U21 EM | Bloß nicht unterschätzen! Deutschland vs. Rumänien

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U21 EM | Die Gruppenphase der U21-Europameisterschaft in Italien und San Marino ist vorüber, die Halbfinalspiele stehen fest. Den Auftakt macht das DFB-Team, das die eigene Gruppe B gewann. Gegner ist am heutigen Donnerstag um 18 Uhr der überraschende Gruppensieger der Gruppe C: Rumänien.

Gewarnt nach dem Österreich-Spiel

Die deutsche Mannschaft spielte insgesamt eine gute Gruppenphase und Stefan Kuntz schaffte es sehr gut eine Mischung aus Beständigkeit und neuen Impulsen zu setzen. Der Stamm der Mannschaft blieb zusammen, gleichzeitig wurde Nadiem Amiri langsam aufgebaut und die Mannschaft im Spiel je nach Verlauf verändert. 7 Punkte waren eine gute Bilanz, vor allem gegen Serbien war die DFB-Auswahl der spielfreudig. Doch das letzte Gruppenspiel gegen Österreich war eine Warnung für Kuntz und seine Elf.

Gegen einen kompakten, laufstarken und vor allem in der Arbeit gegen den Ball sehr aggressiven Gegner hatte Deutschland Probleme. Man fand nicht zum typischen Kombinationsspiel, konnte kaum gefährliche, schnelle Gegenangriffe setzen und ließ die Dominanz im Mittelfeld vor allem in der 1. Halbzeit vermissen. Und genau diese Dominanz ist der Schlüssel zum Sieg gegen Rumänien. Das Mittelfeldtrio, das wohl aus Eggestein, Dahoud und Neuhaus bestehen wird, muss clever agieren, sehr vorausschauend spielen und notfalls auch einmal das Tempo verschleppen um die Rumänen zu fordern und gegebenenfalls aus der Defensive zu locken. Das Österreich-Spiel zeigte, dass noch nicht alles Gold ist, was glänzt, aber vielleicht kam dieser kleine Dämpfer gerade zum richtigen Zeitpunkt.

Konterabsicherung und die Frage nach dem Henrichs-Ersatz

Ein weiterer wichtiger Faktor wird die Konterabsicherung sein. Denn Rumänien zeigte, dass man Fehler des Gegners sehr gut nutzen kann und auch die deutsche Mannschaft offenbarte gegen Österreich in diesem Teilbereich kleine Mängel, weil die Balance der gesamten Mannschaft nicht ideal war. Zudem muss Benjamin Henrichs, der gelbgesperrt fehlt, ersetzt werden. Die naheliegende Option ist Maximilian Mittelstädt, der sich in der vergangenen Saison bei der Hertha gut weiterentwickeln konnte und eine zuverlässige Option auf der linken Seite darstellte, auch weil er sowohl defensiv als auch offensiv Akzente setzen kann. Eine deutlich defensivere Variante wäre Uduokhai, doch das erscheint sehr unwahrscheinlich.

(Photo by Alessandro Sabattini/Getty Images)

Die Favoritenrolle hat die Elf von Trainer Stefan Kuntz natürlich auf ihrer Seite, die individuelle Klasse im DFB-Team ist höher als bei den Rumänen. Doch die Gefahr ist in einem K.O.-Spiel natürlich immer präsent, vor allem gegen einen Gegner, der nichts zu verlieren hat. Die Offensive um Luca Waldschmidt und Marco Richter muss erneut die typische Effizienz an den Tag legen, die sie bereits in den ersten beiden Begegnungen ausgezeichnet hat. Eine weitere, noch offene Frage ist wer die Offensivreihe komplettiert. Öztunali blieb gegen Österreich blass, die Impulse, die Nadiem Amiri als Joker setzen konnte, waren gut. Zudem würde der ballsichere Amiri, der sich gerne auch mal tiefer positioniert und in das Mittelfeld zurückfallen lässt, für mehr Ballkontrolle und folglich kontrollierende Elemente sorgen.

Die Erwartungen bereits übertroffen

Dass es Rumänien in einer Gruppe mit Frankreich, Kroatien und England geschafft hat den Gruppensieg einzufahren ist für die deutsche Mannschaft bereits Warnung genug. Analysiert man die Spiele der Rumänen, dann stellt man zwar fest, dass eine gewisse Portion Spielglück dabei war, denn gerade in der hektischen und wilden Schlussphase gegen England hätte man genauso gut verlieren können, aber die Mischung aus enormer Disziplin bei der Arbeit gegen den Ball und einem gesunden Selbstvertrauen im Spiel nach vorne machen die Osteuropäer zu einer unberechenbaren Mannschaft. Die Defensive ist physisch stark, das Mittelfeldzentrum laufstark und Ianis Hagi, der Sohn des ehemaligen Weltklassefußballers Gheorghe Hagi, fungiert im Offensivbereich als Antreiber und Denker und Lenker.

Er vereint sowohl kluge Pässe und clevere Laufwege als auch einen gewissen Zug zum Tor. Unterstützt vom schnellen Florinel Coman versucht er immer wieder Mittelstürmer Puscas zu bedienen. Die fluide Offensive schaffte es gegen Kroatien und England immer wieder die gegnerische Defensive auseinanderzuspielen und die gegnerischen Probleme schonungslos aufzudecken. Gegen Frankreich zeigte man zudem gute Ansätze im Defensivverhalten, als die Franzosen den Ball länger laufen ließen und auf Lücken warteten. Kurzum: Die rumänische Mannschaft, die nichts zu verlieren und die Erwartungen bereits übertroffen hat und die enorm viele Facetten in ihrem Spiel hat, sollte keinesfalls auf die leichte Schulter, sondern enorm ernst genommen werden.

Deutschland muss beschäftigt werden

Eine reine Spaßveranstaltung ist dieses Halbfinale für Rumänien aber natürlich nicht, auch wenn die drei anderen Halbfinalisten mehr Druck haben. Einmal in der K.O.-Phase angekommen will man natürlich auch das Finale erreichen. Und bisher zeigte Rumänien, dass man auch in der Lage ist gegen individuell besser besetzte Mannschaften mitzuhalten und sie vor Probleme zu stellen. Das geht allerdings nur wenn man es schafft die deutsche Mannschaft zu beschäftigen. Das Mittelfeld darf nicht kampflos hergeschenkt werden, die Abwehr muss immer wieder angelaufen werden.

Denn gerade im Aufbauspiel zeigte Deutschland gegen aggressiv herausrückende Österreicher (und auch Dänen, in den ersten 30 Minuten) Probleme. Zwingt man Deutschland zu langen Bällen, hat man größere Chance auf Ballgewinne und im Umkehrschluss auch größere Chancen eigens Angriffe zu initiieren. Gelingt es dann noch die Effizienz aus den letzten Spielen an den Tag zu legen, hat Rumänien eine reelle Chance auf den Einzug in das Endspiel.

Mögliche Aufstellungen:

Deutschland: Nübel – Klostermann, Tah, Baumgartl, Mittelstädt – Eggestein, Dahoud, Neuhaus – Amiri (Öztunali), Richter, Waldschmidt

Rumänien: Radu – Manea, Rus, Nedelcearu, Boboc – Cicaldau, Nedelcu – Ivan, Hagi, Coman – Puscas

Manuel Behlert

(Photo by Alessandro Sabattini/Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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