Serie A Vorschau (1/4) | Napoli, Fiorentina, Sampdoria, Bologna, Empoli

Vorschau

Am kommenden Samstag startet wieder der Spielbetrieb in Italien. Die Serie A, in den 1990er Jahren die attraktivste Liga der Welt, erlebt nach einer etwas dürftigen Epoche gerade eine kleine Renaissance – in sportlicher wie auch in finanzieller Hinsicht: So stand Dauermeister Juventus Turin seit 2015 zwei Mal im Finale der Champions League, in diesem Sommer fand der amtierende Weltfußballer Cristiano Ronaldo den Weg nach Italien. Doch auch neben der „Alten Dame“ gibt es genug interessante Klubs, auf die es sich zu blicken lohnt. Im ersten Teil unserer Serie A-Vorschau nehmen wir Napoli, Fiorentina, Sampdoria, Bologna und Empoli unter die Lupe.

Anmerkung: Momentan ist noch das Transferfenster ist der Serie A geöffnet, weswegen es noch zu weiteren Veränderungen in den Kadern kommen kann. Die Teams entsprechen dem Stand vom 16. August 2018 um 8:00.

In der Saison 2018/19 ist die Serie A erneut auf DAZN zu sehen (Registriere dich jetzt auf DAZN und erhalte einen Gratismonat).

 

SSC Neapel

Platzierung 2017/18: 2. Platz; 91 Punkte; 77:29 Tore

Neuzugänge: Fabian Ruiz (22/Betis/30 Mio EUR); Simone Verdi (25/FC Bologna/25 Mio EUR); Kevin Malcuit (27/LOSC Lille/12 Mio EUR); Vinicius Morais (23/Real SC/4 Mio EUR); Amin Younes (24/Ajax/ablösefrei); Amato Circetti (24/Benevento/ablösefrei); Orestis Karnezis, Alex Meret (32, 21/Udinese/Leihe); Sebastiano Luperto (21/Empoli/Leihende); Nikola Maksimovic (26/Torino/Leihende)

Abgänge: Jorginho (26/Chelsea/57 Mio EUR); Duvan Zapata (27/Sampdoria/17 Mio EUR); Leonardo Pavoletti (29/Cagliari/10 Mio EUR); Jacopo Dezi (26/Parma/ablösefrei); Christian Maggio (36/Benevento/ablösefrei); Rafael (28/Sampdoria/ablösefrei); Pepe Reina (35/AC Milan/ablösefrei); Emanuele Giaccherini (33/Chievo/ablösefrei); Amato Circetti (24/Parma/Leihe); Alberto Grassi (23/Parma/Leihe); Roberto Inglese (26/Parma/Leihe)

(Photo by Charles McQuillan/Getty Images)

Ausblick: In der vergangenen Saison stand der Klub vor dem ganz großen Wurf. Man führte die Tabelle in der Serie A über mehrere Monate vor Dauermeister Juventus an. Die Euphorie stieg vor allem nach dem Sieg im direkten Duell beim Rekordmeister durch einen Treffer von Kalidou Koulibaly in der Nachspielzeit ins Unermessliche. Doch am Ende ließ Napoli mehrmals unnötig Punkte liegen, während Juventus stets die Nerven behielt. So starb der Traum von dem Gewinn der ersten italienischen Meisterschaft seit 1990, als Diego Maradona seinen gottgleichen Status in der Stadt auf ewig zementierte. Aber auch die Vizemeister aus dem letzten Jahr werden in Erinnerung bleiben, spielte der SSC Neapel unter der gesamten Amtszeit von Maurizo Sarri einen atemberaubenden Fußball. Doch nun steht der Verein vor einer Zäsur: Nach drei Jahren verließ Sarri den Süden Italiens für Chelsea. Der Klub aus London schnappte sich neben dem Übungsleiter auch noch mit Jorginho das absolute Herzstück der Mannschaft. Kaum ein anderer Spieler war dermaßen wichtig für das Team, in der kommenden Saison wird man wahrscheinlich eine Abkehr vom „alten Stil“ beobachten können.

Dieser Umstand hat ebenso mit der Wahl des Nachfolgers zu tun: Der neue Mann an der Seitenlinie ist der ehemalige Bayern-Trainer Carlo Ancelotti. Der Altmeister ist vor allem für seine große Erfolge, aber nicht zwingend für seinen attraktiven Fußball bekannt. Möglicherweise benötigt Napoli aber genau eine Komponente, welche der 66-Jährige mitbringen könnte: Effektivität. Gerade in den entscheidenden Spielen im letzten Jahr starb die Mannschaft manchmal geradezu in Schönheit.

Die Transferphase wurde vor allem dazu genutzt die Breite im Kader qualitativ zu erweitern: Durch die Verpflichtungen von Simone Verdi und Amin Younes ist dies vor allem im offensiven Bereich hervorragend gelungen. Der Königstransfer war jedoch der hochtalentierte Fabian Ruiz, welcher Jorginho im Mittelfeld beerben soll. Auch im Tor hat es Veränderungen gegeben, nach zwei Jahren verlässt Stammkeeper Pepe Reina den Verein in Richtung Milan. Aus Udinese konnte man als Ersatz gleich zwei potentielle Nachfolger ausleihen: Der erfahrenen Orestis Karnezis sowie den hochveranlagten Alex Meret (verletzte sich jedoch in der Vorbereitung und wird mehrere Wochen fehlen).

Es wird durchaus spannend, ob die positive Entwicklung auch unter dem neuen Coach in der Form weiter geht. Das Team muss sich jedenfalls erst an gewisse Veränderungen gewöhnen, diese gehen aufgrund tiefgreifender Änderungen in entscheidenden Mannschaftsteilen über die taktische Komponente hinaus. Im Zweifel ist Napoli daher nicht zwingend näher an den Titelträger aus Turin herangerückt, die erneute Qualifikation für Königsklasse muss aber ganz klar das (realistische) Ziel sein.

 

AC Florenz

Platzierung 2017/18: 8. Platz; 57 Punkte; 54:46 Tore

Neuzugänge: Kevin Mirallas (30/Everton/Leihe); Riccardo Saponara (26/Empoli/9 Mio EUR); German Pezzella (27/Betis/9 Mio EUR); Alban Lafont (19/Toulouse/8,5 Mio EUR); David Hancko (20/Zilina/3,5 Mio EUR); Christian Nörgaard (24/Bröndby/3,5 Mio EUR); Federico Ceccherini (26/Crotone/3 Mio EUR); Cristiano Biraghi (25/Pescara/2 Mio EUR); Marko Pjaca (23/Juventus/2 Mio EUR Leihgebühr); Vincent Laurini (29/Empoli/1,5 Mio EUR); Dusan Vlahovic (18/Partizan/1,5 Mio EUR); Gerson (21/AS Roma/Leihe); Edimilson Fernandes (22/West Ham/Leihe); Rafik Zekhnini (20/Rosenborg/Leihende); Kevin Diks (21/Feyernoord/Leihende); Martin Graciar (19/Liberec/Leihende); Lorenzo Vehuti (23/Benevento/Leihende);

Abgänge: Nikola Kalinic (30/AC Milan/20 Mio EUR); Khouma Babacar (25/Sassuolo/9 Mio EUR); Bruno Gaspar (25/Sporting/4,5 Mio EUR); Carlos Sanchez (32/West Ham/4,5 Mio EUR); Nenad Tomovic (30/Chievo/2,5 Mio EUR); Ante Rebic (24/Eintracht Frankfurt/2 Mio EUR); Milan Badelj (29/Lazio/ablösefrei); Gil Dias (21/Monaco/Leihende); Simone Lo Faso (20/Palermo/Leihende); Diego Falcinelli (27/Sassuolo/Leihende); Marco Sportiello (26/Atalanta/Leihende)

(Photo by Christof Koepsel/Getty Images)

Ausblick: Der Abstand zwischen der Fiorentina und den absoluten Spitzenplätzen ist in den letzten Jahren etwas angewachsen. Konnte die „Viola“ von 2012 bis 2015 unter dem damaligen Coach Vincenzo Montella noch drei Mal in Folge auf dem vierten Platz landen, folgte seitdem ein kleiner Absturz. In den letzten beiden Saisons wurde mit dem jeweils achten Platz das internationale Geschäft deutlich verpasst. Damit sich dieses Mittelmaß nicht etabliert, hat der Klub in diesem Sommer ein Frischzellenkur betrieben.

Zunächst erhält Trainer Stefano Pioli noch einer durchwachsenen Saison 2017/18 eine erneute Chance. Man muss dem 52-Jährigen auch noch zu gute halten, dass die Europa League lediglich um drei Punkte verpasst wurde. Damit dies in der kommenden Runde nicht mehr passiert, wurden frühe Aktivitäten auf dem Transfermarkt eingeleitet: Wenige Tage nach dem Ende der letzten Saison verpflichtete die Fiorentina Alban Lafont für gerade einmal 8 (!) Millionen Euro von Toulouse. Damit hat der Verein womöglich den besten U21-Torwart in ganz Europa unter Vertrag genommen. Welcher andere 19-Jährige hat bereits 98 Spiele in einer der europäischen Top5-Ligen absolviert?

Daneben verstärken die erfahrenen Kevin Mirallas und German Pezzella den offensiven Flügel sowie die Innenverteidigung. Ricardo Saponara überzeugte im letzten Jahr als Leihspieler im Mittelfeld, sein Transfer stellt mit 9 Mio Euro der teuerste Deal aus dem laufenden Sommer dar. Zudem hat Florenz einige talentierte junge Spieler ausgeliehen, welche dem Team von ihrem Talent sofort helfen könnten: Edimilson Fernandes konnte die großen Vorschusslorbeeren bei West Ham nicht erfüllen und sollte von der Luftveränderung profitieren. Der Sachverhalt stellt sich ähnlich bei Gerson dar, welcher den endgültigen Durchbruch bei der Roma nie geschafft hat. Marko Pjaca hatte bereits im letzten Jahr auf Schalke angedeutet, zu welchen Leistungen er in der Lage sein kann. Dem hochtalentierten Flügelstürmer ist durchaus ein wahres „Break-Out“-Jahr zuzutrauen. Zumindest scheint dies auch die Fiorentina so zu sehen und stattete Pjaca mit der prestigeträchtigen Rückennummer 10 aus, welche einst auch Vereinslegende Rui Costa trug.

Fast wichtiger, als alle erwähnten Verpflichtungen, ist jedoch der Verbleib der beiden hochbegehrten Youngster: Für Federico Chiesa werden teilweise bereits Beträge von bis 50 Millionen Euro aufgerufen, doch der Sohn des ehemaligen Nationalspielers Enrico wird voraussichtlich ein weiteres Jahr im Artemio Franchi auflaufen. Ebenso begehrt ist ein anderer Sohn eines ehemaligen internationalen Topspielers: Giovanni Simeone, Sohn von Atletico-Trainer Diego. Der Mittelstürmer kam im Vorjahr für 15 Millionen Euro und traf in seiner Debüt-Saison gleich 14 Mal. Ein Erhalt der beiden jungen Leistungsträger in der Offensive war so vor der Periode nicht unbedingt zu erwarten.

Durch diese Frischzellenkur dürfte dem Klub im laufenden Jahr einiges zuzutrauen sein. Für eine Qualifikation der Königsklasse ist das Team von Pioli wohl noch zu unerfahren, allerdings ist der Sprung auf die Europa League-Plätze kein vollkommen unrealistisches Szenario.

Sampdoria Genua

Platzierung 2017/18: 10. Platz; 54 Punkte; 56:60 Tore

Neuzugänge: Duvan Zapata (27/Sampdoria/17 Mio EUR); Omar Colley (25/Genk/7,75 Mio EUR); Ronaldo Vieira (20/Leeds/6,5 Mio EUR); Gregoire Defrel (27/AS Roma/Leihe); Emil Audero (21/Juventus/Leihe); Junior Tavares (21/Sao Paulo/Leihe); Vid Belec (28/Benevento/400.000 EUR); Rafael (28/Napoli/ablösefrei); Alex Ferrari (24/Bologna/Leihe); Jakub Jankto (22/Udinese/Leihe); Lorenco Simic (21/SPAL/Leihende); Gabriele Rolando (23/Palermo/Leihende); Roberto Criscuolo (21/Arezzo/Leihende); Maxime Leverbe (21/Olbia/Leihende); Albin Ekdal (29/HSV/2,2 Mio EUR)

Abgänge: Lucas Torreira (22/Arsenal/30 Mio EUR); Duvan Zapata (27/Atalanta/Leihgebühr 14 Mio EUR); Patrik Schick (22/AS Rom/9 Mio EUR); Ante Budmir (26/Crotone/2 Mio EUR); Emiliano Viviano (32/Sporting/2 Mio EUR); Ivan Strnic (30/AC Milan/ablösefrei); Filip Djuricic (26/Sassuolo/ablösefrei); Federico Furlan (27/Ternana/ablösefrei); Ricardo Alvarez (30/Atlas/ablösefrei); Leonardo Capezzi (23/Empoli/ablösefrei); Matias Silvestre (32/Empoli/ablösefrei); Federico Bonnazzoli (21/Padova/Leihe); Antonio Palumbo (21/Salernitana/Leihe); Gianmarco Ferrari (26/Sassuolo/Leihende)

(Photo by Stephen Pond/Getty Images)

Ausblick: Nur die älteren Semester dürften sich an die glorreichste Epoche des Klubs erinnern: Von Mitte der 1980 Jahre bis in die frühen 1990er Jahre gehörte Sampdoria zu den absoluten Spitzenteams im italienischen Fußball. Im der Saison 1990/1991 konnte der Verein bis heute seine einzige Meisterschaft feiern. Doch die folgende Spielzeit verlief fast noch beeindruckender: Das Team um die Topstars Roberto Mancini, Gianluca Pagliuca und Gianluca Vialli stieß bis ins Finale des Europapokals der Landesmeister vor und musste sich erst in der Verlängerung dem übermächtigen Favoriten FC Barcelona geschlagen geben. Seitdem dümpelt „Samp“ zwischen Ausreißern nach oben und total verkorksten Jahren: So qualifizierte man sich beispielsweise in der Saison 2009/2010 als Vierter der Abschlusstabelle völlig überraschend für die Qualifikation der Champions League (Aus gegen Werder Bremen), nur um ein Jahr später in die Serie B abzusteigen. Seit dem Antritt von Trainer Marco Giampaolo erreichte das Team zwei Mal eine Platzierung im gesicherten Mittelfeld (Neunter, Zehnter). Doch was ist in diesem Jahr drin?

Zunächst muss ein neuer Stammkeeper gefunden werden, nachdem es dort im Sommer eine Generalüberholung gab: Die Nummer 1 Emiliano Viviano wanderte in Richtung Portugal ab, nun konkurriert der talentierte Emil Audero mit den jahrelangen Reservisten Rafael (in Neapel) und Vid Belec (bei Inter). Im Normalfall sollte sich der italienische U21-Nationaltorhüter in diesem Rennen durchsetzen. Der Verlust des erfahrenen Matias Silvestre in der Abwehrzentrale wird durch die Verpflichtung von Omar Colley kompensiert, der ablösefreie Abgang von Vizeweltmeister Ivan Strinic in Richtung Milan schmerzt hingegen sehr.

Im Mittelfeld muss man den Wechsel von Abräumer Lucas Torreira zu Arsenal verkraften. Der Uruguayer wird mit seiner herausragenden Kampfstärke und Energie nur schwer zu ersetzen sein. Da tröstet auch die finanzielle Kompensation wenig, auch wenn Sampdoria hier zumindest sinnvoll in die Breite investieren konnte: Die Verpflichtung des talentierten Ronaldo Vieira könnte sich als richtiger Coup erweisen, auch der ehemalige Hamburger Albin Ekdal kennt die Serie A aus seinen vormaligen Stationen in Cagliari und bei Juventus. Der womögliche wichtigste Neuzugang kam indes nur per Leihe: Von Udinese wurde mit Jakub Jankto ein äußerst vielversprechender junger Spieler ausgeliehen, welcher womöglich auch bei dem Ligakonkurrenten Stammspieler hätte sein können.

Im Angriff hat Sampdoria den zuvor ausgeliehenen Duvan Zapata fest verpflichtet und dafür mehr als die Hälfte der Torreira-Millionen investiert. Der Kolumbianer wurde jedoch direkt für fast die identische (!) Summe an Bergamo verliehen, sodass die Möglichkeiten von Giampaolo hier limitierter sind. Der ausgeliehene Gregoire Defrel sollte der Mannschaft schnell weiterhelfen können, ist aber ein ganz anderer Spielertyp als der bullige Zapata. Daneben kann der Coach nur noch auf den jungen Dawid Kownacki sowie den Routinier und Kapitän Fabio Quagliarella zurückgreifen.

Gerade die Besetzung in der Offensive dürfte den Verantwortlichen bei „Samp“ Sorgen bereiten, da hilft auch der Verbleib von so hervorragenden Spielern wie dem umworbenen Dennis Praet nichts. Deshalb werden wohl auch in dieser Runde keine besonderen Sprünge nach oben möglich sein, wenngleich ein wenig Stabilität nach den wechselhaften Epochen sicher nicht unerwünscht ist.

 

 

FC Bologna

Platzierung 2017/18: 15. Platz; 39 Punkte; 40:52 Tore

Neuzugänge: Diego Falcinelli (27/Sassuolo/10 Mio EUR); Lukasz Skorupski (27/AS Roma/9 Mio EUR); Federico Santander (27/Kopenhagen/6 Mio EUR); Mattias Svanberg (19/Malmö/4,5 Mio EUR); Arturo Calabresi (22/AS Roma/200.000 Euro); Mitchell Dijks (25/Ajax/ablösefrei); Felipe Avenatti (25/Luqueno/ablösefrei); Federico Mattiello (23/Atalanta/Leihe); Luca Rizzo (26/Atalanta/Leihende); Nehuen Paz (25/Lanus/Leihende); Orji Okwonkwo (20/Brescia/Leihende)

Abgänge: Simone Verdi (25/Napoli/25 Mio EUR); Federico Di Francesco (24/Sassuolo/10 Mio EUR); Adam Masina (24/Watford/5 Mio EUR); Antonio Mirante (34/AS Roma/4 Mio EUR); Deian Boldor (23/Hellas/100.000 EUR); Filippo Falco (26/Lecce/ablösefrei); Vasilios Torosidis (33/Olympiakos/ablösefrei); Emil Krafth (24/Amiens/Leihe); Alex Ferrari (24/Sampdoria/Leihe); Cesar Falletti (25/Palermo/Leihe); Bruno Petkovic (23/D. Zagreb/Leihe); Marios Oikonomou (25/AEK/Leihe); Simone Romagnoli (28/Empoli/Leihende); Cheick Keita (22/Birmingham/Leihende)

(Photo by Mario Carlini / Iguana Press/Getty Images)

Ausblick: Auf die Antwort, welche Mannschaft in Italien die insgesamt viertmeisten Meisterschaften gewonnen hat, würden wohl nur die wenigsten Experten kommen. Doch hinter Juventus (34), den Mailänder Klubs (je 18) und dem FC Genua (9) kommt schon direkt der FC Bologna mit sieben Titeln. Allerdings datiert der letzte Titel aus dem Jahr 1964, die sechs weiteren wurden allesamt vor dem Jahr 1941 gefeiert. Die Moderne hat nichts mehr mit den glanzvollen Sternstunden der Vergangenheit gemeinsam: Bologna ist seit Jahren die Definition einer grauen Maus. Der letzte Aufstieg liegt gerade einmal drei Jahre zurück, seitdem hat es Trainer Roberto Donadoni mit relativ bescheidenden Mitteln geschafft den Verein in der Serie A zu halten, auch wenn jedes dieser drei Unterfangen am Ende äußerst knapp war.

Allerdings hat das Team durch den Abgang des Torhüters Antonio Mirante einen absoluten Rückhalt verloren. Der Routinier bevorzugt im Spätherbst seiner Karriere eher die Römer Bank als den Überlebenskampf im unteren Mittelfeld. Für ihn kam quasi im Gegenzug mit Lukasz Skorupski einen durchaus annehmbarer Keeper, welcher diese Qualitäten trotz seiner mittlerweile 27 Jahren bisher kaum unter Beweis stellen durfte. Auch von der Roma wechselte Arturo Calabresi, ein talentierter Innenverteidiger, in die Region Emiliana-Romangna, welchem durchaus einige Einsatzminuten zuzutrauen sind. Die Neuzugänge Mitchell Dijks und Federico Mattiello sollen die Postionen auf den defensiven Außenbahnen besetzen, wo die personelle Auswahl nach dem Abgang von Adam Masina stark limitiert ist.

Am Stärksten ist definitiv die Zentrale im Mittelfeld besetzt. Donadoni hat hier die Wahl zwischen Kapitän Blerim Dzemaili, dem erfahrenen Andrea Poli sowie den aufstrebenden Godfried Donsah, Adam Nagy und Erick Pulgar. Viel größere Sorgen dürfte daher der Angriff bereiten, wo Bologna durch die Wechsel von Simone Verdi und Federico Di Francesco seine gesetzte Flügelzange innerhalb weniger Wochen verloren hat. Gerade Verdi hatte man es im Vorjahr wegen seiner zehn Treffer und ebenso vielen Vorlagen hauptsächlich zu verdanken, dass man in der Tabelle nicht noch weiter unten gelandet ist. Einen Großteil der Einnahmen durch Verdi hat der Verein in zwei Stürmer mit Diego Falcinelli und Federico Santander investiert. Ob diese Transfers eher quantitativ oder wie beabsichtigt qualitativ einzuordnen sind, muss erst noch abgewartet werden. Mit Mattia Destro und Rodrigo Palacio kann Donadoni immerhin noch auf zwei absolut erwiesene Serie A-Torjäger zurückgreifen, auch wenn beide Stürmer ihre besten Tage wohl bereits hinter sich gelassen haben.

Daher wird es auch in dieser Saison das einzige Ziel sein, die Klasse zu halten. Gerade der Abgang der Flügelzange schmerzt ungemein und wird nicht einfach zu kompensieren sein. Bologna droht damit erneut der Kampf gegen den Abstieg – und dies in der aktuellen Runde mit schlechteren Voraussetzungen.

 

 

FC Empoli

Platzierung 2017/18: 1. Platz; 85 Punkte; 88:49 Tore (Serie B)

Neuzugänge: Antonio La Gumina (22/Palermo/9 Mio EUR); Samuel Mraz (21/Zilina/1,5 Mio EUR); Jacob Rasmussen (21/Rosenborg/1 Mio EUR); Lorenzo Lollo (27/Carpi/800.000 Euro); Joel Untersee (24/Juventus/500.000 Euro); Luca Antonelli (31/AC Milan/ablösefrei); Andrea Fulignati (23/Cesena/ablösefrei); Michal Marcjanik (23/Gdynia/ablösefrei); Matias Silvestre (33/Sampdoria/ablösefrei); Lorenzo Capezzi (23/Sampdoria/Leihe); Luca Bittante (24/Carpi/Leihende); Arnel Jakupovic (20/Juventus U19/Leihende); Marcel Büchel (27/Hellas/Leihende); Simone Romagnoli (28/Bologna/Leihende)

Abgänge: Riccardo Saponara (26/Fiorentina/9 Mio EUR); Alfredo Donnarumma (27/Brescia/1,7 Mio EUR); Vincent Laurini (29/Fiorentina/1,6 Mio EUR); Alessandro Piu (21/Carpi/Leihende); Sebastiano Luperto (21/Napoli/Leihende); Nikola Ninkovic (23/Genua/Leihende); Michele Castagnetti (28/SPAL/Leihende); Gabriel (25/AC Milan/Leihende)

(Photo by Gabriele Maltinti/Getty Images)

Ausblick: Sucht man im italienischen Fußball den Inbegriff einer „Fahrstuhlmannschaft“, dann dürfte der FC Empoli immer schnell fallen. Alleine seit der Millenium-Wende musste der Klub vier Abstiege verkraften. Der letzte Niedergang ereignete sich nach drei Jahren Erstklassigkeit erst im letzten Sommer. Die „Azurblauen“ schafften aber nach nur einem Jahr in der Serie B den direkten Wiederaufstieg. Jetzt kann es für Trainer Aurelio Andreazzoli und sein Team nur eine Devise gegeben: Klassenerhalt. Der Coach hatte die Mannschaft erst im letzten Dezember übernommen, als die Rückkehr in die erste Liga zum damaligen Zeitpunkt enorm gefährdet war.

In der Abwehr konnte sich der Verein mit Matias Silvestre einen wahren Veteranen der Serie A sichern. Seine Erfahrung sollte dem zu einem großen Teil unerfahrenen Team enorm gut tun. Daneben kehrt mit Simone Romagnoli ein weiterer Verteidiger mit Erstliga-Erfahrung von seiner Leihe aus Bologna zurück. Ähnliche Kriterien erfüllt ein weiterer Neuzugang im Abwehrbereich: Man konnte sich die Dienste des Milan-„Urgesteins“ Luca Antonelli sichern, dessen Vertrag in der Lombardei ausgelaufen war. Für die Abwehrzentrale kamen daneben noch Michal Marcjanik und Jacob Rasmussen aus vergleichsweise weniger hochklassigen Ligen, wie sich die beiden jungen Verteidiger im Abstiegskampf machen werden, bleibt zunächst abzuwarten.

In Mittelfeld dürfte die junge Garde um Ismael Bennacer, Rade Krunic und Miha Zajc, wie im Aufstiegsjahr, weiterhin gesetzt sein. Dieser Mannschaftsbereich wurde noch durch die Transfers von Lorenzo Lollo und Leonardo Capezzi quantitativ ergänzt. Daneben steht mit dem zurückgekehrten Marcel Büchel eine weitere Alternative bereit. Es besonderer Blick ist auf das Sturmzentrum zu legen, hat doch der Aufsteiger fast sein komplettes Budget in eben jenen Teil investiert: Antonio La Gumina kam für einen fast zweistelligen Millionenbetrag aus Palermo in die Toskana und sollte alleine schon deswegen zu Beginn gesetzt sein. Mit Samuel Mraz kam zudem eine weitere Option für die vorderste Reihe, welche im vergangenen Jahr mit 88 Toren bei der souveränen Zweitliga-Meisterschaft der maßgebliche Faktor war.

Trotzdem kann es für Empoli in dieser Runde nur gegen den Abstieg gehen. Dafür konnte sich das beste Team der zweiten Liga im Sommer auf den ersten Blick nicht ausreichend qualitativ verstärken, gerade im Vergleich zu den Mitaufsteigern, was in den weiteren Teilen dieser Serie ausgeführt wird. Ein erneuter Abstieg wäre daher keine dermaßen große Überraschung.

(Photo by Charles McQuillan/Getty Images)

 

Marius Merck

Eine Autogrammstunde von Fritz Walter weckte die Leidenschaft für diese Sportart, die über eine (“herausragende”) Amateurkarriere bis zur Gründung von 90PLUS führte. Bei seinem erklärten Ziel, endlich ein “Erfolgsfan” zu werden, weiter erfolglos.

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