Wechsel per Ausstiegsklausel: Stars an der Seitenlinie

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Adi Hütter und Marco Rose haben von ihren Ausstiegsklauseln Gebrauch gemacht. Die Vertragsoption wird bei Trainern immer beliebter – ist dies ein Problem? Ein Kommentar.

Rose und Hütter mit Ausstiegsklausel

Nach einem gefühlt ewig langen Wartespiel klärte sich Mitte Februar die Zukunft von Gladbach-Trainer Marco Rose (44). Viele Fohlen-Fans waren sauer, hingen Banner am Stadion auf, die sich gegen ihren Trainer richteten. Rose wurde Charakterlosigkeit vorgeworfen. Die Gemüter waren lange Zeit erhitzt. Nun, mehrere Wochen später, hat Gladbach SGE-Coach Adi Hütter (51) als neuen Trainer für die kommende Saison vorgestellt. Die Gemeinsamkeit: Beide hatten eine Ausstiegsklausel in ihrem Vertrag, die es ihnen erlaubte, den Verein zu wechseln. Nun kann sich Gladbach auf einen tollen Trainer freuen, Frankfurt steht nach dem Abgang von Hütter und Sportvorstand Fredi Bobic (49) zwar ziemlich sicher mit einem Platz in der Champions League, aber eben auch mit einem riesigen Vakuum da. Die SGE-Fans sind natürlich alles andere als begeistert.

Die Situationen sind trotz der Aktivierung der Ausstiegsklauseln nicht wirklich miteinander zu vergleichen. Die involvierten Klubs befinden sich in anderen sportlichen Situationen und die Motive der Trainer dürften höchstwahrscheinlich andere sein. Dass sich die Gladbach-Fans lediglich an der Aktivierung der Klausel störten, wird in den sozialen Netzwerken am Tag der Bekanntgabe des Hütter-Wechsels auch gekonnt ignoriert. Nicht nur Gladbach-Fans, sondern auch Max Eberl (47) wurde im Zuge dessen Heuchelei vorgeworfen. Aber warum eigentlich?

Trainer mit neuer Wertschätzung

„Ich bin Sportdirektor eines Vereins, der sich genauso bei anderen Vereinen bedient. Deswegen bin ich weit davon entfernt, mit dem Finger auf andere zu zeigen“, teilte dieser nach dem Wechsel von Rose zum BVB mit. Es ist ein Geschäft und alle Beteiligten wissen das. Nur sind wir Fans da manchmal ein wenig komplizierter. Fußball ist mehr als nur ein Sport. So abgedroschen diese Phrase klingen mag und so gerne man, aufgrund vieler extrem negativer Entwicklungen des modernen Fußballs ein wenig mehr Distanz einnehmen würde, lässt dieser simple, aber dann doch komplexe Sport einen nicht los. Das gilt natürlich auch für die Beteiligten, die in diesem Geschäft tätig sind, egal in welcher Rolle.

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Neu ist lediglich, dass auch Trainer im Mittelpunkt wilder Transferspekulationen auftauchen. In Spieler verlieben sich Fans, die schon länger ihre Klubs verfolgen, immer seltener, weil der Sport kurzlebiger, das Geld verlockenderer und Loyalität geringerer wird. Die emotionale Nähe zu Ausnahmespielern wird nicht mehr richtig zugelassen. Warum auch? In zwei oder drei Jahren sind diese eh wieder weg, außer man ist Fan von den ganz, ganz großen Klubs.

Die neuen Stars an der Seitenlinie

Aber Trainer konnten bislang noch viel eher den Platz in den Herzen der Anhängerschaft erobern, wenn sie langfristige Pläne und Ziele mit den Klubs verfolgten. Ihnen glaubt man das im Regelfall. Allerdings wird immer mehr Vereinen bewusst, dass der Trainer der wichtigste Angestellte eines Klubs ist. Dementsprechend agieren sie auf dem Markt und auch eben jene Übungsleiter wissen, wie begehrt sie sind. Viel zu lange wurden sie bei den ganz großen Summen außen vor gelassen. Das ändert sich jetzt allmählich und ihre Wertschätzung ist gestiegen.

Ausstiegsklauseln für Trainer sind der logische nächste Schritt. Nur müssen sich Fans noch daran gewöhnen. Es ist ein Umstand, der nervt, aber aus Sicht der Trainer absolut nachvollziehbar ist. Sie rücken immer mehr in den Fokus: Es gibt Talente, alteingesessene Routiniers, Geheimtipps, Superstars und vieles mehr. Trainer werden in der öffentlichen Betrachtung immer mehr wie Spieler wahrgenommen. Mit all den positiven, aber auch negativen Folgen.  Ihr Amt ist mittlerweile emotional deutlich aufgeladener. So wie dies Liebe bringt, kann es auch in Abneigung oder sogar Hass umschlagen. Das ist eine Entwicklung, die traurig, aber heutzutage leider allerdings alles andere als außergewöhnlich ist.

Damian Ozako

Foto: Imago

Damian Ozako

Als Kind von Tomas Rosicky verzaubert und von Nelson Haedo Valdez auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht worden. Geblieben ist die Leidenschaft für den (offensiven) Fußball. Seit 2018 bei 90PLUS.

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