Jahresawards 2020 | Kategorie 10: Skandale des Jahres!

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Das Jahr neigt sich dem Ende zu, auch auf die Jahresawards von 90PLUS trifft das zu. Leider gilt es an dieser Stelle, auch einige negative Höhepunkte des Jahres zu besprechen.

Kategorie 1: Transfer des Jahres

Hier geht es zum Gerücht des Jahres

Die Wahl zum Tor des Jahres findet ihr hier!

Kategorie 4: Spieler des Jahres

Hier könnt ihr den Trainer des Jahres wählen

Kategorie 6: Mannschaft des Jahres

Hier findet ihr die siebte Kategorie – den Verlierer des Jahres

Kategorie 8: Newcomer des Jahres!

Hier gibt es die neunte Kategorie: Das Spiel des Jahres

Eine Abstimmung wird es in dieser Kategorie nicht geben. Uns war wichtig, dass nicht ein Rassismus-Fall mit einem anderen verglichen wird. Eine Klassifizierung, welcher Skandal nun der schlimmere war, ist nicht angemessen. Daher stellen wir einige negative Höhepunkte des Jahres 2020 vor – und verzichten darauf, einen „Sieger“ zu küren.

Barçagate: Schmutzkampagnen gegen eigene Spieler?

Fußball ist (zum Glück) eine Sportart, die viele Emotionen auslöst und auch eben von jenen lebt. So wie Fußball Euphorie, Freude und Glücksgefühle auslösen kann, kommen auch negative Ausreißer wie Trauer und Wut vor. In Zeiten der sozialen Medien ist dies gut zu beobachten. Regelmäßig werden Klubs und insbesondere einzelne Spieler auf üble Art und Weise verbal von „Fans“ zerrissen. Zwar ist dies bedauernswert, aber leider nun auch mal Normalität. Dass dies im Artikel zu den Skandalen des Jahres dennoch zur Sprache kommt, liegt am einst so ruhmreichen FC Barcelona. Ein Klub, der vor nicht allzu langer Zeit zumindest auf dem Platz als Paradebeispiel voranschritt und jahrelang wohl für den attraktivsten Fußball der Welt gesorgt hat. 2020 ist er nur noch ein Schatten seiner selbst. 

Neben sportlichen Krisen, finanziellen Schwierigkeiten, einem unzufriedenem Messi und diverser Machtkämpfe ging ein Ereignis schon fast unter. Zumindest in der deutschen Medienlandschaft. Barçagate. Worum geht es? Der Radiosender Cadena SER hat nach längerer Recherche Mitte Februar einen Bericht veröffentlicht, der unglaubliche Geschehnisse aufdecken sollte: So soll der FC Barcelona eine Firma namens I3 Ventures beauftragt haben, diverse Personen rund um den Klub mit Schmutzkampagnen ins Ziel zu nehmen. Opfer der Social-Media-Hetze sollen Ikonen wie Xavi, Puyol, Guardiola, aber auch aktuelle Spieler wie Pique sowie Messis Familie gewesen sein. Auffällig war indes, dass mit Joan Laporta und Victor Font aussichtsreiche Kandidaten für die kommenden Präsidentschaftswahlen von der Stimmungsmache der Fake Accounts getroffen wurden.

Piqué: „Eine Schande“

Der unbeliebte (mittlerweile Ex-) Präsident Josep Maria Bartomeu wurde folgerichtig mit diesen Kampagnen in Verbindung gebracht. Zu viele seiner Gegner wurden Opfer, als dass die Öffentlichkeit dies als zufällig erachten hätte können. Bartomeu und der Klub distanzierten sich jedoch von den Vorwürfen. Erst Monate später veröffentliche der FC Barcelona einen Untersuchungsbericht. Ergebnis: Der Klub habe keine Hetzkampagnen beauftragt. So klar, wie es die Katalanen vermeldeten, sehen es allerdings nicht alle. Zuvor sind im Zuge von Barçagate bereits sechs Vereinsdirektoren zurückgetreten, Bartomeu geriet zunehmend unter Druck. Alle Fragen zu den Verbindungen Barcelonas zu I3 Ventura und die Gelder, die im Zuge dieser Zusammenarbeit flossen, wurden noch nicht beantwortet. Aber der Klub ist sich keiner Schuld bewusst.

(JOSEP LAGO/AFP via Getty Images)

Trotzdem war es ein weiterer Baustein, der die Dynamik befeuerte, die letztendlich zum Rücktritt Bartomeus führte. Mit Piqué äußerte sich auch ein Spieler offen und sehr deutlich zu Barçagate. Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen: „Das Thema mit den sozialen Netzwerken. Ich als Spieler Barças muss sehen, wie mein Klub Geld – bei dem sie uns Spieler nun bitten, darauf zu verzichten – dafür ausgibt, um Kritik zu üben, nicht nur an externen Personen, sondern auch an den aktuellen Spielern. Das ist eine Schande.“ (Zitat via Barcawelt

Derby-Held Moukoko wird angefeindet

Das sind auch Worte, die sehr gut zum kommenden Thema passen: Rassismus. Man braucht erst gar nicht so zu tun, als würde es nicht regelmäßig zu derartigen Problemen in Stadien kommen, aber im Oktober kam es zu einem besonders widerlichen Vorfall: Der damals noch 15-Jährige Youssoufa Moukoko trumpfte U19-Derby zwischen dem BVB und Gastgeber Schalke auf und erzielte alle drei Dortmunder Treffer beim 3:1-Sieg. Eine Leistung, die ihm viel Aufmerksamkeit bescherte. Leider auch in Form von Anfeindungen. Unter den 300 zugelassenen Zuschauern gab es Personen, die es nicht verkraften konnten, dass ein junger, talentierter Spieler im Derby dreimal knipst und sich darüber freut. Neben Gewaltandrohungen und Beleidigungen kam es erstem Anschein nach auch zu rassistischen Aussagen.

Rassismus ist in jedweder Form zu verachten und widerwärtig. Aber wenn erwachsene Personen sich derart verbal an einem Minderjährigen auslassen, ist das noch einmal eine Spur ekelhafter. Schalke distanzierte sich umgehend von dem Verhalten jener Einzelpersonen. Der DFB belegte den Klub mit einer Geldstrafe in Höhe von 6000 Euro. Das Urteil, das aufgrund von „menschenverachtender Beleidigungen und Gewaltandrohungen“ gefällt wurde, akzeptierte der Klub. 

Schalke: Das Ende von Tönnies

Die Vorwürfe, dass es auch rassistische Beleidigungen gab, wies Sportvorstand Jochen Schneider zurück. Das sei „wohl nicht der Fall“, so der 50-Jährige, der sich dennoch nicht erleichtert präsentierte. Er appellierte an die Zivilcourage der Fans in den Stadien. Damit agierte er im Sinn des Leitbildes des FC Schalke 04. So lautet der 8. Punkt: „Von uns Schalkern geht keine Diskriminierung oder Gewalt aus. Wir zeigen Rassismus die Rote Karte und setzen uns aktiv für Toleranz und Fairness ein.“ Vielleicht würde man Schneiders Worte im Kontext der Moukoko-Debatte ein wenig ernster nehmen, wenn er sich nicht schützend vor Clemens Tönnies gestellt hätte, der zuvor durch rassistische Äußerungen auffiel.

Das war zwar 2019, aber wirklich ruhiger wurde es um den Aufsichtsratsvorsitzenden auch im letzten Jahr nicht. Im Gegenteil: Nachdem es in einem Tönnies-Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück zu einem massiven Corona-Ausbruch kam. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld ermittelte wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung und eines möglichen Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz. Der öffentliche Druck wurde mit der Zeit immer größer und Tönnies gab letztendlich nach: Am 30. Juni trat er von sämtlichen Ämtern zurück. Ein Schritt, den viele Fans begrüßten. Am ersten Spieltag saß er dennoch in München auf der Tribüne.

Foto: Imago

Schalke wird zum Chaos-Klub

Danach wurde es um den 64-Jährigen zwar ruhiger, aber im Verein herrschte weiterhin großes Chaos. Sportlich stürzten die Königsblauen ab. Seit nunmehr 29 Bundesligaspielen wartet Schalke auf einen Sieg. David Wagner wurde entlassen, Manuel Baum eingestellt und dann auch gefeuert. Nicht einmal Huub Stevens konnte die Serie beenden. In der Rückrunde soll es Christian Gross richten. Eine Herkules-Aufgabe. Denn auch im Kader gibt es so einige Probleme. Nabil Bentaleb und Amine Harit wurden (zum wiederholten Male) suspendiert, nachdem es zu Disziplinlosigkeiten kam. Zwischen Co-Trainer Naldo und Neuzugang Vedad Ibisevic soll es im Training heftig gekracht haben. Der langjährige Hertha-Akteur wurde im Zuge der Suspendierungen seiner beiden Kollegen sogar komplett rausgeworfen. Der Vertrag wird offiziell zum Jahresende aufgelöst. Es passt zum Bild, das Schalke 2020 abgibt.

FC Bayern: Campus-Skandal

Vom Sorgenkind der Bundesliga kommen wir nun zum Branchenprimus. Sportlich erlebte der FC Bayern München unter Hansi Flick (55) eine Auferstehung, die im Triple mündete. Für extrem negative Schlagzeilen sorgte hingegen der Skandal rund um das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des Klubs. Das WDR-Hintergrundmagazin Sport inside hat im Sommer einen Bericht veröffentlicht, der von Mobbing und Rassismus auf dem Campus des FC Bayern München handelte. Ein Mitarbeiter soll dem Bericht zufolge wiederholt rassistische Ausdrücke benutzt haben. Anonyme Briefe, die dem FC Bayern bekannt waren, handelten von besorgten Eltern, die sich auch über Homophobie und „sadistisches Straftrainings“ beschwerten.

Innerhalb des NLZ soll es schon seit längerer Zeit zu solchen Vorfällen gekommen sein. Der Hauptverdächtige, der auch als Jugendtrainer tätig war, wurde vom Klub fristlos gekündigt. Gegenüber Sport inside bezeichnete er sich als „Opfer einer Intrige“. Dr. Anton Nachreiner, Vorsitzender des DFB-Kontrollausschusses bestätigte dem Magazin, dass Ermittlungen gegen den Jugendtrainer des FC Bayern gestartet wurden. Sogar die Staatsschutz-Abteilung der Münchner Polizei ermittelte. 

Der Klub selbst hat im Oktober die internen Ermittlungen abgeschlossen. Die notwendigen Schritte seien bereits eingeleitet worden und es wird strukturelle Veränderungen sowie einen personellen Neuanfang von der U9 bis U15 geben. „In unserem Klub dulden wir weder Intoleranz noch Diskriminierung“, so Dr. Michael Gerlinger, der als Direktor Recht & Personal beim FC Bayern tätig ist. 

FC Bayern: Fans unzufrieden mit der Aufarbeitung des Skandals

Für so umfassend aufgearbeitet, wie der Klub es betrachtet, sehen einige Fans den Skandal allerdings nicht. Gegenüber der Sportschau hat der Club Nummer 12, die Vereinigung der aktiven Bayern-Fans, erklärt, dass der Rekordmeister das Thema „absolut intransparent“ behandle. Überraschend sei dies nicht. Mehrfach positionierten sich Fans mit Hilfe von Bannern und forderten bessere Aufklärung seitens des Vereins.

Auch an Weihnachten gab es eine Aktion. Mit roter Farbe wurde zum wiederholten Male der Schriftzug „Rassismus. Macht. Sauer.“ an eine Steinwand am Bayern-Campus hinterlassen. Zufrieden scheinen Teile der Anhängerschaft mit Campus-Leiter Jochen Sauer nicht zu sein. Angesichts der Geschehnisse abseits sportlicher Ergebnisse nur allzu verständlich. 

Spielunterbrechung nach Hopp-Schmähungen

Dass der FC Bayern auch zügiger handeln kann, wurde am 29. Februar in Sinsheim eindrucksvoll zur Schau gestellt. Beim Stand von 6:0 gegen die TSG Hoffenheim präsentierte der Gästeblock diffamierende Plakate, die in Richtung Mäzen Dietmar Hopp gingen. Dieser ging später zusammen mit Rummenigge auf den Platz und wurde zusammen von Fans und Spielern, die sich den Ball nur noch locker hin und her schoben, beklatscht. Eine Partie, die in die Geschichte der Bundesliga eingehen wird und die Verhältnismäßigkeit jeglicher Maßnahmen, die vom Profifußball gegen Rassismus, Sexismus, Homophobie und andere gesellschaftliche Probleme eingesetzt wurden, durcheinander brachte.

Während es im Bayern-Campus besorgte Eltern und Kinder gibt, die, sollten sich alle Vorwürfe endgültig bewahrheiten, unter absolut unwürdigen Bedingungen ihren Traum vom Profifußball verwirklichen wollen und viel zu lange auf notwendige Schritte warten mussten, wird Dietmar Hopp, ein sehr privilegierter Mann, vom FC Bayern in Watte gepackt und nicht nur in Schutz genommen, sondern in einer absurden Art und Weise sogar noch gefeiert.

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Es geht auch nicht darum, die Beleidigungen gegen Hopp runterzuspielen, aber wenn man dann sieht, wie nicht nur der FC Bayern, sondern auch der DFB und andere Klubs/Verbände mit gesellschaftlichen Problemen umgehen, stimmt die Verhältnismäßigkeit absolut gar nicht. Es ist ein erbärmliches, peinliches Bild. Und sehr, sehr wahrscheinlich werden die Verantwortlichen das Problem darin gar nicht sehen.

Corona: Kalou mit Skandal-Video – Lazio unter Betrugsverdacht

Natürlich gab es auch im Rahmen der COVID-19-Pandemie auffällige Ereignisse. Nachdem die Bundesliga als erste große Liga Europas den Spielbetrieb wieder aufnahm, war der Fokus auf die Geschehnisse in Deutschland groß. Dass die Disziplin der Verantwortlichen hinter den Kulissen nicht immer vorbildlich war, hätte man sich denken können. Salomon Kalou war jedoch so nett, die Abläufe vor dem Re-Start bei Hertha zu filmen und auf Facebook live zu streamen. Munter klatschten sich die Spieler ab, Abstände wurden nicht eingehalten und der Ivorer filmte zu allem Überfluss auch noch den laufenden Corona-Test von Jordan Torunarigha.

Das Hygienekonzept der DFL wurde überall krass missachtet. Die Liga reagierte empört und verärgert und Hertha suspendierte Kalou. Zu wichtig war der Re-Start, als dass dieses Verhalten ohne Konsequenzen durchgewunken hätte werden können. Zu wichtig waren die Einnahmen für Liga, Vereine, Spieler und Verantwortliche. 

Im Mai war dies noch ein handfester Skandal, mittlerweile würde solch ein Verhalten nicht mal mehr einen Shitstorm auf Twitter auslösen. Zu sehr haben sich alle Verantwortlichen und auch die Öffentlichkeit an die Pandemie gewohnt. Es ist wieder alles ein wenig lockerer geworden. So locker, dass bei Lazio sogar Betrugsverdacht im Raum steht.

Mehrere Eckpfeiler der ersten Elf, darunter Ciro Immobile, wurden unter der Woche vor dem Champions-League-Duell gegen Brügge positiv getestet und fielen aus. Am Wochenende hingegen standen sie gegen den FC Turin wieder zur Verfügung nach negativen Testergebnisse. Der Ex-BVB-Stürmer erzielte sogar den Siegtreffer. Drei Tage später ergab ein Test der UEFA wieder ein positives Ergebnis. Ein Einsatz gegen Zenit war nicht möglich. Wurden die Ergebnisse eventuell manipuliert? Dass irgendwas an diesem Ereignis nicht stimmen kann, ist klar. 

Damian Ozako

Foto: Imago

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