Hertha | Nach starkem Derby – Dilrosun muss weitere „Ausrufezeichen“ setzen

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News | Javairo Dilrosun spielte zuletzt kaum noch eine Rolle bei Hertha BSC, meldete sich beim Berliner Stadtderby jedoch eindrucksvoll zurück. Nun muss der junge Niederländer an seiner Konstanz arbeiten, um wieder dauerhaft in die Berliner Mannschaft zu rutschen.

  • Hertha BSC: Dilrosun im Fokus
  • Cunha muss pausieren – nutzt der Niederländer die Chance?
  • Gegen Union Berlin waren Ansätze zu erkennen

Dilrosun zuletzt kein Faktor mehr bei Hertha

„In einer sonst eher ideenlosen Berliner Mannschaft stach er durch sein Tempo, gewisses Etwas und die Stärke im direkten eins-gegen-eins heraus. Seinen kreativen Momenten war es verdanken, dass man noch den Sieg davontrug“ – eben jene zwei Sätze rufen in Bezug auf Hertha BSC seit geraumer Zeit die Assoziation mit Matheus Cunha (21) hervor. Doch gab es bereits vor der Verpflichtung des Brasilianers im Januar einen jungen Individualisten, der die „alte Dame“ mit seinem Talent verzauberte: Javairo Dilrosun (22).

Foto: IMAGO

Der Niederländer fand unter Trainer Bruno Labbadia (54) bislang allerdings kaum statt, er geriet sogar etwas in Vergessenheit. Vor über zwei Jahren debütierte Dilrosun für die niederländische A-Nationalmannschaft, seitdem blitzte sein Potenzial nur noch selten auf, wie beispielsweise bei dessen herausragender Einzelaktion gegen den SC Paderborn. Der Flügelspieler schnappte sich den Ball, ließ die gesamte gegnerische Defensive spektakulär stehen und schob zum 1:0 ein. Diese Szene ist allerdings schon 15 Monate her, wenig war seitdem von dem dribbelstarken Offensivspieler zu sehen.

Derby-Leistung bringt Dilrosun zurück

So begann auch die laufende Spielzeit für Dilrosun alles andere als wünschenswert. Aufgrund mehrerer kleinerer Verletzungen und daraus resultierten Formschwankungen ist dem Niederländer der Rang abgelaufen worden. Trainer Labbadia setzte in einigen Spielen bewusst nicht auf Flügelspieler, sondern auf eine Mittelfeldraute. In diesem System gibt es keine Position für den 22-Jährigen, der sich klar auf der linken Flanke verortet. Liefen die Blau-Weißen doch mit Flügelangreifern auf, so übernahmen Cunha und Dodi Lukebakio (23) eben jene Rollen. Das Resultat: Dilrosun, der in den ersten drei Ligaspielen noch verletzt fehlte, stand noch nicht einmal in der Startelf. In den sechs Spielen vor dem Stadtderby wurde er nur dreimal eingewechselt, insgesamt 46 Minuten kam er zum Einsatz.

Ungefähr genauso viele Minuten erhielt Dilrosun, als er im Spiel gegen den 1. FC Union Berlin zur zweiten Halbzeit eingewechselt wurde. Vor seinem Jokereinsatz hat Hertha große Mühen, gegen den in Unterzahl sehr defensiv agierenden Gegner Tempo aufzunehmen und Chancen herauszuspielen. Mit Dilrosun wurde das Spiel deutlich dynamischer, er wurde ein großer Faktor für den weiteren Verlauf der Partie. So hatte der Flügelflitzer unmittelbar seine Füße bei den Treffern zum 2:1 und 3:1 im Spiel, wodurch Hertha zum Derbysieger wurde.

Foto: IMAGO

„Als er reinkam, hatte er einen sehr guten Auftritt“, lobte Labbadia die Leistung seines Spielers nach der Partie. „Das haben wir uns für ihn gewünscht. Er hat eine Qualität, die wir einfach brauchen und die er noch mehr zeigen muss. Ich hoffe, die zweite Halbzeit gegen Union war ein Signal für ihn.“ Auch Manager Michael Preetz (53) war sehr zufrieden mit der der Vorstellung Dilrosuns: „Der Junge ist durch eine tiefe Durststrecke gegangen, war zuletzt lange kein Faktor. Wir brauchen aber seine offensiven Qualitäten. So kann es jetzt weitergehen.“

Dilrosun ist gegen Gladbach gefragt – Cunha fehlt Hertha

Weiter geht es für Hertha am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach – nicht unwahrscheinlich, dass Dilrosun in diesem Spiel das erste Mal seit dem 30. Mai wieder in der Startelf des Hauptstadtvereins steht. Das liegt nicht nur an seinem gefühlten Comeback gegen Union Berlin, sondern auch daran, dass Herthas anderer Einzelkönner – Matheus Cunha – aufgrund einer Gelbsperre aussetzen muss. Damit geht Hertha viel Kreativität und Tempo verloren – Attribute, die ein Dilrosun wiederum mitbringen kann. Laut Labbadia ist er deshalb „definitiv“ ein Kandidat für die Startelf. „Ich habe lange mit ihm gesprochen, ihm per Video seine Stärken gezeigt. Wir haben wenig Spieler, die so gut im Eins-gegen-Eins sind. Jetzt liegt es an ihm, ob er in Gladbach spielt.“

Auch Preetz wünscht sich, dass Dilrosun diesen Auftrieb nun mitnimmt. „Er hat ein wenig gebraucht, um in diese Saison hineinzufinden, hat aber im letzten Spiel ein erstes Ausrufezeichen setzen können. Ich hoffe, das war für ihn der Auftakt zu Wochen, die es ihm deutlich einfacher machen, seine Qualitäten auf den Platz zu bringen.“ Es wären Wochen, in denen in Berlin erstmals von Cunha und Dilrosun als Spielentscheider gesprochen werden würde.

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Marc Schwitzky

(Photo by ODD ANDERSEN/AFP via Getty Images)

Marc Schwitzky

Erst entfachte Marcelinho die Liebe zum Spiel, dann lieferte Jürgen Klopp die taktische Offenbarung nach. Freund des intensiven schnellen Spiels und der Talentförderung. Bundesliga-Experte und Wortspielakrobat. Seit 2020 im 90PLUS-Team.

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