Planspiele zur Zuschauerrückkehr: Die Hoffnung auf ein Miteinander

Nachspielzeit

Spotlight | Am Dienstag kommen die 36 Profivereine der DFL in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zusammen. Es soll um die mögliche Rückkehr von Fans in die Stadien gehen. Sorgen der Fanszene sollten hierbei ernst genommen werden.

Vier Pfeiler und viel Gegenwind

In der letzten Woche gab die DFL bekannt, dass man sich am kommenden Dienstag (04.08.2020) zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung treffen werde. Inhaltlich soll es dabei um mögliche Konzepte für eine Teilrückkehr von Fans in die Stadien gehen, wenn möglich schon zum Start der neuen Saison in der Bundesliga. Zeitgleich wurden auch die Eckpfeiler eines möglichen Konzeptes publik.

Und schon diese sorgten für ausreichend Diskussionen bei den Fans und in den Medien. Neben einem Verbot von Alkohol und Stehplätzen soll vorerst auf Gästefans verzichtet werden und um eine Nachverfolgung von Infektionsketten zu gewährleisten auf personalisierte Tickets gesetzt werden. Wer sich in der Vergangenheit ein wenig mit den Wünschen und Ängsten von Fangruppierungen auseinandersetzte, der wird schnell merken: Hier werden viele dieser Ängste bedient.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Einschnitte in die Fankultur

Gerade Stehplätze und Gästefans gelten als unabdingbarer Bestandteil der deutschen Fankultur, personalisierte Tickets als Schreckgespenst was Datenschutz angeht. Das Alkoholverbot sei hier einmal hinten angestellt. Kein Wunder also, dass die öffentlich gewordenen Ideen nicht nur auf Zuspruch trafen. Neben dieser Ebene des Gegenwindes wirft gerade der Ausschluss von Gästefans auch die Frage nach einem fairen Wettbewerb aus.

Ein leeres Stadion ist für beide Teams leer. Ein Stadion ohne Gästefans ist ein Nachteil für den Gast. Am Ende muss man der DFL, unabhängig von der berechtigten Kritik, aber zugestehen, dass alle Punkte in einem solchen Konzept durchaus auch eine sinnvolle Berechtigung haben, wenn man Zuschauer zulassen und das Risiko minimieren will. Als Interessenvertretung der deutschen Profivereine ist ein Versuch, die Teilrückkehr zu ermöglichen zudem mehr als nachvollziehbar.

Bundesliga: Die Chance auf ein Miteinander

Dieses Verständnis für die DFL und ihre Beweggründe sollte Teil der Betrachtung sein. Doch auch die Sorgen der Fans müssen ernst genommen werden und haben Verständnis verdient. Es ist kaum von der Hand zu weisen, dass DFL und DFB in den letzten Jahren keinen herausragend guten Kontakt zur aktiven Fanszene pflegten und pflegen. Vereins- und Verbandsfunktionäre scheinen mit dieser in Teilen regelrecht auf Kriegsfuß. Wenn die Ausnahmesituation heute also dafür sorgt, dass große Einschnitte in wichtige Bestandteile der Fankultur diskutiert werden, dann ist die Abwehrreaktion nur logisch. Es braucht mehr als nur Versprechen, um diese Sorgen zu nehmen.

Es wird ein langer Weg sein, bis wir wieder zurück in eine Normalität ohne die Pandemie finden und bis dahin ist Flexibilität, gegenseitiges Verständnis und ein besinnen auf gemeinsame Interessen unabdingbar. Ein aktiver Dialog zwischen denen, die die Fans zurück ins Stadion holen wollen und den Fans selber ist also ein wichtiger Bestandteil in diesem Prozess. Es ergibt sich hieraus auch eine neue Möglichkeit für den Profifußball, auf die Fanszene zu zugehen und im besten Falle neu zusammen zu finden. Chancen dieser Art wurden in der Vergangenheit immer wieder vergeben, doch eine besondere Situation bietet eben auch immer besondere Möglichkeiten. Und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Julius Eid

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Julius Eid

Seit 2018 bei 90PLUS, seit Riquelme Fußballfan. Gerade die emotionale Seite des Sports und Fan-Themen sind Julius‘ Steckenpferd. Alleine deshalb gilt: Klopp vor Guardiola.

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