Union vs Hertha: Ein Derby mit zweierlei Druck

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Vorschau | Am kommenden Sonntag heißt es zum dritten Mal infolge: Geisterderby in Berlin! Der 1. FC Union Berlin empfängt Hertha BSC in der Alten Försterei. Beide Teams gehen mit großer Motivation in das Stadtduell. Die „Eisernen“ wollen nach zwei Derby-Niederlagen nacheinander wieder gewinnen. Die Blau-Weißen streben ebenfalls einen Sieg an, auch weil die Tabellensituation weiter prekär ist.

Anpfiff der Partie ist am Sonntag, 18 Uhr, Live bei Sky.

  • Die Berliner Teams trennen 14 Punkte und sieben Plätze
  • Union Berlin zuletzt mit 2:5-Niederlage in Frankfurt
  • Hertha BSC gewann zwei seiner letzten drei Spiele

Union Berlin: Trotz Frankfurt-Pleite in der Spur

Mit dem Berlin-Derby wahrtet die Bundesliga nach der Länderspielpause mit einem echten Leckerbissen auf. Es muss nicht betont werden, wie schade es um die besondere Atmosphäre solcher Partien ist, dass die Stadionbesucher:innen weiterhin fehlen. So wird es am Sonntag das bereits dritte Berliner Geister-Derby infolge sein – nur ein einziges in Liga eins konnte bislang vor Fans ausgetragen werden. So richtet sich der Blick vor allem auf das Sportliche. In jenem Aspekt triumphiert der 1. FC Union Berlin im Stadtvergleich dieses Jahr deutlich.

Hertha Union

Foto: xMatthiasxKochx/IMAGO

Daran ändert auch die 2:5-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt vom vergangenen Wochenende nichts. Zum einen, weil die eigentlich gute Leistung durch einen skurrilen Spielverlauf überschattet wurde. Zum anderen aber auch, weil die „Eisernen“ trotz der Auswärtspleite weiter eine hervorragende Saison spielen. Vor Frankfurt war Union fünf Spiele lang ungeschlagen, man kassierte nur zwei Gegentore in diesen Spielen. Die Rückkehr von Max Kruse (33) hat auch dem Spiel nach vorne gut getan, nur die Chancenverwertung muss sich verbessern. Dann könnte Union Berlin womöglich sogar berechtigte Hoffnungen auf Europa haben. Mit 38 Punkten nach 26 Spielen steht der letztjährige Aufsteiger auf Rang sieben der Tabelle, nur zwei Zähler hinter Platz sechs – Bayer Leverkusen.

Union will Derby-Bilanz aufbessern

Von solchen Träumen will in Köpenick aber niemand reden. Darüber hinaus steht nun erstmal das Stadtderby voll im Fokus. Hier will Union Wiedergutmachung leisten. In der vergangenen Saison konnte das Hinspiel noch mit 1:0 gewonnen werden, doch danach setzte es deutliche 0:4- und 1:3-Derby-Niederlagen gegen Hertha. „Das 1:3 ist schon noch ein bisschen in unseren Köpfen“, gibt FCU-Trainer Urs Fischer (55) zu. „Ich glaube, das ist auch gut so, dass wir noch ein bisschen was gutzumachen haben.“ Auch der Schweizer bedauert das Fehlen der Fans, fügt aber an: „Das ist ein spezielles Spiel, da sind Emotionen dabei, da ist Rivalität dabei.“ Trotz der 14 Punkte und sieben Plätze Unterschied warnt Fischer vor den Blau-Weißen, nachdem diese zuletzt mit 3:0 gegen Bayer Leverkusen gewinnen konnten. „Das war ein überzeugender Auftritt. Der Sieg war verdient. In den letzten Spielen kommen sie kompakter daher“, so der Schweizer. „Das wird eine ganz schwierige Aufgabe. Aber es ist ein Derby. Wir werden alles daransetzen, um zu gewinnen.“

Für diese Aufgabe wird Fischer weiterhin auf Sheraldo Becker (26), Taiwo Awoniyi (23), Anthony Ujah (30) und Niko Gießelmann (29) verzichten müssen. Christopher Lenz (26) steht hingegen wieder zur Verfügung. „Es geht ums Team und die Frage, wie wir die Hertha stoppen können – und nicht um einzelne Spieler“, merkt Fischer an. „In der Kompaktheit und Organisation dürfen wir uns nicht so viele Fehler leisten.“ Wie im Hinspiel, als Robert Andrich (26) das Spiel durch seinen frühen Platzverweis zum Kippen brachte.

Hertha BSC: An das Leverkusen-Spiel anknüpfen

„Ich habe genügend Derbys erlebt als Spieler und du machst hinterher lieber Sprüche, als dir welche anhören zu müssen“, sagte Unions Fischer im Vorfeld des Derbys. Auch Pal Dardai (45) von Hertha BSC gab sich zunächst eher zurückhaltend. „Du weißt ja, mit diesen ganzen Gefühlen …“, entgegnete der Ungar der Frage, wie es um sein Bauchgefühl fürs Stadtduell bestellt ist. Dardai wollte sich keine provokante Aussage entlocken lassen. „Heute sitze ich hier und bin sehr zufrieden. Wir hatten heute Morgen ein gutes Training, schönes Wetter, ich gehe gleich nach Hause zu meiner Familie. Alles optimal.“

Foto: xMatthiasxKochx/IMAGO

„Das viele Reden ist immer schön, am Wochenende liegt die Wahrheit auf dem Platz. Da wartet ein richtiges Brett auf uns“, weiß auch Hertha-Sportdirektor Arne Friedrich (41). Grund für Selbstbewusstsein hat die „alte Dame“ jedoch durchaus. Da wären zum einen die zwei Derby-Erfolge in Serie, zum anderen aber auch die aufsteigende Form unter Dardai. Zuletzt haben die Berliner zwei ihrer drei zurückliegenden Spiele gewinnen können, jüngst beim 3:0-Sieg über Leverkusen. „Die Jungs haben eine sehr gute Reaktion gezeigt gegen Leverkusen, mit dem Rücken zur Wand“, so Friedrich. „Das macht mich persönlich optimistisch. Auch wenn ich sehe, wie die Jungs und das Trainerteam arbeiten.“ Mit dem letzten Sieg hat sich Hertha auf Platz 14 geschoben, steht aber nur einen Punkte vor Rang 16 und zwei vor dem Vorletzten. Die Lage bleibt somit sehr gefährlich – eine Derbyniederlage würde auch rein tabellarisch weh tun. 

Hertha kann auf Khedira und Boyata setzen

Für Hertha steht gegen Union also weitaus mehr auf dem Spiel. Mut wird machen, wie sich die Mannschaft zuletzt präsentiert hat: Defensiv sehr souverän, offensiv effizient. Die Rückkehr von Matheus Cunha (21) hat der Mannschaft offensichtlich gut getan. „Wir wissen welche Bedeutung dieses Spiel für unsere Fans hat. Wir wollen und müssen dieses Spiel gewinnen“, stellte Friedrich im Vorfeld klar. Hilfreich dafür könnte die Rückkehr zweier Führungsspieler sein. Kapitän Dedryck Boyata (30) wird nach monatelanger Verletzung wieder im Kader stehen, auch Sami Khedira (33) ist zurück). Fehlen wird hingegen Vladimir Darida, der noch rotgesperrt ist. 

Und etwas provokant wurde es im Vorfeld doch noch. Unions Lenz sagte im Vorfeld: „Hertha muss drinbleiben – aber sie sollen gerne leiden bis zum Ende und es erst in der Relegation schaffen.“ Darauf erwiderte Herthas Co-Trainer Andreas „Zecke“ Neuendorf (46): „Du hängst den Spruch an die Wand, die Jungs sehen das und pushen sich dadurch noch das eine Prozent mehr.“

Prognose

Am Sonntag kann ein enges Derby zwischen dem 1. FC Union Berlin und Hertha BSC erwartet werden. Union wird gewillt sein, die jüngste Niederlage gegen Leverkusen und die negative Bilanz gegen Hertha wiedergutzumachen. Die Blau-Weißen wollen auf den letzten zwei Stadtduellen aufbauen und an die aufsteigende Formkurve anknüpfen. Es sollte ein rassiges Spiel mit fußballerischen Elementen werden, welches Unentschieden endet.

Mögliche Aufstellungen:

Union Berlin: Luthe – Knoche, Friedrich, Schlotterbeck – Ryerson (Lenz), Andrich, Prömel, Trimmel – Ingvartsen – Kruse, Pohjanpalo

Hertha BSC: Jarstein – M. Dardai, Stark, Klünter – Mittelstädt, Guendouzi, Tousart, Zeefuik – Cunha – Lukebakio, Cordoba

 

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Marc Schwitzky

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Marc Schwitzky

Erst entfachte Marcelinho die Liebe zum Spiel, dann lieferte Jürgen Klopp die taktische Offenbarung nach. Freund des intensiven schnellen Spiels und der Talentförderung. Bundesliga-Experte und Wortspielakrobat. Seit 2020 im 90PLUS-Team.

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