Thomas Tuchel beim FC Chelsea: Aufbruch in ein neues Zeitalter

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Erst vor wenigen Wochen entließ Paris Saint-Germain Trainer Thomas Tuchel. Nun hat er bereits einen neuen Job. Der Deutsche heuert als Nachfolger von Frank Lampard beim Chelsea an. Und vieles deutet darauf hin, dass dies für alle Partien sehr sinnvoll ist. 

  • Thomas Tuchel ist neuer Trainer des FC Chelsea
  • Für Tuchel wird der Traum Premier League Wirklichkeit
  • Kann der neue Cheftrainer alle Probleme beseitigen?

Auf Lampard folgt Tuchel: Die Entwicklungen bei Chelsea

In seiner ersten Saison als Cheftrainer musste Frank Lampard (42) den FC Chelsea durch die Transfersperre moderieren. Mit einigen jungen Spielern und einer teilweise offensiven, frischen Ausrichtung schaffte er die Qualifikation für die Champions League. In eben jener wurden den Blues zwar die Grenzen vom FC Bayern aufgezeigt, insgesamt war die Saison 2019/20 aber ordentlich. Mit Neuzugängen wie Timo Werner (24), Thiago Silva (36) oder Kai Havertz (21) und Ausgaben von weit mehr als 200 Millionen Euro sollte nun der große Angriff folgen.

Photo: Imago

Doch Kritiker, die Lampard eine fehlende Weiterentwicklung im spielerischen und taktischen Bereich vorwarfen, sahen sich bestätigt. Die neu gewonnene individuelle Klasse sorgte nicht dafür, dass die Blues sich deutlich verbesserten. Im Gegenteil. Die neuen Spieler sahen sich mit Akklimatisierungsproblemen konfrontiert, wurden nicht ideal eingesetzt. Die Fähigkeit, die ein Trainer mitbringen muss, um zu den ganz Großen zu zählen, ist aus vielen starken Individuen ein homogenes Gebilde zu formen. 3:3 gegen West Brom, 1:2 gegen Wolverhampton, 3:3 gegen Southampton, 0:2 bei Leicester City, 1:3 bei einem unkonstanten Arsenal: Lampard und seine Mannschaft lieferten nicht. 

Bereits um den Jahreswechsel deutete sich an, dass es für Lampard bei Chelsea eng werden könnte. Am Montag zogen die Blues, kurz nach einem 3:1 gegen Luton Town im FA Cup, die Reißleine. Schnell brachten Medien aus Frankreich, Deutschland und England Thomas Tuchel (48) als Nachfolger in das Gespräch. Und es dauerte nicht lange, bis die Dinge fixiert wurden. Tuchel kehrt auf die Trainerbank zurück und erfüllt sich seinen Wunsch, einen großen Klub in der Premier League zu trainieren.

Tuchels erste Aufgabe: Stabilisation und klare Ausrichtung

Viel Zeit hat Thomas Tuchel nun nicht, um Dinge zu verändern. Alleine bis zum 10. Februar stehen fünf Pflichtspiele auf dem Programm. Mit den Wolves, Burnley, Sheffield und Barnsley sind vier dieser Gegner allerdings schlagbar, lediglich gegen Tottenham wird es zumindest auf dem Papier ein sehr enges Spiel. Dennoch wünschen sich Trainer immer geregelten Trainingsbetrieb, um Veränderungen herbeizuführen. Ex-PSG-Trainer Tuchel muss jedoch andere Lösungen finden, denn schon am 23. Februar steht das Spiel in der Champions League gegen Atletico Madrid auf dem Programm. 

(Photo by FRANCK FIFE/AFP via Getty Images)

Zunächst einmal wird der neue Übungsleiter Gespräche führen und interne Abläufe verbessern und revolutionieren. Tuchel gilt als akribischer Arbeiter, der in vielen Teilbereichen für Revolutionen sorgen kann. Spieler erhalten bestimmte Ernährungspläne, alles ist genau durchgetastet. Überdies ist der 48-Jährige enorm detailversessen, was das Spiel auf dem Platz angeht. Bei PSG hatte er häufig gute Lösungen gegen unangenehme Gegner parat, ließ einen attraktiven Ballbesitzfußball spielen und beherrschte mit seiner Mannschaft mehrere Systeme. 

Die Flexibilität herzustellen ist erst einmal zweitrangig. Tuchel muss die Homogenität in der Mannschaft herstellen, eine Ausrichtung finden, die die vielen Qualitäten miteinander vereint. Havertz oder Werner kamen nicht selten auf für sie ungewohnten Positionen zum Einsatz, Potenzial wurde unter Lampard immer wieder verschenkt. Der Kader gibt einiges her, bis zum Saisonende sollte es darum gehen, eine sehr gute Basis zu schaffen, die in der Vorbereitung auf die neue Saison verfeinert werden kann.

Thomas Tuchel soll die Top-4 anpeilen

Natürlich hat man bei Chelsea weiterhin große Ziele. Der neue Trainer soll die Mannschaft derart verbessern, dass eine Platzierung unter den ersten vier Plätzen erreicht werden kann. Derzeit beträgt der Rückstand auf die Top-4 lediglich fünf Punkte, noch ist eine komplette Halbserie Zeit. Und gerade weil Liverpool, Tottenham oder gerade Arsenal nicht das Optimum aus ihre Saison herausholen und Chelsea zumindest gegenüber Leicester City und Everton individuelle Vorteile hat, ist die Qualifikation für die Champions League keinesfalls utopisch.

(Photo by Catherine Ivill/Getty Images)

In den beiden Pokalwettbewerben existiert eher keine klare Zielsetzung. Gegen einen Klub wie Atletico, der in La Liga derzeit das Maß aller Dinge ist, kann eine Mannschaft wie Chelsea durchaus ausscheiden. Wichtig ist, dass man sich gut präsentiert und nicht derart chancenlos wirkt wie es gegen Bayern 2019/20 der Fall war. Im FA Cup kann es je nach Auslosung durchaus sehr weit gehen. Dieser Pokalwettbewerb stellt denn kürzesten Weg zu einem Titel dar, in einem Spiel ist gegen die nationale Konkurrenz auch ohne die ganz große Konstanz immer etwas möglich. Das zeigte schon Mikel Arteta (38) mit dem FC Arsenal in der Vorsaison.

Chelsea hofft auf langfristige Zusammenarbeit

Bei den Blues erhält Thomas Tuchel zunächst einen Vertrag bis zum Sommer 2022, beide Seiten verfügen aber über eine Option auf ein Vertragsverlängerung. Seit dem Sommer 2009, als Carlo Ancelotti das Amt als Cheftrainer bei Chelsea übernahm, ist Tuchel nun bereits der zehnte Trainer, der bei Chelsea sein Glück versucht. Das Ziel der Verantwortlichen der Blues ist klar: Kontinuität soll her.

Die Vorteile liegen auf der Hand. Ist der Trainer über einen längeren Zeitraum erfolgreich, dann kehrt im Klub Ruhe ein. Das sorgt dafür, dass die Transferphasen unkomplizierter werden, denn ein größerer Umbruch ist unnötig. Auf Basis der eigenen Leistungen müssen in den Transferperioden nur noch kleinere Anpassungen vorgenommen werden. Ein langjähriges Engagement sorgt zudem für eine klare Ausrichtung innerhalb des Vereins.

Chelsea und Tuchel: Vielversprechend – unter gewissen Bedingungen

Man kann sich nie sicher sein, dass ein Trainer perfekt zu einem Verein passt. Rein sportlich ist Thomas Tuchel eine exzellente Wahl, allerdings gab es sowohl während seiner Zeit bei Borussia Dortmund als auch bei PSG Reibungspunkte. Dadurch haftet ein Image am Trainer, er sei ein schwieriger Charakter. Zum Teil trifft das sicher auch zu und vor allem aus seiner Zeit in Dortmund wird der 48-Jährige einiges mitgenommen haben, während seiner Zeit in Frankreich war die Gemengelage aber durchaus kompliziert. Mit Sportdirektor Antero Henrique gab es Differenzen, denn Henrique stand nicht hinter den Forderungen von Tuchel nach neuen Spielern.

Henrique-Nachfolger Leonardo befand sich ebenfalls auf Konfrontationskurs mit Tuchel, der nach dem Endspiel in der Champions League vehement neue Spieler forderte, um in der kommenden Saison das hohe Niveau zu halten. Die Wünsche wurden nicht erfüllt und genau das, was Tuchel prognostizierte, trat ein. Insbesondere in Paris hatten beide Parteien ihren Anteil und Tuchel wirkte zeitweise wie das schwächste Glied, das am Ende nun einmal austauschbar ist.

Geiz regiert beim FC Chelsea indes nicht. Die sportliche Leitung ist in der Lage, dem Trainer diverse Wünsche zu erfüllen. Und solche Wünsche wird Tuchel nach einem halben Jahr Basisarbeit äußern. Ob es zu einer langfristigen Erfolgsgeschichte kommen kann, ist vorab schwer zu beurteilen. Eines steht allerdings fest: Für alle Parteien ist diese Zusammenarbeit eine sehr große Chance.

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(Photo by FRANCK FIFE/AFP via Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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