gegeben hat, seit Tuchel die Mannschaft übernahm. Das 3-4-3-System hat den Spielern eine solide Basis gebracht, auf der sie aufbauen können, nachdem sie unter Frank Lampard in der Abwehr zu kämpfen hatten. Das ganze System ist darauf ausgerichtet, dass fünf Spieler in den Angriff gehen und fünf hinter dem Ball bleiben, um Gegenangriffe zu verteidigen. Das macht es sehr schwer, sie zu knacken, denn selbst wenn Chelsea im Ballbesitz ist, sind sie vorsichtig, um nicht am anderen Ende des Feldes verletzt zu werden. Die geschickte Kommunikation und der Einsatz des gesamten Kaders von Tuchel war meisterhaft bei der Durchführung dieser Änderungen“, schätzt Chelsea-Korrespondent Nizaar Kinsella die Entwicklung ein.  

Chelsea Tuchel

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Und in der Tat ist es beeindruckend, wie schnell der deutsche Trainer der Mannschaft seinen persönlichen Stil näherbringen konnte. Schon in den ersten Spielen wirkte die gesamte Mannschaft gut vorbereitet, strukturierter und sicherer im eigenen Ballbesitz. Bis zur Partie gegen WBA gab es keinen Rückfall in die Lampard-Zeiten, in denen der Zuschauer nie sicher sein konnte, welches Gesicht die Mannschaft zeigt. Der Beweis der positiven Einflüsse Tuchels war das souveräne Weiterkommen in der Champions League gegen einen unangenehmen Gegner wie Atletico. 2,27 Punkte im Schnitt sprechen außerdem eine klare Sprache. 

Chelsea darf Porto keinesfalls unterschätzen

Die Blues gehen als Favorit in das Spiel gegen Porto und haben zahlreiche Vorteile auf ihrer Seite. Chelsea ist individuell stärker, der Kader ist flexibler als der der Portugiesen. Dementsprechend ist auch  klar, was für ein Spiel zu erwarten ist. Die Engländer werden dominant auftreten, müssen geduldig spielen, um die gegnerische Defensive vor Probleme zu stellen. Im Ballbesitz greifen immer mehr Zahnräder ineinander, der technisch starke Mateo Kovacic (26) agiert häufig als Bindeglied zwischen der Defensive und der Offensive. Insbesondere beim Stand von 0:0 oder bei einer Führung der Blues ist die Tuchel-Elf in der Lage, das typische, geduldige Spiel durchzuziehen. Hinzu kommt, dass mit Timo Werner (25), Olivier Giroud (34), Hakim Ziyech (28), Callum Hudson-Odoi (20), Kai Havertz (21) und Mason Mount (22) zahlreiche unterschiedliche Spielertypen im Kader der Blues stehen.

Doch wo kann der FC Porto überhaupt ansetzen? Für Nizaar Kinsella ist es wichtig, dass Porto das erste Tor erzielt: „Chelsea sieht im Moment defensiv fast unbesiegbar aus, selbst wenn sie gegen Top-Teams spielen. Sie kontrollieren die Spiele und geben wenige Chancen her. Portos beste Chance könnte darin bestehen, physisch und energisch zu spielen, wie es Leeds gegen Chelsea tat. Auf ähnliche Weise bereitete Manchester Uniteds Pressing Chelsea Probleme, aber sie konnten trotzdem kein Tor erzielen. Gegen Chelsea zu Toren zu kommen ist das größte Problem für Porto. Aber wenn sie es schaffen, das erste Tor zu erzielen, können sie sich gegen eine Mannschaft, die im Angriff nicht so fluide ist, auf das Verteidigen konzentrieren.“

Chelsea bringt also alles mit, um dieses Spiel zu dominieren und zu gewinnen. Die Sinne bei den Spielern der Gäste sollten durch den Rückschlag am Wochenende zusätzlich geschärft sein. Die Niederlage kam möglicherweise zum genau richtigen Zeitpunkt.

Prognose von Nizaar Kinsella

Auf dem Papier ist das die bestmögliche Auslosung für Chelsea. Porto hat zwei für das Hinspiel gesperrte Spieler und Malang Sarr fällt durch seine Leihvertragsklausel aus. Das unterstreicht nur Chelseas Dominanz. Chelsea ist klarer Favorit, daher erwarte ich vielleicht einen 3:0-Sieg über zwei Etappen. Die Tatsache, dass Porto nicht im Estadio Dragao spielen kann, kommt Chelsea zugute, denn das Stadion und die Fans haben in den letzten Jahren für viele wunderbare Überraschungen gesorgt.

Mögliche Aufstellungen:

FC Porto: Marchesin – Manafa, Mbemba, Pepe, Sanusi – Uribe, Grujic, Otavio, Corona, Vieira – Marega

FC ChelseaMendy – Azpilicueta, Thiago Silva, Christensen – James, Kovacic, Jorginho (Kante), Chilwell – Ziyech, Mount (Havertz) – Werner

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Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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