Champions League | Pokal-Mannschaft gegen den parkenden Bus? – FC Sevilla vs. Manchester United

Vorschau

Wenn das große Manchester United beim Tabellenfünften der spanischen Liga zu Gast ist, sollte man eigentlich von einer klaren Angelegenheit ausgehen. Nicht so in diesem Spiel. Der FC Sevilla ist ein sehr unangenehmes Los und will dies auch gegen die „Red Devils“ unter Beweis stellen. Das Hinspiel wird am Mittwoch (20:45) angepfiffen.

Manchester United geht, angesichts der enormen individuellen Qualität, als Favorit ins Spiel. Der FC Sevilla ist allerdings ein schwieriger Gegner, der gerade in Pokalwettbewerben zu allem fähig ist. Ein völlig offenes Duell. 

Der Weg ins Achtelfinale

Der FC Sevilla setzte sich in der Gruppe E als Tabellenzweiter hinter dem FC Liverpool durch, Spartak Moskau und Maribor hatten das Nachsehen. Der Grundstein für das Weiterkommen legten sie vor allem im heimischen Ramon Sanchez Pizjuan, wo sie sieben ihrer neun Punkte holten. In den drei Auswärtsspielen kamen nur zwei weitere Punkte hinzu, die einzige Niederlage gab es bei Spartak Moskau, eine herben 1:5 Klatsche, bei der Quincy Promes Sevilla im Grunde im Alleingang zerstörte.

In diesem Spiel wurden die Probleme in der Defensive im besonderen Maße offen gelegt, aber auch gegen den FC Liverpool (2:2, 3:3) waren sie offensichtlich. 12 erzielte Tore zeigen auf der anderen Seite aber auch, dass die Andalusier immer dazu in der Lage sind zu treffen. Dabei trat vor allem Torjäger Wissam Ben Yedder in Erscheinung, der in sechs Spielen sechs Tore erzielte.

(Photo by CRISTINA QUICLER/AFP/Getty Images)

Manchester United hatte in Gruppe A unterdessen keinerlei Probleme. Fünf Siege und eine Niederlage (0:1 beim FC Basel) bedeuteten am Ende den ersten Platz, der auch zu keinem Zeitpunkt gefährdet war. Benfica Lissbaon und ZSKA Moskau waren die übrigen Gegner und ohne Chance gegen den amtierenden Europa League Sieger.

Das große Plus Uniteds in der Gruppenphase war die starke Defensive, nur drei Gegentore sind ein starkes Ergebnis. In der Offensive reichte es für 12 Tore, von denen Torjäger Romelu Lukaku vier erzielte. Insgesamt präsentierte sich Manchester sehr souverän und effizient, ohne so richtig glanzvoll zu sein. Aber dazu später mehr.

Die Form der letzten Wochen

Der FC Sevilla blieb in der Liga bisher etwas hinter den Erwartungen zurück, steht aber immerhin auf dem fünften Rang. Seit dem Trainerwechsel von Eduardo Berizzo, der aufgrund einer Krebserkrankung und teilweise auch schwachen Darbietungen seiner Mannschaft entlassen wurde, zu Vincenzo Montella, der zuvor beim AC Milan gehen musste, geht es aber wieder merklich bergauf. Acht Siege aus den bisherigen 13 Spielen unter ihm, inklusive dem Einzug ins Finale der Copa del Rey, sind ein guter Beleg dafür. Allerdings gab es in dieser Zeit auch wieder dicke Ausrutscher, wie die 1:5-Pleite in Eibar. Trotzdem konnte Montella vor allem die Defensive wieder deutlich stabilisieren, nur zweimal gab es mehr als ein Gegentor. In den letzen drei Spielen, die allesamt gewonnen wurdenm blieben sie zudem zweimal ganz ohne Gegentor. Die Form ist also durchaus gut.

(Photo by Laurence Griffiths/Getty Images)

Manchester United hatte es im neuen Jahr, nach den harten Tagen rund um Weihnachten, etwas entspannter als der FC Sevilla und musste seit dem Jahreswechsel nur neun Spiele bestreiten. Von diesen neun Spielen wurden zwar sieben gewonnen, doch die jüngsten Niederlagen gegen Tottenham und Newcastle sorgten für große Unzufriedenheit rund ums Old Trafford. Die Meisterschaft ist spätestens dadurch nämlich kein Thema mehr, der Einzug ins Viertelfinale des FA Cups ist da nur ein schwacher Trost.

Doch auch in dieser Phase war United defensiv äußerst erfolgreich, in sieben von neun Spielen blieb United ohne Gegentor und musste insgesamt auch nur drei Gegentore hinnehmen. Die fehlende Kreativität im Angriffsspiel ist dennoch ein Problem, das sich gerade in den Spielen gegen gute Mannschaften stark auffällt.

FC Sevilla: Wenn das Flutlicht leuchtet…

Der FC Sevilla zeigte in den vergangenen Jahren vor allem eine Qualität, sie sind eine Pokalmannschaft. Von 2014 bis 2016 gewann Sevilla dreimal in Folge die Europa League und auch in diesem Jahr stellte Sevilla diese Fähigkeit in der Copa del Rey unter Beweis. Dort setzte sich Sevilla unter anderem gegen das starke Atletico Madrid durch und zog ins Finale ein. In der Champions League sind die Andalusier den Beweis aber noch schuldig, in der letzten Saison war im Achtelfinale gegen Leicester City Schluss. Nun treffen sich erneut im Achtelfinale auf eine englische Mannschaft.

Flexible Offensive

Wie eingangs angesprochen, hat der FC Sevilla seine Stärken vor allem in der Offensive. In der Champions League stach bisher vor allem Wissam Ben Yedder hervor, dem sechs Tore in sechs Spielen gelangen und der auch in der Liga mit sechs Toren der beste Torschütze Sevillas ist. Aber auch sonst verfügen sie über viel Qualität, in den letzten Wochen brillierte vor allem Pablo Sarabia der im offensiven Mittelfeld, zumeist auf der rechten Seite, spielt. Ihm gelangen wettbewerbsübergreifend sieben Tore und neun Assists, er zeichnet sich durch eine hervorragende Technik und große Kreativität aus.

(Photo by CRISTINA QUICLER/AFP/Getty Images)

Mit Franco Vazquez, Ever Banega, Joaquin Correa, Nolito, Luis Muriel und Sandro Ramirez stehen zudem gleich sechs weitere Spieler für die Offensive zur Verfügung. Gerade der blitzschnelle Muriel ist dabei eine echte Waffe, die Montella gerne von der Bank bringt. Mit Jesus Navas spielt zudem ein weiterer Offensivakteur als Rechtsverteidiger. In der Defensive stehen zwar auch viele Alternativen parat, doch die Qualität ist nicht mehr ganz so hoch wie Vorne. Zudem leistete sich Keeper Sergio Rico zuletzt doch einige Aussetzter.

Manchester United: Die Frage nach dem „Wie“

Manchester United steht in der Liga auf dem zweiten Rang, ist noch im FA Cup vertreten und zog souverän als Gruppensieger ins Achtelfinale der Champions League ein. So gelesen spielen die „Red Devils“ bisher eine sehr ordentliche Saison, doch der große Rückstand auf Tabellenführer Manchester City und (vor allem) die mitunter sehr unansehnliche Spielweise sorgen trotzdem für Unmut im eigenen Lager.

Als neutraler Beobachter muss man fast zwangsläufig den Eindruck gewinnen, dass Trainer Jose Mourinho bei Weitem nicht alles aus seinem hochkarätig besetzten Kader herausspielt. Gerade in den Top-Spielen lässt der Portugiese oftmals einen sehr destruktiven und defensiven Fußball spielen, obwohl seine Mannschaft von der individuellen Qualität her keinesfalls schlechter zu sein schein. Und auch in den Spielen gegen vermeintlich kleine Mannschaften wirkt ihr Spiel oft uninspiriert und berechenbar, Einzelaktionen oder schlichte physische Überlegenheit reichen dann aber oft zum Sieg. Darüber hinaus gelingt es Mourinho aber nicht ein schlüssiges Offensivkonzept zu entwickeln und den Gegner komplett zu dominieren. Er entwickelt die Mannschaft nicht wirklich weiter, er fügt ihr nur weitere, teuere Stars hinzu. Manchester United ist unter ihm nicht mehr als die Summe seiner Teile. Das liegt sicherlich auch an der Zusammenstellung der Mannschaft.

(Photo by Gareth Copley/Getty Images)

Individuelle Qualität

Die Verpflichtung von Alexis Sanchez im Winter sorgte für große Diskussionen und das aus mehreren Gründen. Zum einen erscheint die finanzielle Seite äußerst fragwürdig zu sein, schließlich ist der Chilene bereits 29 und sein Vertrag wäre im Sommer ausgelaufen, und zum anderen ist auch die sportliche Seite nicht unumstritten. Sanchez ist ein Individualist und zwar auf ganzer Linie, sein Spiel ist sehr stark auf Einzelaktionen ausgelegt, das mannschaftliche Zusammenspiel kann stark unter ihm leiden. Beim FC Arsenal tat es das in der Hinrunde mitunter sehr. In den ersten Wochen bei United sieht es nicht unbedingt anders aus. Außerdem standen mit Rashford, Martial, Mata und Lingard bereits vier Alternativen für die Außenbahnen im Kader. Vor allem Martial und Lingard waren vor seiner Verpflichtung gut drauf und leiden bisher darunter. Mittelfristig könnte es sich also negativ auf die Entwicklung der jüngeren Spieler auswirken.

Darüber hinaus wurde im Zuge seiner Verpflichtung Mkhitaryan an den FC Arsenal abgegeben. Der Armenier spielte in der Hinrunde ohnehin keine allzu große Rolle, die Frage ist nur wieso? Er hätte die kreative Lücke im offensiven Zentrum gut füllen können, nun ist sie weiter offen und der Druck auf Paul Pogba ist unnötig hoch. Die Erwartungen an den Franzosen sind ohnehin völlig überzogen, schließlich war er niemals ein richtiger „Zehner“ und auch nie ein Torjäger. Er überzeugt mit hoher Präsenz und einer enormen Physis, geniale Pässe und Tore sind nur Nebenprodukte seines Schaffens, man sollte ihn daher auch nicht daran messen. Sein Nebenmann, Nemanja Matic, überzeugt vor allem mit seinen defensiven Qualitäten, besonders kreativ ist er auch nicht, sodass dort eine gewaltige Lücke klafft. Ein klares Versagen in der Kaderplanung.

Ansonsten ist der Kader hervorragend besetzt, die Defensive um den herausragenden Keeper David de Gea funktioniert sehr gut und im Angriff ist Romelu Lukaku, auch wenn er nicht ganz an seine ersten Spiele anknüpfen kann, ein guter Mann. Die individuelle Qualität und es stehen viele Spieler im Kader, die ein Spiel allein entscheiden können, doch sie funktionieren nicht perfekt als Mannschaft.

(Photo by FABRICE COFFRINI/AFP/Getty Images)

Prognose zum Hinspiel

Der FC Sevilla blüht regelmäßig in Pokalspielen auf und ist außerdem sehr heimstark. Die Defensive ist klar verbessert und unter Trainer Montella scheint auch das Selbstvertrauen wieder da zu sein. Die hochflexible und gut besetzte Offensive ist zudem immer für ein Tor gut. Manchester United ist dagegen ausgesprochen defensivstark und lässt nur wenig zu, mit ihrer immensen individuellen Klasse sind sie immer gefährlich. Das Spiel dürfte folglich sehr offen sein und es ist schwer zu sagen, wer gewinnt. Viele Tore sollte man allerdings nicht erwarten.

Personelle Lage, mögliche Aufstellungen

Jose Mourinho kann, abgesehen vom verletzten Zlatan Ibrahimovic, aus den Vollen schöpfen. Im Vergleich zum jüngsten Sieg gegen Huddersfield im FA Cup wird er aber sicherlich einige Änderungen vornehmen, da er dort kräftig rotiert hatte.

Vincenzo Montella hat dagegen einige Ausfälle zu beklagen, Kjaer, Corchia Nolito werden verletzt fehlen, Lionel Carole und Miguel Layun sind zudem nicht spielberechtigt. Außerdem droht auch Joaquin Correa verletzt auszufallen, er verletzte sich im jüngsten Ligaspiel gegen Las Palmas.

FC Sevilla: Sergio Rico – Jesus Navas, Mercado, Lenglet, Escudero – N´Zonzi, Pizarro – Sarabia, Vazquez, Sandro Ramirez – Ben Yedder

Manchester United: de Gea – A. Valencia, Smalling, P. Jones, Young – Matic, Pogba – Mata, Lingard, A. Sanchez – Lukaku

 

Christoph Albers

Cruyff-Jünger und Taktik-Liebhaber. Mag präzise Schnittstellen-Pässe, schwarze Leder-Fußballschuhe, Retro-Trikots und hat einen unerklärlichen Hang zu Fußball-Finanzen. Seit 2016 bei 90PLUS.

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