Die große 90PLUS Saisonvorschau zur Ligue 1

Vorschau

Die französische Ligue 1 ist die Topliga in Europa, die zuerst in die Saison 2017/18 startet. Die AS Monaco, trainiert von Leonardo Jardim, wird als amtierender Meister der Gejagte sein, vor allem Paris Saint-Germain erhebt immensen Anspruch auf den Thron in Frankreich. In der Sommertransferperiode hat sich einiges getan, die Liga verfügt erneut über einige spannende Talente und Projekte und es sind nicht nur Monaco und PSG, auf die man als Zuschauer ein Auge haben sollte.

In unserer Saisonvorschau befassen wir uns ausführlich mit den Topteams, geben einen Überblick über spannende Entwicklungen und Projekte, werfen einen Blick auf interessante Talente und Geschehnisse auf dem Transfermarkt und starten mit einem kleinen Rückblick auf die vergangene Saison.

 

Der Rückblick – Die Saison 2016/17

In einem spannenden Duell zwischen der AS Monaco und Paris Saint-Germain entschieden am Ende die Monegassen den Kampf um die Meisterschaft für sich. Und das, obwohl der Saisonstart für beide Mannschaften nicht ideal verlief. Monaco patzte gleich am ersten Spieltag beim 2:2 zuhause gegen Guingamp, Paris verlor am 3. Spieltag in Monaco und kam nur einen Spieltag später nicht über ein Remis zuhause gegen St. Etienne hinaus. Bereits nach 10 Spieltagen hatte Lucien Favre mit seinem Klub Nizza 4 Punkte Vorsprung auf Monaco, gar 6 auf den Ligaprimus aus Paris. Favre konnte die beiden Topmannschaften lange Zeit ärgern, am Ende reichte es für den Ex-Coach der Hertha und der Borussia aus Mönchengladbach für Platz 3 und die Teilnahme an der Qualifikation zur Champions League.

(Photo by BORIS HORVAT/AFP/Getty Images)

Am Ende der Hinrunde führte Nizza mit nur einer Niederlage und 44 Punkten die Tabelle vor Monaco (42), Paris (39), Lyon (34) und Guingamp und Marseille (jeweils 30) an. Zu diesem Zeitpunkt befand sich eigentlich die halbe Liga im Abstiegskampf, die Leistungsdichte war abgesehen von den absoluten Topklubs recht hoch. In der Rückrunde patzte der OGC Nizza dann etwas häufiger, konnte das überragende Niveau nicht ganz halten. Monaco setzte am 23. Spieltag ein Ausrufezeichen und gewann mit 3:0 gegen das Favreteam, zog auf 3 Punkte davon und ließ sich den Spitzenplatz nicht mehr nehmen, auch wenn PSG sich bemühte.

Am Saisonende wurde Monaco mit 107 Toren und 95 Punkten Meister. 8 Punkte dahinter schloss PSG auf Platz 2 ab, Nizza wurde mit 78 Punkten Dritter. Lyon (67), Marseille (62) und Bordeaux (59) erreichten die Europa League oder zumindest die Qualifikation, Lorient, Nancy und Bastia stiegen am Saisonende ab. In der Torjägerliste konnte sich Edinson Cavani mit 35 Treffern die Krone aufsetzen, gefolgt von Alexandre Lacazette, der 28-mal traf. Mit 21 Toren lag Radamel Falcao auf Platz 3, Bafetimbi Gomes erzielte starke 20 Tore und wurde Vierter. Mit 15 Toren teilten sich am Ende Mario Balotelli, Kylian Mbappe, Ivan Santini und Florian Thauvin den 5. Platz.

 

Der Favorit – Paris will an die Spitze

Bei Paris Saint-Germain sind viele Personalentscheidungen noch nicht geklärt, aber die Richtung ist klar. Die Mannschaft von Trainer Unai Emery will noch konstanter werden, national und international beeindrucken und Titel gewinnen. In der letzten Saison konnte man zählbares nur in den nationalen Pokalwettbewerben einfahren, in der Liga war Platz 2 bereits eine Enttäuschung und in der Königsklasse schied man nach einem fast surrealen Spiel gegen den FC Barcelona trotz einer 4:0-Hinspielführung noch aus. Im ersten Jahr unter Emery war noch nicht alles gut, aber man konnte viel lernen und bekam die noch vorhandenen Schwachstellen aufgezeigt. In der Liga ist PSG definitiv der Favorit schlechthin, international kann man durchaus ein Wort mitreden, auch wenn die Struktur des Kaders noch etwas verändert wird.

(Photo by FRANCK FIFE/AFP/Getty Images)

Ein wichtiger Neuzugang ist Dani Alves, der auf der Rechtsverteidigerposition individuelle Klasse und eine immense Erfahrung mitbringt. Zusammen mit Thomas Meunier, der eine gute Saison gespielt hat, ist das Duo auf dieser Position extrem stark. Auf der linken Seite wurde mit Yuri Berchiche ebenfalls ein guter Spieler dazugeholt, im Mittelfeldzentrum war vor allem wichtig, dass Marco Verratti beim Verein geblieben ist. Die Problempositionen wurden also behoben, wichtige Spieler wurden gehalten und nun sollen durch Verkäufe noch Einnahmen generiert werden. Auch die jungen Spieler könnten nun einen wichtigen Schritt machen. Mit Nkunku, Lo Celso, Guedes und Kimpembe stehen einige vielversprechende Spieler im Kader, die weiter herangeführt werden sollen. Auch Spieler wie Draxler oder Rabiot können und wollen noch besser werden. Der Kader sieht insgesamt schon sehr gut aus und sollte Unai Emery einige Varianten ermöglichen. Und dann ist da ja noch Neymar. Aber dazu später mehr.

 

Der Meister – Monaco nach dem „Ausverkauf“

Die Monegassen haben eine fabelhafte Saison hinter sich und feierten die Meisterschaft ausgiebig. Leonardo Jardim hatte seine Mannschaft peu a peu aufgebaut und, nachdem er zunächst eine sehr gute Defensive implementiert hat, zuletzt auch die Offensive mit starken, aufstrebenden Spielern verstärkt. Das zahlte sich aus, denn Monaco konnte nicht nur die Meisterschaft gewinnen, sondern kam auch im französischen Coupe de la Ligue in das Finale, verlor aber gegen Paris. In der Königsklasse war auch erst im Halbfinale gegen Juventus Turin Schluss. Im noch laufenden Transferfenster musste Monaco die Abgänge von Bernardo Silva, Benjamin Mendy, Tiemoue Bakayoko, Valere Germain, Abou Diallo, Nabil Dirar und Corentin Jean verkraften. Besonders Silva, Mendy und Bakayoko waren immens wichtige Spieler und elementare Bestandteile der hervorragenden Saison 2016/17.

(Photo by Richard Heathcote/Getty Images)

Natürlich kauften die Monegassen auch einige Spieler ein. Neben den ablösefreien Wechseln von Jordy Gaspar und Diego Benaglio wurden Adama Diakhaby, Jordi Mboula, Soualiho Meite, Terence Kongolo und Youri Tielemans verpflichtet. Überdies kehrten einige Spieler von ihren Leihgeschäften zurück. Dabei erwirtschaftete man einen Transferüberschuss von über 100 Millionen Euro, es sollte also noch Spielraum für weitere Verpflichtungen bestehen. Und die sind durchaus notwendig, zumindest in der Offensive. Mboula ist ein sehr talentierter, junger Spieler, aber ob er schon über eine gesamte Saison, auch im Verbund mit den ebenfalls jungen Gil Dias und Rony Lopes in der Lage ist, die Offensive mitzugestalten. Die Qualität in der Breite sollte also noch einmal erhöht werden.

Denkbar ist, dass die Monegassen nach den Eindrücken der Vorbereitung noch einen oder zwei ihrer Offensivspieler verleihen und noch einmal auf dem Markt zuschlagen. Allen voran im Sturmzentrum, wo nach Mbappe und Falcao mit Carrillo und Lacina Traore ein größerer Qualitätsverlust vorherrscht, könnte noch etwas getan werden. Aber noch ist genügend Zeit vorhanden, der Markt ist noch etwa einen Monat geöffnet. Das Ziel der AS Monaco ist klar, man will auch in dieser Saison attraktiven Fußball spielen, die jungen Spieler einen Schritt weiterbringen und definitiv unter die ersten drei in der Liga kommen. In den heimischen Pokalwettbewerben kann sogar ein Titel anvisiert werden, in der Champions League geht es vorerst um das Erreichen des Achtelfinals, danach kommt es vor allem auf den Gegner an. Mit Leonardo Jardim ist jedenfalls ein Trainer verfügbar, der den bisher eingeschlagenen Weg des Klubs weitergeht und der auch ohne die Topspieler, die den Klub verlassen haben, Lösungen finden wird.

 

Lyon – Aktiv auf dem Transfermarkt

Olympique Lyon hat durch den 4. Platz in der Saison 2016/17 die direkte Qualifikation für die UEFA Europa League erreicht. Die Mannschaft von Trainer Bruno Genesio war einer der aktiveren Akteure auf dem Transfermarkt in diesem Sommer. Mit Mathieu Valbuena (1,5 Mio, Fenerbahce), Maciej Rybus (1,75 Mio, Lok. Moskau), Maxime Gonalons (5 Mio, Roma), Emanuel Mammana (16 Mio, Zenit), Corentin Tolisso (41,5 Mio, FC Bayern) und Alexandre Lacazette (53 Mio, Arsenal) wurden einige wichtige Spieler abgegeben, Jallet wechselte zudem nach Nizza, der talentierte Jordy Gaspar schloss sich Monaco an. Natürlich wurde auch Geld reinvestiert. So verpflichtete Olympique Lyon mit Kenny Tete, Marcal, Ferland Mendy, Marcelo, Mariano Diaz und Bertrand Traore 6 Spieler für insgesamt fast 40 Millionen Euro. Zudem soll weiterhin in die gute Jugendarbeit investiert werden.

(Photo by Lintao Zhang/Getty Images)

Der Kader von Olympique Lyon ist jung und mit 26 Spielern auch in der Breite gut besetzt. Möglicherweise wird noch ein Spieler für das zentrale Mittelfeld verpflichtet, dort wurde noch nicht nachgebessert. Finanzielle Mittel sind noch vorhanden, zudem hält man in Lyon definitiv die Augen offen. Aber auch so ist der Kader bereits sehr ordentlich. Das Ziel von Lyon ist es, sich wieder für den Europapokal zu qualifizieren. Nach Paris und Monaco gehört man zu einer Vielzahl von Mannschaften, die diese Ambitionen haben. Eine Offensive aus Depay, Traore, Fekir , Diaz und Cornet ist definitiv in der Lage den Abgang von Lacazette einigermaßen aufzufangen, die Defensive sieht mindestens sehr solide aus und Bruno Genesio wird auch fußballerisch weiterhin die Entwicklung vorantreiben wollen. Platz 3-6 ist für Lyon definitiv realistisch.

 

Europapokalambitionen mal 3

Wie eingangs erwähnt befand sich der OGC Nizza in der vergangenen Saison zeitweise sogar im Titelkampf. Die Mannschaft von Trainer Lucien Favre wuchs sehr schnell zusammen, das favresche System erwies sich als ideal für die Mannschaft, auch einzelne Spieler wie Dalbert, Seri oder Cyprien konnten einen Entwicklungssprung hinlegen. Eine in sich stimmige, homogene Mannschaft und individuelle Klasse durch Spieler wie Mario Balotelli sorgten am Ende für Platz 3. Gegen Ajax Amsterdam kämpfte sich Nizza nun in die Playoffs zur Champions League, wo allerdings ein starker Gegner wartet. Noch ist also ungewiss, in welchem Wettbewerb sich die Südfranzosen versuchen können. Auf dem Transfermarkt tat sich nicht besonders viel, Lucien Favre ist ohnehin ein Trainer, der gerne an den Stellschrauben dreht und nur punktuelle Verstärkungen bevorzugt. Mit Makengo, Melou, Jallet und Tameze wurden lediglich vier Spieler verpflichtet, Admir Mehmedi steht noch auf der Liste. Zurzeit gibt es Gerüchte um die Abgänge von Jean Seri, der eine Ausstiegsklausel in Höhe von 40 Millionen Euro besitzt und Dalbert, dessen Klausel bei 30 Millionen Euro liegt. Sollte noch ein Spieler gehen, wird noch einmal nachgelegt.

Nach Platz 5 in der vergangenen Saison will Olympique Marseille mit neuen finanziellen Mitteln angreifen. Die Champions League ist mittelfristig das Ziel, der Kader wurde ordentlich verstärkt und die Verantwortlichen haben sich bei der Kaderzusammenstellung definitiv Gedanken gemacht. Für das Tor holte man Steve Mandanda zurück, in der Abwehr verpflichtete man Adil Rami aus Sevilla, im Mittelfeld kam Luiz Gustavo, im Angriff Valere Germain. Zudem wurden die bisherigen Leihgaben Clinton N’Jie und Florian Thauvin, der eine überragende Saison spielte, fest verpflichtet. Trainer Rudi Garcia verfügt nun über einen Kader, der keine großen Schwachstellen und allerhöchstens noch Nachholbedarf auf der Rechtsverteidigerposition hat, wo lediglich Hiroki Sakai im Kader steht. Sollte man sich für die Europa League qualifizieren, könnte noch eine weitere Ergänzung nach Marseille transferiert werden, Verhandlungen mit Carlos Bacca oder auch Olivier Giroud verliefen zumindest bisher ergebnislos. In der 3. Qualifikationsrunde setzte sich Marseille mit 4:2 und 0:0 gegen KV Oostende durch, die Playoff-Runde muss noch überstanden werden.

(Photo by FABRICE COFFRINI/AFP/Getty Images)

Platz 6 in der vergangenen Saison berechtigte die Girondins aus Bordeaux zur Teilnahme an der Qualifikation zur Europa League. In diesem Sommer hat sich der Kader von Trainer Jocelyn Gourvennec verändert, Menez, Yambere, Carrasco, Ounas, Crivelli sind nur Beispiele für die Abgänge. Mit Youssouf Sabaly, Lukas Lerager, Vukasin Jovanovic, Alexandre Mendy und Benoit Costil wurden fünf Spieler verpflichtet. Die Girondins muss in der Innenverteidung eigentlich noch einmal aktiv werden und sich grundsätzlich schnell finden, sonst droht man von Lille, vielleicht auch Saint-Etienne oder Rennes, überholt zu werden. Dass noch Luft nach oben ist zeigte sich in der 3. Qualifikationsrunde zur Europa League, als man nach einem 2:1-Heimsieg gegen Videoton im Rückspiel in Ungarn große Probleme hatte. Bordeaux verlor mit 0:1 und ist somit ausgeschieden.

 

Das spannendste Projekt – Lille und Bielsa

Marcelo Bielsa ist bekanntermaßen ein nicht ganz einfacher Charakter, der es als Vereinstrainer bisher noch nie lange bei einem Verein „ausgehalten“ hat. Gleichermaßen ist „el loco“ aber auch ein hervorragender Fußballtrainer, der eine Mannschaft definitiv schnell weiterbringen und seine Philosophie gewinnbringend anwenden kann. Bielsa hatte Forderungen an den Klub, die ihm erfüllt wurden. Lille hat einen guten Job auf dem Transfermarkt gemacht und will nach einer schwächeren letzten Saison nun angreifen, versuchen sich in Richtung Europa League zu platzieren. Auch wenn die Konkurrenz ebenfalls aufrüstet ist der Qualitätssprung in Lille im Vergleich zur vergangenen Saison wohl am größten, auch wenn mit Corchia und Meite zwei wichtige Spieler wechselten.

(Photo by DENIS CHARLET/AFP/Getty Images)

Die Neuverpflichtungen haben es allerdings in sich. Mit Edgar Ie, Xeka, Kevin Malcuit, Thiago Mendes, Nicolas Pepe, Luiz Araujo und Thiago Maia wurden 7 Spieler für 63 Millionen Euro verpflichtet und keiner dieser Neuzugänge ist älter als 25 Jahre. Natürlich wird es darauf ankommen, wie schnell sich die Mannschaft die Ideologie von Bielsa einverleibt hat und wie schnell die Automatismen greifen, aber der Kader gibt definitiv eine attraktive, offensiv ausgerichtete Spielweise her. Außerdem ist der Kader verhältnismäßig groß und der OSC Lille ist flexibel besetzt, die Vorzeichen stimmen also. Wenn Bielsa in Ruhe arbeiten darf und die ersten Spiele erfolgreich sind, kann sich Lille definitiv in der Spitzengruppe der Ligue 1 etablieren. Diese talentierte Mannschaft in Kombination mit diesem Trainer sollte man definitiv beobachten.

 

Die Aufsteiger – Bloß nicht wieder runter

Der Aufstiegskampf in der Ligue 2 war sehr, sehr spannend. Am Ende wurde Racing Straßburg mit 67 Punkten Meister, Amiens stieg mit 66 Punkten direkt auf, Troyes ging mit 66 Punkten in die Relegation und Lens (65), Brest (65) und Nimes (64) gingen leer aus. Troyes schaffte den Aufstieg, weil man in der Relegation den FC Lorient bezwingen konnte. Für alle drei Aufsteiger geht es primär um den Klassenerhalt. Gerade Amiens und Straßburg, die erst in der letzten Saison in die 2. Liga aufgestiegen waren, erwartet eine sehr harte Saison. Der ES Troyes hat seine Mannschaft aus dem Vorjahr größtenteils behalten. Namhafte Abgänge gab es nicht, dafür verpflichtete man einige Spieler, die den Kader verstärken sollen. Bryan Pele und Oswaldo Viczarrondo kamen ablösefrei, Said Khaoui und Gabriel wurden ausgeliehen und bei Mathieu Deplagne und Francois Bellugou ist keine Ablösesumme bekannt. Der Kader von Troyes verfügt über eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern, hierbei sticht vor allem der 40-jährige Kapitän Benjamin Nivet heraus, der in der vergangenen Saison immer noch 39 Pflichtspiele absolvierte und über 3000 Minuten auf dem Platz stand.

Beim SC Amiens ging Topstürmer Aboubakar Kamara für 6 Millionen Euro zum FC Fulham. Diesen Abgang aufzufangen wird nicht leicht, denn dem Franzosen gelangen in der abgelaufenen Saison 13 Scorerpunkte in 29 Spielen. Bei den Neuzugängen konnte der Aufsteiger bisher nur auf ablösefreie Spieler zurückgreifen, große Ausgaben sind nicht möglich. Trotzdem konnten interessante Spieler verpflichtet werden, beispielsweise Gael Kakuta oder der erfahrene Mathieu Bodmer. Amiens ist einer der Außenseiter der Liga und wird voraussichtlich bis zum Saisonende im Abstiegskampf stecken. Die größten Ausgaben auf dem Transfermarkt tätigte RC Straßburg. Mit Benjamin Corgnet, Kenny Lala, Bingourou Kamara, Idriss Saadi und Jonas Martin wurde der Kader gut verstärkt, circa 3,7 Millionen Euro wurden ausgegeben. Der Aufsteiger bekommt es gleich zu Beginn mit Olympique Lyon zu tun und ist, wie die anderen beiden Neulinge auch, eher dem Abstiegskampf zuzuordnen. Es würde sehr überraschen, wenn alle drei Mannschaften in der Liga bleiben würden.

 

Der Deal des Sommers – Neymar

Nachdem zunächst die AS Monaco Hauptakteur auf dem Transfermarkt war, zog Paris Saint-Germain in den vergangenen Wochen nach. Die Personalie Neymar bestimmte das mediale Geschehen in und um Paris, die Medien überschlugen sich mit neuen Wasserstandsmeldungen, Tendenzen und Interpretationen vermeintlich vollkommen bedeutungsloser, potenzieller Anzeichen. Nun herrscht Klarheit, Neymar will nach Paris und Paris SG hat die Ausstiegsklausel aktivieret, aber die spanische Liga wollte dieses Geld zunächst nicht akzeptieren. Nach einigem hin und her, auch bevor diese Details öffentlich wurden, hat sich nun auch der französische Verband eingeschaltet und die Spanier dazu aufgefordert, den Deal über die Bühne gehen zu lassen. Am Donnerstagabend bestätigten die Katalanen nun offiziell, dass die Klausel gezogen wurde. Der Wechsel von Neymar zu Paris Saint-Germain für 222 Millionen Euro wird geschehen, PSG hat den Transfer bereits offiziell bestätigt, die Frage ist allerdings, an welchem Tag genau der Brasilianer vorgestellt wird und ob er gegen Amiens bereits aufläuft.

(Photo by JOSEP LAGO/AFP/Getty Images)

Doch dieses ganze Theater wurde bereits häufiger thematisiert und dabei kam der sportliche Aspekt zu kurz. Neymar wird Paris Saint Germain natürlich weiterhelfen. Einerseits bringt er eine enorme individuelle Klasse mit, die die gesamte Offensive der Franzosen sofort auf ein neues Level hievt. Andererseits steigt auch der Druck und die Erwartungshaltung auf den Spieler, der aus dem Schatten von Lionel Messi heraus zum besten Spieler der Welt aufsteigen will. Doch Neymar hat bereits und er Vergangenheit bewiesen, dass er mit Druck zurechtkommt, In Barcelona fand er sich schnell zurecht, bei der Heim-WM konnte zumindest er individuell die großen Erwartungen der Fans der Selecao erfüllen.

Bleibt Unai Emery bei einem 4-3-3, so kann Neymar vor allem weiterhin auf dem linken Flügel eingesetzt werden. Da Edinson Cavani als Mittelstürmer gesetzt ist, hätte Julian Draxler es schwer, von Beginn an zu spielen, denn mit Lucas und Angel Di Maria stehen noch zwei namhafte Konkurrenten bereit. Allerdings ist es auch möglich, dass Di Maria im Dreier-Mittelfeld eingesetzt wird, ein 4-2-3-1 mit einem Julian Draxler in der Mitte gespielt wird oder sogar, dass noch einer der Offensivspieler den Klub verlässt. Neymar verfügt über eine enorme Strahlkraft, wird womöglich ein Grund dafür sein, dass in den kommenden Jahren weitere Topspieler den Weg nach Paris finden. Mit 25 Jahren ist er jedenfalls in der Lage eine Ära in der französischen Hauptstadt zu prägen.

 

Interessante Talente

Die Jugendarbeit in Frankreich ist gut, besonders in den letzten Jahren brachten die Vereine der Ligue 1 zahlreiche gute Spieler hervor. Auch in dieser Saison gibt es wieder Spieler, die man beobachten sollte. Wieder einmal lohnt sich der Blick nach Rennes, wo bereits Ousmane Dembele seinen Durchbruch feierte. In dieser Saison könnte Ismaila Sarr (19, Linksaußen) auf sich aufmerksam machen. Sarr kam für 17 Millionen Euro vom FC Metz und besitzt einen Vertrag bis 2021. Auch Jordi Mboula, der vom FC Barcelona nach Monaco wechselte, könnte erste wichtige Schritte im Profifußball gehen. Mboula hat nach den Abgängen bei den Monegassen gute Einsatzchancen und gilt vor allem als langfristige Hoffnung.

Einen wahren Talentepool gibt es beim FC Toulouse. Mit dem überragenden Nachwuchstorhüter Alban Lafont (18), der unangefochtener Stammspieler ist, Innenverteidiger Issa Diop (20) und dem defensiven Mittelfeldspieler Alexis Blin (20) verfügt der 13. der letzten Saison gleich über drei Spieler, denen in den kommenden Jahren ein Wechsel zu einem großen Klub zugetraut werden könnte. Ebenfalls interessant ist Assane Dioussé. Der 19-jährige aus dem Senegal ist im defensiven Mittelfeld beheimatet und wechselte gerade aus Empoli zu Saint-Etienne. Dort wird ihm bereits jetzt eine tragende Rolle zugetraut.

Außerdem vorzumerken sind: Malang Sarr (18, Nizza), Vincent Koziello (21, Nizza), Maxime Lopez (19, Marseille), Thiago Maia (20, Lille), Maxwel Cornet (20, Lyon), Valentin Vada (21, Bordeaux), Francois Kamano (21, Bordeaux), Malcom (20, Bordeaux), Yann Karamoh (19, Caen) und Ludovic Blas (19, Guingamp). Zudem werden die Vereine aus der Ligue 1 im Saisonverlauf noch den ein oder anderen Spieler aus der Jugend testen, somit können sich auch noch jetzt vollkommen unbekannte Spieler in den Fokus spielen.

 

Und sonst so?

Neben den Europapokalteilnehmern und dem OSC Lille gibt es wohl niemanden, der ernsthafte Ambitionen hat, auch in der kommenden Saison international vertreten zu sein. Sowohl Saint-Etienne auch Stade Rennes und der FC Toulouse sind in der Lage sich in der oberen Tabellenhälfte festzusetzen, punktuell zu überraschen. Auch der FC Nantes, letzte Saison auf Platz 7, könnte eine sorgenfreie Saison spielen, auch wenn Amine Harit den Verein verlassen hat. Der restliche Kader blieb aber einigermaßen zusammen, wurde auf einigen Positionen sogar verstärkt. Für den Rest der Liga könnte es gegen den Abstieg gehen, aber auch eine Überraschung ist nicht ausgeschlossen.

(Photo by JEAN-CHRISTOPHE VERHAEGEN/AFP/Getty Images)

Im Titelkampf wird Paris also der große Favorit sein, den alle ärgern wollen. Für die Königsklasse gibt es mehrere Kandidaten, gleichermaßen verhält es sich bei der Europa League. Daher ist, selbst wenn PSG voranmarschieren sollte, eine spannende Saison zu erwarten. Überdies ist ein vollkommen offener Abstiegskampf mit 7-10 involvierten Mannschaften und einem sich jede Woche steigernden Druck ebenfalls sehr interessant. Talente werden ihren Durchbruch schaffen, Stars entstehen und es wird auch fußballerisch wieder interessante Entwicklungen geben. Die Ligue 1 Saison bietet also einiges an Gesprächsstoff.

Und hiermit geht es am 1. Spieltag los:

Freitag, 4. August

AS Monaco vs. FC Toulouse (20.45; Vorschau)

Samstag, 5. August

Paris SG vs. SC Amiens (17.00; Vorschau)

ES Troyes vs. Stade Rennes (20.00)

AS St.-Etienne vs. OGC Nizza (20.00)

Olympique Lyon vs. RC Strasbourg (20.00)

FC Metz vs. EA Guingamp (20.00)

HSC Montpellier vs. SM Caen (20.00)

Sonntag, 6. August

OSC Lille vs. FC Nantes (15.00)

SCO Angers vs. Bordeaux (17.00)

Olympique Marseille vs. Dijon FCO (21.00)

 

Die 90PLUS-Prognose

Zum jetzigen Zeitpunkt sind die endgültigen Kader noch nicht absehbar und es könnten sich gerade durch den Neymar-Deal noch einige, bisher unwahrscheinliche Entwicklungen ergeben. Die Mannschaften haben ordentlich aufgerüstet, aber viele Teams haben noch Handlungsbedarf, den sie zumindest versuchen extern zu lösen. Vieles wird also davon abhängen, wie der Saisonstart verläuft und wie schnell die Mannschaften in ihren Rhythmus kommen.

Meister: Paris Saint Germain

Plätze 2 und 3: AS Monaco und Olympique Marseille

Torschützenkönig: Edinson Cavani

Plätze 18-20: SC Amiens, Dijon FCO, ES Troyes AC

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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