Arsenal | Emile Smith Rowe – Wie ein Youngster Mesut Özil vergessen lässt

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Spotlight | Nach dem schlechtesten Saisonstart seit 46 Jahren befindet sich Arsenal wieder auf der Siegerstraße. Einen großen Anteil daran hat ein 20-Jähriger, der dabei ist, in Mesut Özils Fußstapfen zu treten: Emile Smith Rowe. 

  • Emile Smith Rowe in absoluter Topform
  • Arsenal setzt wieder auf Talente – mit Erfolg
  • Kreativität und Spielfreude

Als am 19. Dezember 2020 in Everton der Schlusspfiff ertönte, konnte es Mikel Arteta kaum glauben. Der FC Arsenal hatte unter seiner Leitung soeben das achte Spiel in Serie nicht gewinnen können; verlor mit 1:2. 14 Punkte aus 14 Spielen: Der schlechteste Saisonstart seit 46 Jahren war perfekt.

Der Spanier, vor wenigen Monaten noch als Heilsbringer der Gunners und als Pep Guardiolas Erbe gefeiert, starrte konsterniert ins Nichts und schlug die Hände über den Kopf. Er wirkte ratlos. Ratlos darüber, wie die in Zeiten von Arsene Wenger freifließende Offensive der Londoner über den Platz schlich, als würde sie durch Treibsand laufen. Zwölf Tore aus 14 Spielen – nur die Abstiegskandidaten West Bromwich Albion, Burnley und Sheffield United hatten weniger auf dem Konto.

Ein Jahr nach seinem Amtsantritt und sechs Monate nach dem Gewinn des FA Cups begannen die englischen Medien an Artetas Trainerstuhl zu sägen. Er musste sich etwas einfallen lassen. Es brauchte neues Leben. Jemand, der das Angriffsspiel ins Rollen bringen kann, die zündenden Ideen hat: einen Zehner.

Dieser Jemand saß während der Krise meistens zu Hause auf der Couch. Und obwohl die Rufe nach ihm immer lauter wurden und er via Twitter die schlechten Leistungen seiner Mannschaft eifrig kommentierte, handelt es sich dabei nicht um den aussortierten Mesut Özil. Es war Emile Smith Rowe…Emile wer?

Arsenal: Smith Rowe wartet auf den Durchbruch

Gegen Everton saß der 20-jährige Engländer mit den strubbeligen blonden Haaren und den Hamsterbacken dick eingepackt 90 Minuten auf der Bank. Erst zum zweiten Mal in der Saison gehörte er in der Liga dem Kader an, durfte bislang einzig in der Europa League sein Können unter Beweis stellen.

Beim FC Arsenal hält man von seinem Eigengewächs dennoch große Stücke. Seit seinem zehnten Lebensjahr wird er in London ausgebildet. Nach einer von Verletzungen durchzogenen Leihe bei RB Leipzig 2019, bei der er nur 23 Pflichtspielminuten absolvierte, folgte eine vielversprechende Rückrunde bei Zweitligist Huddersfield Town. „Er war schüchtern, ziemlich introvertiert, aber sobald er das Feld betrat, erwachte er zum Leben“, erinnerte sein damaliger Trainer Danny Cowley im Gespräch mit The Athletic. Seine Qualität war schnell zu erkennen. „Ultratalentiert, er könnte in einer Telefonzelle Raum finden, er weiß genau, was um ihn herum passiert. Seine Fähigkeit, Verteidigung in Angriff umzuwandeln (…) ist auf dem höchsten Level“, fügte er an.

Auch Arteta war von dem Talent angetan. „Er ist ein Spieler mit sehr speziellen Qualitäten, der in diesen Räumen eines offensiver Mittelfeldspielers spielen kann“, sagte er nach Smith Rowes Rückkehr im Sommer gegenüber Sky und betonte: „Ich bin aufgeregt, mit ihm zu arbeiten. Ich glaube er ist jemand, der ziemlich beeindruckend sein kann.“

Dem Lob folgten zunächst keine Taten, nicht zuletzt weil Smith Rowe lange aufgrund einer Schulterverletzung ausfiel. Auch im Anschluss verzichtete Arteta auf einen Spielmacher, schenkte in der Offensive erfahrenen Flügelspielern wie Willian oder Nicolas Pépé das Vertrauen und wurde wöchentlich enttäuscht.

Smith Rowe und die Young Guns schaffen Befreiungsschlag

Nach besagtem Everton-Spiel war das Vertrauen in die alte Garde aufgebraucht. Darüber hinaus war der formschwache Goalgetter Pierre-Emerick Aubameyang verletzt. Arteta musste handeln. Am Boxing Day, zu Hause gegen den Tabellenfünften FC Chelsea, setzte er auf die Jugend. Neben dem 19-jährigen Bukayo Saka – schon lange einer der wenigen Lichtblicke – durften zwei weitere Youngster erstmals ran: der 19-jährige langzeitverletzte Gabriel Martinelli und eben Emile Smith Rowe.

Die Young Guns drehten auf, revitalisierten die komplette Mannschaft. Arsenal gewann hochverdient mit 3:1. Bukayo Saka und Granit Xhaka eroberten an diesem Tag mit ihren Traumtoren die Schlagzeilen, doch es war Smith Rowe, der in seinem dritten Premier-League-Spiel überhaupt das Spiel nach vorne endlich zum Klicken brachte.

Immer wieder tauchte der Mann mit den halbhoch-hängenden schlabbrigen Stutzen, die an Ex-Gunner Aleksander Hleb erinnern, in den entscheidenden Räumen zwischen Mittelfeld und Angriff auf. Geschickt ließ er den Ball prallen, leitete ihn weiter und verrichtete dabei auch noch Defensivarbeit. Er beendete das Spiel mit den meisten Torschussvorlagen, Pässen im Angriffsdrittel und eroberten Bällen.

(Photo by Julian Finney/Getty Images)

Arsenal: Mit Smith Rowe klickt die Offensive

Smith Rowe spielte sich fest. Sein Stempel auf das Offensivspiel wurde von Woche zu Woche größer. Mit dem jungen Spielmacher in der Startelf holten die Gunners 13 von 15 möglichen Punkten. Die komplette Mannschaft wirkt mit ihm ausbalancierter und zielorientierter. In den fünf Partien mit Smith Rowe im Team erspielten sich die Londoner im Schnitt 1,99 expected Goals (xG) pro Spiel – der zweitbeste Wert nach Manchester City. In den 14 Spielen zuvor waren es nur 1,1 xG – Platz 15 in der Premier League.

Doch sein Einfluss lässt sich auch an seinem persönlichen Output messen. Nur Bruno Fernandes (12) von Manchester United kreierte in dieser Zeitspanne aus dem offenen Spiel heraus mehr Chancen als Smith Rowe (10), der nun auch selbst die Schlagzeilen erobert.

Im FA Cup gegen Newcastle United vor einer Woche wurde er zunächst geschont. Ohne ihn fand Arsenal kein Durchkommen. Mitte der zweiten Halbzeit  wurde er schließlich eingewechselt. In der 109. Minute demonstrierte er all seine Stärken in nur einer Szene: Er eroberte im Angriffsdrittel den Ball, schaltete blitzschnell um und passte zu seinem Mitspieler. In Windeseile erkannte er den offenen Raum, startete durch und erhielt im Strafraum wieder das Leder, ehe die Verteidigung überhaupt reagieren konnte. Nach einer gefühlvollen Annahme mit der Brust, schloss er überlegt und flach zum 1:0 ab und beförderte sein Team somit in die nächste Runde.

„Es war sehr beeindruckend von Smith Rowe, weil er mit viel Persönlichkeit spielt, viel Risiko“, lobte Arteta nach der Partie bei der BBC und betonte: „Er spielt in den Räumen, wo er Sachen passieren lassen muss und er hat das Talent, das zu tun.“

Smith Rowe beerbt Mesut Özil

Mit Smith Rowe auf der Zehn ist der FC Arsenal endlich wieder auf der Siegerstraße. Nach dem jüngsten Erfolg über Newcastle am Montag, dieses Mal in der Liga, sind die europäischen Plätze trotz des schockierenden Saisonstarts nur noch fünf Punkte entfernt. Smith Rowe steuerte beim 3:0 nach einem schwindelerregenden Tempodribbling übrigens seinen dritten Assist bei und führt damit schon jetzt sein Team an.

„Er rennt nicht mit dem Ball, er gleitet mit dem Ball, er reist mit ihm“, lobte im Anschluss Sky-Experte Garry Neville und erklärte: „Viele junge Spieler rennen mit dem Ball, schauen dann hoch, müssen stoppen und dann ist der Moment weg. Nicht er, er ist verbunden, er ist clever. Er hätte in den alten Arsenal-Mannschaften spielen können.“

Arteta betonte nach dem Spiel, dass er Smith Rowe in Mitten des Hypes noch „beschützen“ will und auch sein Protegé bleibt weiter auf dem Teppich. „Ich glaube ich hatte Pech mit Verletzungen und so, aber der Trainer hat mir die Chance gegeben und ich bin so dankbar. Ich hoffe einfach, dass ich ihm das zurückzahlen kann. In jeder Gelegenheit, die ich bekomme, möchte ich ihm nur zeigen, dass ich gut genug bin, in dieser Mannschaft zu sein“, sagte er nach dem Spiel.

Daran dürfte es aktuell keinen Zweifel geben. „Das Team sieht gut aus mit einer Nummer zehn“, twitterte Özil zwischenzeitlich und spielte dabei wohl auf seine eigene Degradierung an. „The difference maker“, lobte er den Newcomer. Mittlerweile haben Özils Arsenal-Tweets nachgelassen, die Forderungen nach ihm auch. Der ehemalige Topverdiener wechselt zu Fenerbahce in die türkische Süperlig. Nun ist es Smith Rowe, der im Angriff die Fäden zieht und die Gunners-Offensive endlich wieder fließen lässt.

(Photo by Julian Finney/Getty Images)

Chris McCarthy

Gründer und der Mann für die Insel. Bei Chris dreht sich alles um die Premier League. Wengerball im Herzen, Kick and Rush in den Genen.

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