Weißt du noch…? 17.10.2015: Die Spurs empfangen Liverpool zu Jürgen Klopps erstem Spiel in der Premier League

Weißt du noch...?

Die Tottenham Hotspur empfangen am Donnerstag den Liverpool FC. Heute sind dies zwei Topmannschaften, beide haben große Ambitionen. Doch das war nicht immer so. 2015 bestritt Jürgen Klopp sein erstes Spiel als Trainer des LFC gegen die Spurs. Damals hatten beide Teams wenig mit den obersten Plätzen zu tun, vor allem Liverpool war eher eine Mittelfeldmannschaft. Doch dieses Spiel sollte der Startschuss für etwas ganz Großes an der Merseyside werden.

Tottenham vs Liverpool 2015: Die Vorzeichen

Oktober 2015: Der Liverpool FC hat sich kurz nach einem 1:1 im Derby gegen den Everton FC von Trainer Brendan Rodgers getrennt. Der Nordire, mit dem man 17 Monate zuvor noch denkbar knapp an der ersten Meisterschaft seit 25 Jahren vorbeischrammte, konnte den Verein nicht wie gewünscht in der Spitzengruppe etablieren. Dies war nur zum Teil seine Schuld, denn immerhin verlor Rodgers mit Luis Suarez, Raheem Sterling und Steven Gerrard drei der wichtigsten Spieler der Vizemeister-Saison.

(Photo by Jan Kruger/Getty Images)

Adäquate Ersatzleute erhielt der Trainer nicht. So wurde als Nachfolger für Suarez ein gewisser Mario Balotelli verpflichtet, heute mit 30 Jahren in der zweiten italienischen Liga unterwegs. Im nächsten Sommer kamen für die Offensive Danny Ings und Christian Benteke. Der eine (Ings) war leider viel zu oft verletzt, der andere (Benteke) konnte nicht im Ansatz an seine starken Leistungen bei Aston Villa anknüpfen. Nachdem Rodgers ein sechster Platz in der Saison 2014/15 noch verziehen wurde, war der Saisonstart 2015/16 dann aus Besitzersicht nicht mehr tragbar. Nach acht Spielen stand Liverpool mit zwölf Punkten auf Platz zehn. Und auch in der Europa League drohte das Gruppenaus, die ersten beiden Spiele gegen den FC Sion und Girondins Bordeaux konnte man nicht gewinnen und stand auf Platz drei der Gruppe.

Als Nachfolger wurde Jürgen Klopp präsentiert. Der Deutsche wollte eigentlich nach sieben Jahren bei Borussia Dortmund ein Sabbat-Jahr einlegen. Als jedoch das Angebot des LFC auf dem Tisch lag, konnte Klopp nicht anders: „Diesen Moment werde ich nie vergessen. Ich war sofort begeistert. Als ich meine Frau Ulla zum ersten Mal sah, dachte ich mir: Okay, ich heirate sie. Und so war es auch mit dem Verein.“


(Photo by PAUL ELLIS/AFP via Getty Images)

Auf der anderen Seite war man da schon ein Stück weiter. Mauricio Pochettino ging in seine zweite Saison, in der ersten verpassten die Spurs die Qualifikation für die Champions League nur um Haaresbreite. Dies sollte in der neuen Saison klappen. Dafür investierte man im Sommer in die Spitze des Kaders, mit Heung-Min Son und Toby Alderweireld kamen zwei Spieler, die direkt zum Stammpersonal gehörten. Abgegeben wurden vor allem Ersatzspieler, darunter der ehemalige deutsche Nationalspieler Lewis Holtby oder der heutige Schalker Benjamin Stambouli. Kurz vor dem Duell gegen Liverpool starten die Londoner einen kleinen Lauf, nachdem man mit nur drei Punkten aus den ersten vier Spielen schlecht in die Saison gestartet war. Und so standen die Spurs vor dem Duell zwei Plätze vor dem LFC und gingen als Favorit in die Partie.

Aufstellungen und Torfolge

Tottenham: Lloris – Walker, Alderweireld, Vertonghen, Rose – Dembele – Lamela (87. Townsend), Eriksen, Dele, Chadli (11. N’Jie) – Kane

Trainer: Mauricio Pochettino

Liverpool: Mignolet – Clyne, Skrtel, Sakho, Moreno – Lucas, Can – Milner, Lallana (82. Allen), Coutinho (87. Ibe) – Origi

Trainer: Jürgen Klopp

Schiedsrichter: Craig Pawson

Tore:

Kaum Umstellungen bei Klopp

Pochettino wechselte im Vergleich zum 2:2 bei Swansea City doppelt. Für Linksverteidiger Ben Davies spielte Danny Rose, anstelle von Eric Dier startete Mousa Dembele im zentralen Mittelfeld. Klopp stellte im Vergleich zum 1:1 bei Everton vor allem taktisch einiges um. Systematisch spielte man nicht mehr im 3-5-2, sondern in einem 4-2-3-1. Personell änderte Klopp nur verletzungbedingt zweimal. Die beiden Stürmer Danny Ings und Daniel Sturridge fielen aus, dafür standen Divock Origi und Adam Lallana in der Startelf. Emre Can rückte aus der Innenverteidigung auf seine angestammte Position im defensiven Mittelfeld, James Milner und Philippe Coutinho übernahmen die offensiven Außenbahnen.

Liverpool mit der ersten Chance, danach nur noch Tottenham

Die erste Großchance der Partie hatte Origi in der 10. Spielminute, als er nach einer verlängerten Ecke den Ball an die Querlatte köpfte. In der Folge hatten ausschließlich die Spurs Gelegenheiten. Der früh für den verletzten Nacer Chadli eingewechselte Clinton N’Jie scheiterte in der 28. Minute aus aussichtsreicher Position an Simon Mignolet. Wenig später hatten dann Harry Kane und Dele Alli eine Doppelchance. Den Schuss von Kane wehrte Mignolet nach vorne ab, Mamadou Sakho konnte den Nachschuss klären (37.). Erneut N’Jie war es, der in der 41. Minute einen Fernschuss abgab, der das Tor nur um Haaresbreite verfehlte.

(Photo by Michael Regan/Getty Images)

Außer zwei Halbchancen durch Origi (78.) und Can (89.) blieb das Spiel auch in der zweiten Halbzeit einseitig. Tottenham hatte durch Kane (84.) die beste Chance der zweiten Hälfte, doch Mignolet war erneut stark zur Stelle. Und so endete das Spiel recht unspektakulär mit 0:0. Klopp war jedoch nicht unzufrieden: „Ich bin zufrieden mit dem Spiel. Ich habe einige gute Dinge gesehen. Die ersten 20 Minuten waren hervorragend. Beide Mannschaften hatten ihre Chancen. Wir waren etwas zu nervös, wenn wir den Ball früh gewonnen haben.“

Tottenham vs. Liverpool: Was danach geschah

Für Tottenham verlief die Saison durchaus zufriedenstellend. Man beendete die Saison auf dem dritten Tabellenplatz und erreichte sein Ziel, die Qualifikation für die Champions League. Durch einen starken Lauf von Mitte Januar bis Ende Februar 2016 hatte man sogar kurzzeitig Hoffnungen auf die Meisterschaft, doch am Ende war Sensationsmeister Leicester City doch zu stark. Im Gegensatz zu Leicester konnten sich die Spurs dauerhaft in der Spitzengruppe etablieren. Viermal in Folge erreichte man die Champions League. Nach einer verkorksten letzten Saison scheint man in diesem Jahr unter Neu-Trainer Jose Mourinho (57) zurück zu sein im Kampf um die Champions League.

Für Liverpool endete die Saison nur bedingt zufriedenstellend. In der Liga verpasste man mit Platz acht das internationale Geschäft. In den Pokalwettbewerben lief es besser, doch einen Titel konnten die Reds nicht gewinnen. Im EFL-Cup verlor man das Finale gegen Manchester City im Elfmeterschießen. In der Europa League konnte sich Liverpool unter anderem gegen Manchester United (2:0, 1:1), Borussia Dortmund (1:1, 4:3) und den FC Villareal (0:1, 3:0) durchsetzen, die Mannschaft von Jürgen Klopp zog auch hier ins Finale ein. Besonders das Duell gegen Dortmund wird den Fans beider Lager noch lange in Erinnerung bleiben.

Der ehemalige Verein von Klopp ging als Favorit in den Wettbewerb. Nach dem Remis im Hinspiel führten die Schwarz-Gelben bereits mit 2:0 und 3:1. Doch dann entfaltete Anfield seinen ganzen Zauber, Dejan Lovren wurde in der Nachspielzeit zum Helden und Klopp warf seinen Ex-Verein aus dem Wettbewerb. Im Finale mussten die Reds dann dem FC Sevilla den Vortritt lassen (1:3). Seither entwickelte sich Liverpool zu einem der besten Vereine der Welt. Lohn für die investierte Arbeit waren der Champions-League-Titel (2:0 gegen Tottenham) 2019 und die langersehnte englische Meisterschaft 2020.

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(Photo credit should read IAN KINGTON/AFP via Getty Images)

Lukas Heigl

Liebhaber des britischen Fußballs: Von Brighton über Reading und Wimbledon bis nach Inverness. Ist mehr für Spiele der dritten englischen Liga als für den Classico zu begeistern. Durch das Kommentatoren-Duo Galler/Menuge auch am französischen Fußball interessiert

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