Jahn Regensburg | Jan Elvedi im Interview: „Ob man in jeder Partie ans Limit geht, ist eine mentale Frage“

Jan Elvedi Jahn Regensburg
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90PLUS-Interview | Jan Elvedi ist seinem Bruder Nico Elvedi zu Saisonbeginn nach Deutschland gefolgt und hat sich beim SSV Jahn Regensburg durchgesetzt. Im Interview spricht er über das Verhältnis zu seinem Bruder und den Erfolgsschlüssel der Regensburger Spielweise.

Jan Elvedi (24) wechselte inmitten der Corona-Pandemie aus der zweiten Schweizer Liga zum SSV Jahn Regensburg. In der zweiten Bundesliga hat er sich in die Startelf gespielt und mit seiner Mannschaft das DFB-Pokal-Viertelfinale erreicht. Mit 90PLUS-Redakteur Piet Bosse blickt der Innenverteidiger auf die Unterschiede der beiden Ligen, die Veränderungen des Fußballs ohne Zuschauer und das anstehende DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Werder Bremen.

Jan Elvedi, im vergangenen Sommer sind Sie, nachdem Sie drei Jahre regelmäßig in der zweiten
Schweizer Liga gespielt haben, vom SC Kriens nach Regensburg gewechselt. War der Schritt von der Challenge League in die zweite Bundesliga ein großer Sprung in Sachen fußballerische Qualität?

Ja, es war auf jeden Fall ein großer Sprung. Ich merke besonders im taktischen und physischen Bereich deutliche Unterschiede zwischen den beiden Ligen. Diese Herausforderung wollte ich aber auch unbedingt annehmen.

Jan Elvedi: „Nico und ich sprechen häufig über unsere Spiele“

Ihr Bruder Nico spielt seit mehr als fünf Jahren in der Bundesliga, Sie selbst haben 2016 ein Probetraining bei Borussia Mönchengladbach absolviert. War es für Sie auch wegen Ihres Zwillingsbruders ein Ziel, in Deutschland Fußball zu spielen?

Ich bin nicht unbedingt wegen meines Bruders nach Deutschland gewechselt, denn Regensburg und Mönchengladbach liegen nicht gerade nebeneinander (schmunzelt). Natürlich habe ich durch ihn hautnah miterlebt, wie das Leben als Fußballprofi in Deutschland ist. Das ist natürlich auch ein großer Anreiz. Ich verfolge dennoch meine eigenen Ziele.

Geschwister vergleichen sich ja gerne untereinander, das dürfte bei Ihnen und Ihrem Zwillingsbruder ja ähnlich sein, zumal Sie beide Fußballprofis sind. Wie ist ihr Verhältnis zueinander?

Unser Verhältnis ist sehr gut und wir haben mindestens einmal die Woche, oft auch mehrmals, Kontakt. Wir sprechen häufig über unsere jeweiligen Spiele am Wochenende, zocken zusammen an der Playstation und tauschen uns dabei aus.

Jan Elvedi Regensburg

(Photo by Lennart Preiss/Getty Images)

Die Corona-Pandemie hat im Fußball einiges verändert. Weil momentan keine Zuschauer im Stadion sind, können Trainer in leeren Stadien direkter coachen, Anweisungen kommen durch die „Ruhe“ deutlich eher an. Man hört aber auch, was der Gegner anpasst. Wie hat sich das Spiel und die Einflussnahme der Trainer durch die Geisterspiele verändert?

Es hat sich schon verändert. Gerade die fehlenden Zuschauer merke ich besonders bei unseren Heimspielen, wohingegen die leeren Stadien den Auswärtsmannschaften entgegenkommen. Der Trainer kann in der aktuellen Situation natürlich in einem sehr direkten Austausch taktische Anweisungen geben, aber das ist nicht unbedingt der ausschlaggebende Punkt. Weil der Gegner die Anweisungen auch hören kann, werden die wichtigsten Punkte meistens in der Halbzeitpause besprochen.

Elvedi zum vollen Kalender: „Ob man in jeder Partie ans Limit geht, ist eine mentale Frage“

Durch Corona ist der Terminkalender in den vergangenen Monaten sehr voll gewesen. Innerhalb des vergangenen Monats musste der Jahn sieben Pflichtspiele bestreiten. Wie gehen Sie als Mannschaft mit der gestiegenen Belastung um?

Wir als Mannschaft wussten um den eng getakteten Terminkalender. Umso wichtiger war es, sich nach den Spielen gut zu erholen, sowie genug Zeit für die Regeneration einzuplanen. Sieben Partien in einem Monat sind eine enorme Belastung, aber es ist auch machbar. Schlussendlich ist es auch immer eine mentale Frage, ob man in jeder Begegnung ans Limit gehen kann und will.

Hatten Sie Bedenken, in dieser Zeit erstmals in Ihrer Karriere in das Ausland zu wechseln? Wie ist es, sich in einem neuen Umfeld zu akklimatisieren, wenn man kaum etwas unternehmen darf?

Ich hatte vor meinem Wechsel keine Bedenken und verspürte eher Vorfreude. Es war auch ein Sprung ins kalte Wasser, aber primär habe ich mich darauf gefreut, hier anfangen zu können. Ich wollte so viel positive Energie wie möglich in dieses Abenteuer reinstecken. Es ist natürlich schade, dass dieser Wechsel zeitlich mit der Corona-Pandemie zusammenfällt. Regensburg ist eine wunderschöne Stadt und ich würde gerne mehr davon sehen. Aber dazu werde ich bestimmt noch kommen.

„Wir können jede Mannschaft der Liga ärgern“

Jahn Regensburg steht seit Jahren dafür, auf junge Spieler zu setzen und sie an der Seite von erfahreneren Profis weiterzuentwickeln. Mersad Selimbegovic gilt als Entwickler, nach etwas mehr als einem halben Jahr in Regensburg sind sie schon Stammspieler. Wie sehr hat ihnen der Trainer auch für die persönliche Entwicklung geholfen?

Er hat mir sehr geholfen. Unser Trainer spricht sehr offen mit den Spielern und arbeitet akribisch an den Stärken und Schwächen der Mannschaft. Er spricht uns immer Mut zu und verlangt von uns, dass wir auf dem Platz mutig agieren und auf unsere Qualitäten vertrauen. Wenn man in ein neues Team kommt, gibt das einem natürlich eine gewisse Sicherheit.

Regensburg gilt als unangenehm zu bespielender Gegner, der schwer zu knacken ist und in der zweiten Liga seit Jahren eine gute Rolle spielt. Was zeichnet das Spiel Ihrer Mannschaft aus?

Ich würde sagen unsere Mentalität. Natürlich prägen auch Physis, Zweikampfhärte und Intensität unser Spiel. Diese Aspekte haben aber auch mit unserer Mentalität zu tun und damit, wie wir jedes Spiel aufs Neue angehen. Wir sind für jeden Gegner schwer zu bespielen und können jede Mannschaft in der Liga ärgern. Das zeichnet uns durch die Mentalität aus.

Jan Elvedi Regensburg

(Photo by Adam Pretty/Getty Images)

Im DFB-Pokal gewannen Sie in Kaiserslautern, in Wiesbaden und gegen Köln im Elfmeterschießen. Nun geht es gegen Werder Bremen, eine Mannschaft, die zumindest nicht unschlagbar erscheint. Wie schätzen Sie die Chancen auf den Einzug in das Halbfinale ein?

Wir sind natürlich klarer Außenseiter. Im Pokal ist aber alles machbar und wir haben gegen Köln gesehen, dass wir auch gegen einen Bundesligisten mithalten können, wenn wir die wenigen Chancen nutzen, die wir bekommen. Das sollte uns für die Partie gegen Bremen Mut machen.

Jan Elvedi: „Wir möchten uns in der 2. Bundesliga etablieren“

Seit Jahren spielt Jahn Regensburg in der zweiten Liga eine gute Rolle. Der Sprung ganz nach oben gelang aber noch nicht. Trauen Sie dieser Mannschaft zu, dauerhaft eine Rolle im Aufstiegskampf spielen zu können? Entwicklungen, wie die in Heidenheim oder Kiel, haben gezeigt, was möglich ist. Welche Entwicklungsschritte müssten dafür noch gegangen werden?

Der SSV Jahn möchte sich dauerhaft in der 2. Bundesliga etablieren. Unser ganzer Fokus liegt auf der Verwirklichung dieser Zielsetzung und der Weiterentwicklung des Vereins in unterschiedlichen Bereichen. In der aktuellen Spielzeit gilt es, die 40-Punkte-Marke und damit das ausgegebene Saisonziel Klassenerhalt so früh wie möglich zu erreichen.

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Piet Bosse

Piet Bosse

Fasziniert von diesem einen langen Pass in die Spitze. Hat eine Schwäche für deutschen und französischen Fußball. Seit 2019 bei 90PLUS.

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