Was wurde eigentlich aus? Teil 16: Jacopo Sala

Was wurde aus...?

Spotlight | Jacopo Sala (27) galt einst als italienische Nachwuchshoffnung, durchlief Jugendmannschaften des FC Chelsea, spielte für den HSV in der Bundesliga und ist mittlerweile ein erfahrener Serie A-Akteur. Doch wie erging es dem Italiener genau und für welchen Klub schnürt Sala nun die Buffer?

Aller Anfang ist schwer – Sala wagt den Sprung in die Reserve des FC Chelsea

Im Alter von 15 Jahren verließ Jacopo Sala seine italienische Heimat und wechselte in die U18-Mannschaft des FC Chelsea. Dort konnte sich der Außenspieler auch durchsetzen und schaffte im Jahr 2009 den Sprung in die Reserve der Blues. Dies verschaffte ihm den Vorteil, dass er auch regelmäßig am Training der Profis teilnehmen durfte, für einen Kaderplatz reichte es jedoch nicht. So lernte Sala fleißig unter besten Bedingungen und sammelte in seinen zwei Jahren bei der U23 reichlich Erfahrungen.

In dieser Zeit kam der junge Italiener auf 17 Pflichtspiele für seine Mannschaft, in denen er vier Vorlagen beisteuern konnte. Für beide Seiten schien somit aber klar, eine Karriere beim FC Chelsea wird Sala nicht erleben. So passte es dem charismatischen Jungprofi umso besser, dass mit Frank Arnesen ein ehemaliger Bekannter in die Bundesliga wechselte. Dieser hatte den Außenspieler noch im Visier und gab ihm die Chance beim HSV seine ersten Schritte im Profibereich zu tätigen.

(Photo by David Rogers/Getty Images)

Wechsel zum HSV und das Highlight gegen den Rekordmeister

Für eine Ablösesumme von 100.000 Euro verließ Sala die Jugendakademie des FC Chelsea und schloss sich dem HSV an. Zu seinem Glück fiel die Eingewöhnung nicht allzu schwer, die Wetterbedingungen kannte der Südeuropäer aus London und mit ihm wechselten gleich vier weitere Jungprofis der Blues zu den Rothosen. Die Grundbedingungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit waren also gegeben. Man erhoffte sich, dass der Youngster seine feine Technik, sein hohes Tempo und seinen strammen Schuss in der Bundesliga unter Beweis stellen kann, um die gemeinsamen Ziele zu erreichen. Sala unterschrieb einen Kontrakt über drei Jahre und war der erste Italiener im Dress des HSV.

Doch auf die Euphorie folgte zunächst ein herber Rückschlag, der Neuzugang verletzte sich nur kurz nach seiner Ankunft und fiel mit einem Muskelbündelriss zunächst aus. Der Italiener musste sich somit zunächst gedulden, verpasste den Großteil der Vorbereitung und musste sich anschließend hinten anstellen. In den Kader schaffte er es in der kompletten Hinrunde nur ein einziges Mal, auf eine Einsatzminute kam er nicht. Zweimal sammelte Sala in der vereinseigenen Reserve Spielpraxis, ein Muskelfaserriss warf ihn jedoch wieder zurück. Doch Sala nutzte seine Chance in der Wintervorbereitung. Durch einen starken Willen und viel Einsatzbereitschaft drängte er sich in der Vordergrund und wurde mit dem Start der Rückrunde belohnt. Beim Duell mit dem Deutschen Meister BVB debütierte Sala und absolvierte 25 Minuten. Diese machten Lust auf mehr, schon beim zweiten Rückrundenauftritt stellte Trainer Thorsten Fink seinen Schützling in die Startelf, auf der rechten Außenposition wirbelte Sala 90 Minuten lang.

Bereits eine Woche später setzte es das Highlight von Salas HSV-Karriere. Gegen den FC Bayern München zeigte Sala ein starkes Spiel und belohnte sich mit einem sehenswerten Treffer zur zwischenzeitlichen Führung. Sala schien nun endlich in Hamburg angekommen, die Fans liebten ihren Youngster und erhofften sich viele weitere dieser Aktionen. Doch zu denen kam es nicht. Insgesamt kam Sala in der Saison 2011/2012 auf 13 Einsätze in der Bundesliga. Die Zahlen in der folgenden Saison wurde nicht besser. Sala spielte lediglich acht Spiele für die Profis des HSV, blieb ohne Torbeteiligung und musste sich die Spiele entweder von der Auswechselbank oder der Tribüne aus anschauen. Somit war nach Ende der Saison klar, dass sich Sala eine neue Herausforderung suchen wird. Für den damals 21 Jährigen ging es nach zwei Jahren Hamburg nun in die Heimat.

(Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Flucht in die Heimat

Spielpraxis ist in den jungen Jahren mit das Wichtigste für einen Profi, das war auch Jacopo Sala klar. Bei den Rothosen kam er nicht auf die erhoffte Spielzeit, dementsprechend wechselte er ein Jahr vor Vertragsende nach Italien, zu Hellas Verona. Doch auch hier musste sich der Mittelfeldmann zunächst hinten anstellen. Im Laufe der Hinrunde kam Sala lediglich auf vereinzelte Joker-Einsätze, in der Regel saß der Italiener die komplette Spielzeit über auf der Bank.

Dies sollte sich im Februar 2014 aber ändern, Trainer Andrea Mandorlini vertaute Sala und verschaffte ihn immer häufiger zu Spielzeit. Zudem entdeckte Sala das zentrale Mittelfeld für sich, spielte hier stark auf und avancierte zum Saisonende zur Stammkraft. In seinem ersten Jahr in der Serie A kam der Italiener auf insgesamt 15 Einsätze, erzielte einen Treffer und gab zwei Torvorlagen.

Sala schien nun der erhofften Durchbruch gelungen zu sein, doch es folgte ein herber Rückschlag. Sala kam im Jahr 2014 auf keinen weiteren Einsatz, hartnäckige muskuläre Probleme bereiteten dem Sunny-Boy Schwierigkeiten. In der Rückrunde bewies er jedoch Comeback-Qualitäten, spielte sich zurück in die Startelf und entdeckte erneut eine weitere Position für sich. Als Rechtsverteidiger war Sala nun weitestgehend gesetzt, pendelte aber immer wieder zwischen der Rolle als 6er und hinten rechts. Die Bilanz: 16 Spiele, zwei Tore, zwei Vorlagen, eine gelb-rote und eine rote Karte.

In seiner dritten Saison in Verona kam Sala insgesamt auf 23 Einsätze, doch erneut warfen ihn Verletzungen immer wieder zurück. Somit verpasste er in der Rückrunde eine Vielzahl an Spielen, doch mittlerweile durfte sich Sala zurecht als gestandenen Serie A-Profi sehen. Doch aufgrund des Tabellenstandes von Verona ließ sich Sala zu Sampdoria Genua verleihen.

(Photo by Tullio M. Puglia/Getty Images)

Trotz vielen Verletzungen ein erfahrener und langjähriger Akteur in Italiens höchster Spielklasse

In Genua erwartete ihn aber nicht das erhoffte Glück, wieder einmal warfen ihn muskuläre Probleme aus der Bahn und Sala verpasste eine Vielzahl an Spielen. Doch Sampdoria war überzeugt von ihrem Akteur, überwies am Ende der Saison knapp 2,5 Millionen Euro an Absteiger Verona und präsentierte Sala als festen Neuzugang. Allerdings kam Sala ein weiteres Mal auf insgesamt nur 20 Spiele in einer Saison. Immer wieder warfen ihn kleinere Verletzungen zurück, in diesem Jahr war es die Wade, die hartnäckige Probleme verursachte. Eine Torbeteiligung war Sala in seinen 20 Partien nicht vergönnt.

In der folgenden Saison blieb Sala nahezu verletzungsfrei, doch er war nicht die erste Wahl von Trainer Giampaolo. Zwar stand der Außenverteidiger in der Regel im Kader, eingewechselt wurde er jedoch nur selten. Dies sollte sich in der Spielzeit 2018/2019 jedoch ändern, Sala bewies erneut Mentalität und schaffte es sich meist durchzusetzen. Gerade im Laufe der Rückrunde galt er als unangefochtener Stammspieler und absolvierte eine Vielzahl an Spielen, war ein wichtiger Faktor innerhalb der Mannschaft.

Nachdem Sala jedoch an den ersten beiden Spieltagen der aktuellen Saison nicht im Kader stand, suchte sich der 27-jährige eine neue Herausforderung und wechselte am Deadline Day zu SPAL. Dort kam er bislang in vier von fünf Spielen zum Einsatz, spielt unter Trainer Semplici wieder offensiver. Im rechten oder linken Mittelfeld zeigt sich Sala nun auf der Position, auf der seine Karriere begonnen hat…

(Photo by Marco Luzzani/Getty Images)

(Photo by Paolo Rattini/Getty Images)

Steffen Gronwald

Steffen verfolgt primär den Vereinsfußball, fühlt sich im deutschen Ober- und Unterhaus zu Hause - verfolgt zugleich aber auch La Liga und die Premier League intensiv. Ob Offensivspektakel oder "park the Bus", fesseln tut ihn beides, zudem steht bei ihm auch der Schiedsrichter im Fokus. Seit 2016 bei 90PLUS.

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