Der FC Barcelona nach dem 2:8: Die Demütigung als Chance betrachten

UEFA CL/EL

Der FC Bayern München hat den FC Barcelona nach allen Regeln der Kunst deklassiert. Während die Flick-Elf allerspätestens jetzt von allen als absoluter Topfavorit auf den Gewinn der Champions League wahrgenommen wird, müssen sich die Katalanen erst einmal sammeln. Diese Blamage kann aber auch einen positiven Aspekt mit sich bringen.

  • 2:8 gegen den FC Bayern: Der FC Barcelona scheidet aus der Champions League aus
  • Das Debakel kann auch positive Auswirkungen haben
  • FC Barcelona: Der Schock sitzt tief 

FC Barcelona: Abwärtsspirale endet in Katastrophe

Was soll man noch zu dem gestrigen Spiel sagen? Auf der einen Seiten spielte ein Team mit Mut, Leidenschaft und Spielwitz. Dazu noch mit einem taktischen Plan, der voll aufging. Und dann gab es noch den FC Barcelona. Überfordert, ängstlich und langsam. Es war auf allen Ebenen ein blamabler Auftritt der Katalanen. Das Schlimmste daran: Es war nicht überraschend. Dass sie sich tatsächlich acht Gegentore fangen, war so nicht zu erwarten, aber es war klar, dass der FC Bayern München auf einem Level performt, das der FC Barcelona aktuell nicht erreichen kann. Nichts ist mehr vom wunderschönen Fußball zu sehen, den man bei Barça vor wenigen Jahren spielte. Damit ist nicht einmal die Guardiola-Ära gemeint, die immer noch in den Köpfen aller Betrachter fest verankert ist. Auch in den Jahren danach gab es tolle Spielweisen zu bewundern. 

(Photo by Rafael Marchante/Pool via Getty Images)

Doch seit mehreren Jahren trifft der Verein eine schlechte Entscheidung nach der anderen. Barcelona ist wie kaum ein anderer Klub so stolz auf seine Identität und Wurzeln. Doch davon ist kaum noch etwas zu sehen. Spätestens nach dem schmerzhaften Abgang von Neymar ist der Klub vom Weg abgekommen. Philippe Coutinho, Ousmane Dembele und Antoine Griezmann kosteten ungefähr 400 Millionen Euro. Das ist allerdings nur die Spitze des Eisbergs. Darüber hinaus gab es noch viele weitere Transfers, bei denen man nur mit dem Kopf schütteln konnte. So der Tausch mit Juventus vor wenigen Wochen. Man gibt den jungen und talentierten Arthur Melo ab, um mit Miralem Pjanic den nächsten Ü30-Profi im Kader zu haben. 

Barcelona-Präsident Bartomeu in der Kritik

Beim FC Barcelona wurde zuletzt häufiger auf große Namen anstatt auf Kompatibilität geachtet. Der Kader ist viel zu alt, die Balance passt nicht und es ist keine Strategie zu erkennen. Barça ist seit geraumer Zeit einfach nur schlecht geführt. Warum? Weil Präsident Josep Maria Bartomeu den kurzfristigen Erfolg im Blick hat und die letzten Messi-Jahre unbedingt nutzen will. So zumindest der Eindruck. Dabei ist jedoch alles schiefgegangen, was hätte schiefgehen können. Dass man in den letzten drei Jahren vier Titel holen konnte, lag zu großen Teilen an individuellen Leistungen. Man kann sich denken, welcher Akteur hier eine etwas größere Rolle gespielt haben könnte. 

Jetzt steht die erste Saison seit einer gefühlten Ewigkeit ohne Trophäe fest. Den letzten Gewinn der Königsklasse gab es 2015 und der Kader ist für die Strategie der letzten Jahre ungeeignet. Schnellen Erfolg wird man nicht haben und inmitten einer Pandemie ist es durchaus schwierig auf dem Niveau weiter Geld zu verbrennen, wie es in den letzten Jahren der Fall war. Barcelona hat eine alte Mannschaft, die schlecht zusammengestellt ist, keinen Hunger zu haben scheint und ist von Einzelspielern wie Lionel Messi oder Marc-Andre ter Stegen abhängig. Das Verhältnis zu anderen Klubs (z. B. Dortmund und Liverpool) ist dank des rücksichtslosen Verhaltens auf dem Transfermarkt überdies teilweise ruiniert und die eigenen Talente aus La Masia zieht es seit Jahren weg von den Katalanen.

(Photo by LLUIS GENE/AFP via Getty Images)

Real Madrid, die Königlichen, der Klub der Reichen und Schönen, ist im Jahr 2020 der deutlich bodenständigere Verein als Barcelona. Das hätte man so vor ein paar Jahren auch nicht kommen sehen. Der FC Barcelona ist unter Bartomeu zu einem überheblichen Klub verkommen, der jetzt die Konsequenzen der Arbeit seit 2015 spürt. Sein Abgang, spätestens im kommenden Jahr, wenn die nächsten Präsidentschaftswahlen anstehen, wird entscheidend für den Klub sein.

Barça: Bayern-Blamage positiv betrachten

Das 2:8 gegen den FC Bayern ist die logische Folge der letzten Jahre, in denen die gute Ausgangssituation nicht genutzt wurde. Das 0:3 in Rom: peinlich. Das 0:4 in Liverpool: blamabel. Die Niederlage gegen Bayern? Historisch. Diese Deklassierung wird den stolzen Katalanen weh tun und das müssen sie nutzen, um wieder nach vorne blicken zu können. Jetzt kann es kein „Weiter so!“ geben. Alle Ausreden sind weg. Der Klub ist dermaßen am Boden, dass es der perfekte Zeitpunkt wäre, um einen Neustart hinzulegen. Anstatt die letzten Messi-Jahre zu versuchen um jeden Preis einen CL-Titel zu holen und danach in ein tiefes Loch zu fallen, weil man sämtliche Ressourcen verbrannt hat, sollte man die Präsenz des Argentiniers für nachhaltigere Ansätze nutzen. 

(Photo by Juan Manuel Serrano Arce/Getty Images)

Mit Frenkie de Jong, Riqui Puig, Pedri, Jandro Orellana und in ein paar Jahren Pablo Gavi hat Barcelona weiterhin genügend junge, spannende Spieler. Dazu noch clevere Transfers, die in ein vorher gut durchdachtes System passen und die Zukunft könnte wieder besser aussehen, als die triste, nur durch Messi geschönte, Gegenwart. Doch ist Barcelona gewillt einen „langsamen“ Neustart hinzulegen? Zwei oder drei Jahre Geduld haben viele Teams, aber nur selten Kaliber wie Barça. Insbesondere, wenn bei Messi die Uhr tickt und ein Karriereende in Sicht ist. Man kann nur hoffen, dass die Katalanen wieder ein wenig zu sich selbst finden und sich die nötige Zeit nehmen, die so ein Umbruch erfordert. 

Vielleicht könnte der FC Barcelona dann schon bald wieder in der Champions League mit Mannschaften wie dem FC Bayern München, Liverpool und Real Madrid konkurrieren. 

Damian Ozako

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(Photo by MANU FERNANDEZ/POOL/AFP via Getty Images)

Damian Ozako

Als Kind von Tomas Rosicky verzaubert und von Nelson Haedo Valdez auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht worden. Geblieben ist die Leidenschaft für den (offensiven) Fußball. Seit 2018 bei 90PLUS.

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