Super League | Alles für das Spektakel

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Florentino Perez, Präsident von Real Madrid und einer der Mitgründer der Super League, hat vorgeschlagen, Fußballspiele zukünftig nicht mehr über 90 Minuten spielen zu lassen. Die Spielzeit der Partien sollen verkürzt werden, um den Sport noch attraktiver zu machen. Aber warum da schon aufhören? In diesem Sport schlummert noch viel mehr Spektakel. Eine Glosse.

Super League: Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten?

Dank der angestrebten Gründung der Super League werden nun auch die eingestaubten Regeln des Fußballs angefasst. Florentino Perez (74), Präsident von Real Madrid und Gründungsmitglied des neuen Hochglanz-Wettbewerbs hat öffentlich erwägt, Fußballspiele in Zukunft nicht mehr 90 Minuten lang austragen zu lassen. „Die jungen Leute sagen: Die Spiele sind ihnen zu lang. Also müssen wir etwas ändern, wenn wir wollen, dass der Fußball weiterlebt“, sagte Perez in der Talksendung „Chiringuito“ im spanischen Fernsehsender Mega. „Wenn die jungen Leute sagen, ein Spiel sei zu lang und nicht (in voller Länge) zu ertragen, liegt das entweder daran, dass das (betreffende) Spiel nicht genug Interesse weckt – oder gekürzt werden muss“, so die Schlussfolgerung . Man müsse darüber nachdenken, „warum die 16- bis 24-Jährigen nicht mehr am Fußball interessiert sind“.

Denn logisch: Die Abkehr dieser Generation vom Fußball kann auf keinen Fall daher kommen, dass die Aufsplitterung des Spieltags auf die halbe Woche zur Folge hat, dass man gefühlt sechs verschiedene PayTV-Abos haben müsste – Geld, dass Studierende und Auszubildende schließlich haben. Das wachsende Desinteresse kann auch keinesfalls in der mangelnden Spannung und Qualität des Wettbewerbs liegen. Die neunte Bayern-Meisterschaft infolge lässt dem allgemeinen Fußballfan schließlich das Wasser im Munde zusammenlaufen. Und dass die Partie zwischen Mainz 05 und dem FC Augsburg vielleicht deshalb kein Straßenfeger ist, weil die Schere im Fußball immer weiter aufgeht und diesen Klubs das Geld für interessante Kader immer weiter ausgeht, ist ohnehin ein grotesker Gedanke.

Nein, Flo, du bist da einer großen Sache auf der Spur! Wobei: Das Spiel auf vielleicht 60 oder gar 45 Minuten herunterzukürzen, ist eigentlich nicht radikal genug. Da geht noch mehr!

Drei Ecken, ’n Elfer – warum eigentlich nicht?

Klar, die Spiellänge einer Partie ist eines der Maßeinheiten des Fußballs. 90 Minuten?! Pff, in der Zeit hat die aktuelle Generation schon 360 TikToks gesehen. Doch wenn man die Spielzeit anpasst, warum dann nicht auch andere Dinge? Blickt auf die Konkurrenzsportarten wie Handball, Basketball und co., wird klar: Es fallen zu wenig Tore. Bereits Ralf Rangick hatte vorgeschlagen, die Tore zu vergrößern, um die Anzeigetafeln zum explodieren zu bringen. Das bleierne 0:0 zwischen Werder Bremen und Hertha BSC gehört dann endgültig der Vergangenheit an! Oder anderer Vorschlag: Die Teams mit auffällig vielen Toren dürfen nur noch in bestimmte Bereiche des Tores treffen – ähnlich wie bei einer Torwand. Der Rest des Tore wird zugemacht, diese Bereiche können dann als zusätzliche Werbeflächen herhalten – genial! So schafft man auch eine größere Chancengleichheit, etwas, dass den Großen dieses Sports nachweislich sehr am Herzen liegt.

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Foto: Moritz Müller/IMAGO

Darüber hinaus sind die Wege von Tor zu Tor viel zu lang, wer soll sich das minutenlange nach-vorne-gekrampfe denn anschauen? Nächster Tagesordnungspunkt ist also: Das Verkürzen des Spielfeldes. FIFA-Street kam bei den Kidz doch auch super an! Die Abseits-Regel wird infolge dessen natürlich abgeschafft. Ohnehin völliger Quatsch – warum sollte man regeltechnisch Tore verhindern? Kopfballtore zählen doppelt, Hackentore dreifach und natürlich darf die „Drei Ecken, ’n Elfer“-Mechanik nicht fehlen. Wie aufm Bolzplatz, so zeigt sich der Profifußball geerdet und nahe am Zuschauer.

Etwas wilder, aber hier gibt es keine Ideentabus: In den letzten fünf Minuten herrscht alle gegen alle! Die letzten 90 Sekunden im Sudden Death Modus, in dem Krokodile aufs Feld gelassen werden! Die Römer haben vorgemacht, wie man eine gute Show liefert! Warum nicht einen Hauch von „Die Tribute von Panem“ auf das Fußballfeld bringen? Musik, Filme, Videospiele: alle Unterhaltungsformen entwickeln sich weiter, nur der Fußball bleibt stehen – das können sich die Verantwortlichen nicht erlauben!

Spektakel auf und neben dem Feld

Es heißt doch immer: Was kann der Fußball vom Handball lernen? Klar, in Sachen Spektakel wohl weniger, aber eine Regel wäre übernehmenswert. Beim Handball kann der Torhüter zwischenzeitlich für einen weiteren Feldspieler vom Platz genommen werden. Na, Sie wissen wohl schon, worauf ich hinaus will. Ich stelle das einfach mal in den Raum. Der gute alte „Letzte Mann“ – nun auch im Spiel zwischen Manchester City und Juventus Turin.

Für ein gediegenes 8:7 zwischen Topklubs wäre mit all diesen Neuerungen wohl gesorgt. Doch wer sagt eigentlich, dass das Ergebnis über den Sieg entscheidet? Plattformen wie Twitch und Social Media zeigen: Heutzutage muss man die Community für sich gewinnen und mitnehmen. So könnte man in den letzten zehn Minuten eines Spiels eine Hotline oder die Umfrage auf der eigenen App bewerben, über welche die Zuschauerschaft über den Sieg entscheidet.

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Foto: IMAGO

Und apropos Twitch: Fußballspiele werden in Zukunft selbstverständlich ausschließlich über Streamingplattformen übertragen. Kommentiert werden sie nicht mehr von gut informierten Sportjournalist:innen. Eine taktische Einordnung des Wechsels von 4-2-3-1 auf 3-5-2? Schnaaarch! Kommentatoren wie Montana Black und Capital Bra bringen die Menschen vor dem Bildschirm viel eher zum Ausrasten. Das Fußballspiel muss wie ein einziger Rausch sein, Eindruck um Eindruck in Millisekundenabfolge. Wenn sich das Publikum nach dem Abpfiff nicht wie nach einem Michael-Bay-Blockbuster fühlt, ist es etwas schiefgegangen.

In Bezug auf die Berichterstattung kann der Fußball ohnehin noch dazulernen. Interviews, Vor- und Nachberichte dürfen nun nicht mehr als 60 Sekunden dauern. Sonst kann man es nicht mehr auf TikTok posten. Trainingslager werden in Zukunft Dschungelcamp-artig in 24-Stunden-Livestreams übertragen. So bleiben die Fans ihren Stars nahe. Challenges, Team-spezifische Tänze usw. dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Alles im Sinne des Spiels, alles im Sinne der Fans.

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Marc Schwitzky

Foto: IMAGO

Marc Schwitzky

Erst entfachte Marcelinho die Liebe zum Spiel, dann lieferte Jürgen Klopp die taktische Offenbarung nach. Freund des intensiven schnellen Spiels und der Talentförderung. Bundesliga-Experte und Wortspielakrobat. Seit 2020 im 90PLUS-Team.

Alle Kommentare


  • Peppe sagt:

    2×5 min und aus….
    Das würde mir viel Stress mit meiner Frau ersparen. Ich glaube dann hätte ich auch kein Problem Samstag , Sonntags oder Champions zu verpassen.
    .. Formel 1 schaue ich auch nicht mehr und ich habe es überlebt.
    Mach weiter so ich werde bald viel, sehr viel Zeit haben…


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