Premier League | Liverpool, ManUtd, ManCity? Titelfavorit verzweifelt gesucht

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Spotlight | Viel wurde im Vorfeld über jenen 17. Januar gesprochen, über dieses Spitzenduell zwischen Liverpool und Manchester United, über das Aufeinandertreffen der beiden besten Offensiven der Liga, mit 37, respektive 34 Treffern. Dass es am Ende ein ereignis- und torloses Remis wurde, hat auch einen leicht ironischen Unterton. Nicht zuletzt hat dieses Spiel aber mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Allen voran die, des Titelfavoriten.

  • Liverpool erst effizient, dann historisch harmlos
  • Manchester United mit gutem Lauf – aber schon reif für den Titel?
  • Manchester City: Durchwachsener Saisonstart, aber die neue Abwehr bringt das alte Selbstverständnis zurück

Wer von den drei „Großen“ an der Spitze hat die besten Karten? 

Liverpool so harmlos, wie zuletzt vor 16 Jahren

Am 17. Dezember war klar, dass Jürgen Klopp (53) den Titel verteidigen wird. Nicht, wie ein Jahr zuvor den in der Premier League, als seine Mannschaft einem roten Orkan gleich durch Englands Oberhaus fegte und zum selben Zeitpunkt schon 14 Punkte Vorsprung auf Manchester City hatte. Sondern den, des Welttrainers. Hauchdünn setzte er sich gegen Hansi Flick (55/FC Bayern) durch, Dritter wurde Marcelo Bielsa (65/Leeds United). Eine Entscheidung, die ob der historischen Saison des FC Bayern im Nachgang heftig diskutiert und auch kritisiert wurde. Klopp selbst war die Überraschung ins Gesicht geschrieben. In seiner Dankesrede gab er sich betont bescheiden: „Ich bin nicht der beste [Trainer der Welt, Anm. d. Red.], aber ich habe den Titel gewonnen.“

Schon einen Tag vor der Zeremonie gewann seine Mannschaft dank eines Last-Minute-Treffers von Roberto Firmino (29) 2:1 gegen Tottenham. Als Geschenk für den alten und neuen Welttrainer gab es wenige Tage später ein sattes 7:0 im Selhurst Park, wobei Liverpool nicht nur spielerisch überzeugte, sondern sich auch von seiner effizientesten Seite zeigte.

Die erste Hälfte im folgenden Premier-League-Spiel gegen West Brom ließ sich ebenfalls gut an. In der 12. Minute brachte Sadio Mané (28) die Seinen in Führung. Anschließend machte Liverpool weiter Druck, es folgte jedoch…

…Nichts.

Semi Ajayi (27) rettete den Baggies acht Minuten vor Schluss sogar noch den Punkt. Im St. James‘ Park kam man nicht über ein 0:0 hinaus. Zum Jahresbeginn 2021 gönnte man sich an der englischen Südküste früh im Spiel einen kurzen Moment der Romantik, hörte im leeren St. Mary’s vielleicht sogar leise den River Itchen vor sich hinplätschern – und in der Zwischenzeit lupfte Danny Ings (28) die Kugel in hohem Bogen über Alisson (28) hinweg zum einzigen Treffer des Spiels. So war man gegen Manchester United unter Zugzwang, um der eigenen Anspruchshaltung gerecht zu werden. Es folgte…

…genau.

Sieben Halbzeiten in Folge ist Liverpool inzwischen torlos. In drei aufeinanderfolgenden Premier-League-Spielen nicht zu treffen, passierte ihnen zuletzt im März 2005, damals noch unter Rafa Benitez (60). Ihre Tabellenführung haben sie inzwischen auch eingebüßt und finden sich durch den 4:0-Sieg Manchester Citys gegen Crystal Palace gar nur noch auf Platz vier wieder. Zudem wirken die drei Tenöre im Angriff seltsam außer Takt. Luke Shaw (25) beschränkte den Radius von Mohamed Salah (28) auf ein absolutes Minimum, Sadio Manés ordentlicher Start in der Liga ist inzwischen verpufft und Roberto Firminos Sonntagabend bestand aus fehlerhaften Ballannahmen und leichtfertig vergebenen Torchancen.

Manchester United auf Platz 1 – aber wirklich titelreif?

Klar ist, dass diese Vorstellung keine war, um die eigenen Meisterschaftsambitionen zu untermauern. Von 63 Torschüssen in den letzten vier Spielen kamen gerade einmal elf auf den Kasten und einer fand seinen Weg ins Tor. „Es gibt keine einfache Erklärung“, sagte Jürgen Klopp Sky Sports. „Wir vergeben immer Chancen. Es ist nur, dass wir danach eine andere hatten und diese genutzt haben. Diese Momente passieren. Es gibt Momente, die du nicht erklären kannst und aus allen Lagen triffst, wie gegen Crystal Palace. Und dann gibt es die anderen Momente. Es geht ums Kreieren. Du musst dir wieder und wieder und wieder Chancen erarbeiten – und irgendwann werden wir wieder treffen. 100 Prozent. Jeder weiß es“.

Chancen hatte am Sonntagabend auch Manchester United. Große sogar. Bruno Fernandes (26) und Paul Pogba (27) hätten beide Liverpools Serie von 68 Ligaheimspielen ohne Niederlage beenden können, scheiterten jedoch an Alisson. So verpasst United eine sehr gute Gelegenheit, sich an der Tabellenspitze abzusetzen. Ohnehin ist die Frage nach der Titelreife der Mannschaft von Ole Gunnar Solskjær (47) noch nicht final beantwortet. Den Auftritt in Anfield kann man wohlwollend als taktisch ausgereift bezeichnen. In der Premier League ist man nunmehr seit zwölf Spielen ungeschlagen, gewann davon neun, allerdings noch keines gegen Top-5-Mannschaften.

(Photo by Michael Regan/Getty Images)

Auch die Tatsache, dass man vor gut zwei Wochen Stadtrivale City im Halbfinale des EFL-Cups 0:2 unterlag und damit auch nach vier Versuchen weiter auf das erste Finale der Ära Solskjær wartet, passt in dieses Bild. Zudem glichen die ersten 20 Minuten des entscheidenden Champions-League-Gruppenspiels in Leipzig einem einzigen Vollwaschgang. Am Ende unterlag man 2:3 und muss sich nunmehr mit dem Unterhaus des europäischen Fußballs zufriedengeben. Talent hat die Mannschaft fraglos, in den kommenden Jahren gilt es dieses auch in großen Spielen gewinnbringend zu kanalisieren. Fürs Erste ist diese Tabellenführung aber wohl eher ein Strohfeuer, denn wirklich richtungsweisend.

Dann doch wieder Manchester City?

Vor allem, weil es noch eine Mannschaft gibt, die sich klammheimlich wieder in vertraute Gefilde zurückschleicht: Manchester City. Die Skyblues erwischten einen durchwachsenen Saisonstart. Sinnbildlich dafür steht die 2:5-Heimniederlage gegen Leicester Ende September. Seitdem aber sind die gewohnt guardiolesken Verhaltenszüge zurück ins Etihad gekehrt. In der Liga gab es nur eine weitere Niederlage (0:2 bei Tottenham), zuletzt gewann man wettbewerbsübergreifend acht Spiele am Stück und kassierte dabei gerade einmal zwei Gegentore. Im Vergleich zur Konkurrenz hat man außerdem noch eine Partie in der Hinterhand, könnte im Falle eines Sieges also die Tabellenführung übernehmen.

Die größte Problemzone, die Defensive nach dem Abgang von Kapitän Vincent Kompany (34), hat man inzwischen wieder im Griff. Rúben Dias (23), im Sommer für 68 Millionen Euro von Benfica gekommen, wächst mit jedem Spiel mehr in die Rolle des Abwehrchefs. Auch John Stones (26), der zwischenzeitlich auf der Transferliste stand, ist wieder gesetzt und bildet mit dem portugiesischen Nationalspieler ein stabiles Innenverteidigerpärchen. Zudem entwickelt er in jüngster Zeit auch ungeahnte Torjägerqualitäten: Den EFL-Cup-Finaleinzug im Old Trafford brachte er auf den Weg, beim 4:0 gegen Crystal Palace traf Stones gleich doppelt. Hinten rechts hat sich João Cancelo (26) nach schwerem Start festgespielt, auf der gegenüberliegenden Seite macht Oleksandr Zinchenko (24) seine Arbeit grundsolide.

(Photo by PETER POWELL/POOL/AFP via Getty Images)

Zusammen mit Spielern wie Ilkay Gündoğan (30), Kevin De Bruyne (29), Fernandinho (35) und Rodri (24) im Mittelfeld sowie einem breit aufgestellten Angriff aus Gabriel Jesus (23), Raheem Sterling (26), Riyad Mahrez (29), den Toptalenten Phil Foden (20) und Ferran Torres (20) sowie Altmeister Sergio Agüero (32), hat Manchester City einen fast schon luxuriös aufgestellten Kader. Inmitten vieler schwächelnder Topteams und aufstrebenden Underdogs wie Leicester City oder Tottenham, die nicht mal ansatzweise über die erforderliche Breite verfügen, haben die Cityzens momentan wohl die besten Karten. Dazu kommt, dass Geburtstagskind Pep Guardiola (50) in diesen eng getakteten Wochen und Monaten die perfekte Mischung aus Intensität und Regeneration gefunden zu haben scheint. Die Spiele werden noch immer überzeugend bis klar gewonnen, wenngleich nicht so erdrutschartig, wie noch zu Barcelona- und Bayern-Zeiten. Das braucht es allerdings auch nicht. Es reichen schon einfache Ergebnisse, um sich als Titelfavorit ins Gespräch zu bringen.

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(Photo by Laurence Griffiths/Getty Images)

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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