DFB-Team | Löws Rücktritt ist eine Chance für den DFB

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Nach 15 Jahren als Bundestrainer und 17 Jahren beim DFB tritt Joachim Löw am Ende der Europameisterschaft im Sommer zurück. Es ist für alle Beteiligten der richtige Schritt – und eine große Chance zugleich.

Die Magie des DFB-Teams fing nach dem Weltmeistertitel an, zu schwinden

Im Juli 2004 fing alles an, zu einer Zeit, als der deutsche Fußball komplett am Boden lag. Bei der EM in Portugal schied man sang- und klanglos als Gruppenletzter aus. Die Zeit für eine grundsätzliche Erneuerung war gekommen. Der neue Manager Oliver Bierhoff, Jürgen Klinsmann in hauptverantwortlicher Position, sowie Joachim Löw, der ihm als Assistent zur Seite stand, sollten die ramponierte deutsche Nationalmannschaft in die Zukunft führen.

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Zwei Jahre später übernahm Löw selbst das Ruder – für ganze anderthalb Jahrzehnte. In dieser Zeit erreichte das DFB-Team – mit Ausnahme von 2018 – bei jedem Turnier mindestens das Halbfinale. 2014 erfolgte mit dem Weltmeistertitel in Brasilien die Krönung seiner Amtszeit. Eine Ära, die mit der Europameisterschaft im Sommer um ein allerletztes Kapitel erweitert wird. Anschließend wird Joachim Löw die Tätigkeit als Bundestrainer niederlegen.

Es ist für alle Beteiligten der richtige Schritt. Nach dem Triumph in Maracanã schien die Magie um das DFB-Team mit jedem Jahr ein wenig mehr zu schwinden. Der einst beliebte „Bundesjogi“ wurde zum Gesicht für biedere Auftritte der Nationalmannschaft und ausbleibende Ergebnisse. Spätestens nach dem 0:6 in Spanien war klar, dass es ein „Weiter so“ aus mehreren Gründen nicht geben kann.

Zum Einen, weil jeder Fauxpas, den sich der DFB und die Nationalmannschaft leisteten – sei er noch so klein – in der Öffentlichkeit auch auf Löw selbst projiziert werden würde. Zuletzt reichten selbst Unentschieden, um die Diskussion um seine Person anzufachen. Zum anderen aber auch, weil das Standing des DFB-Teams unter den Misserfolgen der letzten Jahre stark gelitten hat. In der FIFA-Weltrangliste ist Deutschland inzwischen auf Platz 13 zurückgefallen. Und auch die eigenen Fans wendeten sich immer mehr von der „Mannschaft“ ab. Das Interesse an Nationalspielen sank zunehmend.

DFB muss Löws Rücktritt als Chance verstehen

Das hat Joachim Löw selbst auch bemerkt und nun die Konsequenzen daraus gezogen. Der Zeitpunkt war von ihm selbst klug gewählt. Bis zur Europameisterschaft hat sich der Trubel um seinen Rücktritt wieder gelegt. Vielleicht gelingt es ihm, zu seinem siebten Turnier in hauptverantwortlicher Position noch einmal eine „Jetzt-erst-recht“-Mentalität aufzubauen, sodass er sich nochmal auf dem Höhepunkt verabschieden kann.

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Anschließend hat der DFB gut anderthalb Jahre Zeit, einen Nachfolger zu präsentieren. Nach der Absage von Liverpool-Trainer Jürgen Klopp (53), gehören der arbeitslose Ralf Rangnick (62), Bayerns Erfolgscoach Hansi Flick (56) sowie U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz (58) zu den aussichtsreichsten Kandidaten. Für den DFB gilt es nun, Löws Rücktritt als Chance zu verstehen. Denn neben dem Weltmeistertitel 2014 hinterlässt er auch eine klare Perspektive, die bei seinem DFB-Einstieg 2004 kaum bis gar nicht vorhanden war. Löw hat über 15 Jahre im Amt gezeigt, wie man auf allen Ebenen durch das gezielte Einbinden von jungen Spielern einen Mannschaftsgeist erschaffen und als Ergebnis dessen auch große Erfolge feiern kann. Damit hat er den deutschen Fußball nachhaltig verändert. Das verdient Dank und Respekt.

Heim-EM 2024 als großes Ziel

Diese Perspektive, die man unter Joachim Löw geschaffen hat, muss man nun weiter ausbauen. In vier Jahren steht die Heim-EM an. Das ist das große Ziel, auf das es nun hinzuarbeiten gilt. Mit Spielern wie Youssoufa Moukoko (16/Borussia Dortmund), Florian Wirtz (17/Bayer Leverkusen) oder Jamal Musiala (18/FC Bayern) steht die nächste goldene Generation schon in den Startlöchern. Spieler wie Joshua Kimmich (26), Leon Goretzka (26), Serge Gnabry (25) oder Leroy Sané (25) werden sich 2024 auf dem Höhepunkt ihrer Karrieren befinden. Andere, darunter Kai Havertz (21) oder Florian Neuhaus (23) kämen ins sogenannte „beste Fußballeralter“. Der DFB wird im Sommer einen, zweifelsohne, großen Trainer verlieren. Wenn sie die richtigen Schlüsse daraus ziehen, kann das aber – wie schon zu Joachim Löws Amtsbeginn – in eine goldene Zukunft führen.

 

 

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Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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