Champions League Vorschau: Shakthar Donezk vs AS Roma – Die Favoritenkiller

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Beide Mannschaften gehören zu den arrivierteren Champions League Teams in den 00er Jahren, dennoch hätte man eine der beiden Mannschaften vor der Saison nicht unbedingt im Viertelfinale der Königsklasse erwartet. Von einem Duell zweier Überraschungsteams zu sprechen würde der Paarung jedoch nicht gerecht werden, in der Gruppenphase wurden teilweise (Geheim-)Favoriten hinter sich gelassen. Von daher dürfte dieses Duell äußerste Spannung versprechen.

Die Partie im OSK Metalist Stadion von Kharkiv wird zur gewohnten Zeit um 20:45 angepfiffen und von Schiedsrichter William Collum (Schottland) geleitet.

 

„Geheimfavoriten“ erlegt

Mit Argusaugen werden heute Abend der SSC Neapel und Atletico Madrid die Partie vor dem Fernsehen verfolgen. Beide Teams galten in ihren jeweiligen Gruppen als fast sichere Bank für die KO-Runde, nun stehen Europa League-Spiele an den Donnerstagen an. Schuld daran sind die Mannschaften, welche sich heute Abend gegenüberstehen.

Der Jubel in Rom dürfte nach der Auslosung der Gruppen eher verhalten gewesen sein: Mit Chelsea und Atletico Madrid warteten erst einmal zwei Klubs aus dem engeren Favoritenkreis auf die Truppe von Eusebio Di Francesco. Quarabag Agdam, das letzte Mitglied dieser Todesgruppe, wurden von Beginn an keine Chancen auf das Erreichen des Achtelfinales eingeräumt.

Auf gar einen Gruppensieg der Römer hätten wohl auch nur eine Handvoll Leute mehr getippt – und damit goldrichtig gelegen. Der Verein aus der Serie A spielte eine überragende Vorrunde und schloss die als Todesgruppe deklarierte Konstellation tatsächlich als Primus ab. In sechs Spielen verlor man lediglich ein einziges Mal (0:2 bei Atletico), ansonsten gewann man drei Spiele (davon zwei Mal gegen Agdam) und spielte zwei Mal Remis.

Hervorzuheben sind hier vor allem die Duelle gegen Chelsea, im heimischen Stadio Olympico wurde der amtierende englische Meister mit 3:0 deklassiert. Das Hinspiel in London endete spektakulär mit einem 3:3 und gehört zu besten Partien der bisherigen Runde. Die Roma profitierte zudem enorm von der Tatsache, dass Atletico zwei Mal nicht gegen Agdam gewinnen konnte.

Ähnlich wenig Chancen wurden Donezk gegen den von Balldominanz geprägten Fußball von Manchester City und dem SSC Neapel eingeräumt. Die Gruppe wurde vom niederländischen Champion Feyernoord Rotterdam komplettiert.

Gegen die Holländer gewann Shakhtar gleiche beide Partien, somit hatte man den dritten Platz schon mehr oder weniger in der Tasche. Dazu präsentierte sich das Team von Coach Paulo Fonseca unglaublich heimstark, sowohl Neapel als auch City wurden mit jeweils 2:1 besiegt. Der Sieg über die „Citizens“ am letzten Spieltag sicherte den Einzug in die KO-Runde, da die Italiener zeitgleich in Rotterdam verloren.

 

(Photo by Paolo Bruno/Getty Images )

 

Die aktuelle Form

Nichts Neues in der Ukraine: Shakhtar thront wie eh und je auf dem ersten Platz, aktuell mit drei Punkten Vorsprung vor Dynamo Kiew. Am vergangenen Wochenende wurde Odessa mit 5:0 abgefertigt. Zuvor ruhte der Spielbetrieb allerdings wegen der Winterpause für fast zwei Monate, in diesem Zeitraum bestritt der ukrainische Champion lediglich Freundschaftsspiele. Inwieweit die Mannschaft tatsächlich im Saft steht, ist momentan etwas offen.

Seine Form wiedergefunden hat hingegen die Roma, welche von Dezember bis Januar sechs Spiele in Folge keinen Sieg in der Serie A feiern konnte. Die letzten drei Partien gegen Verona, Benevento und Udinese konnten jedoch allesamt gewonnen werden, den letzten Dreier fuhr man am Wochenende bei den Letztgenannten mit 2:0 ein. Über weitere Strecken der Saison haben die Römer Probleme konstant aufzutreten, so liegt man abgeschlagen hinter dem Spitzenduo aus Neapel und Turin auf dem dritten Platz und muss sich um diesen mit dem Stadtrivalen Lazio streiten.

 

Shakhtar: Daheim eine Macht

Der Dauermeister aus der Ukraine wird heute Abend am ehesten auf seine Heimstärke hoffen. Fonseca hat es bereits geschafft, in der Ausweicharena von Kharkiv die Tabellenführer aus England und Italien zu ärgern, weshalb dann nicht auch eine Mannschaft, welche im Ligabetrieb nicht einmal ansatzweise an den Gegner aus Gruppenphase heranreichen kann?

Dafür muss zumindest die Defensive weiterhin zuhause stehen: Neun Gegentore kassierte der Abwehrverbund während den Gruppenspielen, davon allerdings nur drei bei Heimspielen. Acht der neun eigenen Tore wurden ebenso in der Ukraine erzielt, somit besteht ein ziemliches Gefälle zwischen der Heim- und Auswärtsstärke.

 

(Photo MIGUEL RIOPA/AFP/Getty Images)

 

Starker, aber kaum variabler Angriff

Die Ukrainer bestechen durch eine tolle Offensive, schon 43 Mal war man in 20 Spielen in der heimischen Liga erfolgreich. Allerdings konzentriert sich diese Masse an Treffern weitestgehend nur auf drei Akteure: Mittelstürmer Facundo Ferreyra, Rechtaußen Marlos und Linksaußen Bernard.

Ferreyra schwingt sich vor allem auf nationaler Ebene zu Großtaten auf, der Argentinier traf bereits 15 Mal in der Premier Liga. Auf ebenso viele Tore kommen zusammen auch die beiden Flügelflitzer (Marlos zehn Treffer, Bernard fünf Treffer), welche den bulligen Angreifer flankieren. Auch in der Königsklasse war das Trio mit sieben der neun Tore für einen Großteil der Offensivaufgaben zuständig.

Diese Konzentration birgt jedoch auch Nachteile: Wenn man es schafft, einen oder gar beide Außen aus dem Spiel zu nehmen, ist die Offensive nahezu non-existent und Ferreyra hängt vollkommen in der Luft. Zum Vergleich: Kein anderer Akteur im Kader kommt in allen Wettbewerben auf mehr als drei Pflichtspieltreffer.

Das Trio wird in der Regel von Spielmacher Fred in Szene gesetzt, dessen Leistungen vor allem einem Gruppengegner nicht verborgen geblieben sind. Nach diversen Medienberichten zeigt Manchester City konkretes Interesse an dem 24-Jährigen Brasilianer.

 

(Photo by SERGEI SUPINSKY/AFP/Getty Images)

 

AS Roma: Konzentration finden

Gegen die Großen hui, gegen die Kleinen pfui: Nach diesem Mantra läuft die Saison der Roma ab. Von der Quantität und Qualität des Kaders sollte eigentlich die Möglichkeit bestehen, noch weiter vorne mitzuspielen. In der Königsklasse bewies nämlich das Team in den Duellen mit Chelsea und Atletico, dass man an guten Tagen auf dem (fast) allerhöchsten Niveau mithalten kann.

Vor allem die Offensive hat mit je drei Treffern in beiden Duellen mit den „Blues“ bewiesen, dass sie europäischen Standards mehr als genügt. Die Defensive stand mit nur sechs Gegentoren in sechs Spiel ebenso weitestgehend solide in der Gruppenphase. Gerade auf den Abwehrverbund wird es bei dem heimstarken Gegner ankommen.

 

(Photo by Dan Mullan/Getty Images)

 

Nächste Ünder-Show?

Der sportliche Aufschwung der Roma im Ligabetrieb ist vor allem mit einem Namen verbunden: Cengiz Ünder. Der junge Türke hat sich aktuell auf der rechten offensiven Außenbahn festgespielt und erzielte in den letzten drei Spielen vier Tore.

Im Sturmzentrum können sich die Italiener sowieso nach wie vor auf Serie A Torschützenkönig Edin Dzeko verlassen, auch wenn er in diesem Jahr nicht ganz seine Überform aus der vergangenen Saison erreicht. In der Liga traf der Bosnier bisher elf Mal, dazu kommen drei weitere Tore in der Königsklasse.

Dzeko wurde in der Regel von Stephan El Shaarawy und Diego Perotti, welche auch beide selbst gerne als Torschützen in Erscheinung treten. Zuletzt hatte Perotti seinen Platz aber eben an Ünder verloren.

Das Prunkstück der Mannschaft ist die Zentrale im Mittelfeld: Der unermüdliche Rajda Nainggolan und Shootingstar Lorenzo Pelligrini unterstützen die Dreierreihe im Angriff, während Routinier Daniele De Rossi oder Kevin Strootman für die Absicherung sorgen.

 

(Photo by Paolo Bruno/Getty Images)

 

Prognose zum Hinspiel

Aufgrund der immensen Abhängigkeit von der eigenen Heimstärke wird es für Donzek schon heute um fast alles gehen. Die Ukrainer müssen die richtige Balance zwischen ihrer qualitativ hochwertigen Offensive und einer stabilen Defensive finden. Gerade zu Beginn des Spiels besteht daher das Risiko, in einen Konter der Italiener zu laufen. Ein oder mehrere Gegentore zu Hause ist eine fast schon unüberwindbare Hypothek.

Für das Verhindern der Gegentreffer bei dem anderen Team ist Alisson zuständig, von welchem nahezu halb Europa schwärmt. Der Brasilianer spielt eine herausragende Saison und hat sich dadurch auch den Platz in der Selecao gesichert. Nun kann sich der 25-Jährige auf allerhöchsten Niveau beweisen und weitere Bewunderer sichern (einer soll unter anderem der FC Liverpool sein).

Trotz der steigenden Formkurve (und dem brasilianischen Keeper) ist die Roma heute wohl eher als Außenseiter einzuschätzen. Bei Donzek haben in dieser Saison auch schon andere Kaliber verloren. Daher erscheint ein knapper Heimsieg oder ein Unentschieden als die wahrscheinlichste Variante.

 

Personelle Lage, mögliche Aufstellungen

Die Gastgeber müssen unter anderem auf Mittelfeldspieler Maksym Malyshev verzichten, welcher mit einer Knieverletzung ausfällt. Zudem fehlt der etatmäßige Kapitän Dario Srna wegen eines positiven Dopingstests auf dem September.

Bei den Gästen fehlen Rick Karsdorp und Maxime Gonalons. Alessandro Florenzi könnte zudem wegen Magenproblemen nicht einsatzfähig sein.

Shakhtar Donzek: Pyatov – Ismaily, Khocholava, Krytsov, Butko – Stepanenko, Fred – Marlos, Taison, Bernard – Ferreyra

AS Rom: Alisson – Juan Jesus, Fazio, Manolas, Kolarov – Nainggolan, De Rossi, Pelligrini – Ünder, Dzeko, El Shaarawy

Marius Merck

Eine Autogrammstunde von Fritz Walter weckte die Leidenschaft für diese Sportart, die über eine (“herausragende”) Amateurkarriere bis zur Gründung von 90PLUS führte. Bei seinem erklärten Ziel, endlich ein “Erfolgsfan” zu werden, weiter erfolglos.

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