Nach starkem Musiala-Auftritt: „Jugend forscht“ als Lösung der Bayern-Probleme?

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Der FC Bayern München hat in dieser Saison zwar gute Resultate eingefahren, insbesondere Defensiv wackelt der Rekordmeister aber zu häufig. Viele Spieler sind körperlich an ihrem Limit, schleppen sich von Blessur zu Blessur. Doch es gibt auch Lichtblicke.

  • Musiala mit starkem Tor gegen RB Leipzig
  • Hoffnung für Richards, Nianzou & co.?
  • Junge Spieler könnten die Stammspieler entlasten

Der FC Bayern 2020/21: Zu viel Stückwerk

Nach vier Spieltagen war der FC Bayern in der Champions League bereits Gruppensieger, die Tabelle in der Bundesliga führt man an. Doch trotzdem ist nicht alles Gold, was glänzt. Defensiv lässt der Rekordmeister viel zu viel zu, sechs Gegentore in der Champions League und schon 16 (!) in der Bundesliga sprechen eine klare Sprache. Es sind individuelle Fehler, die ein Problem darstellen. Aber nicht nur. Die gesamte Mannschaft wirkt in ihrem Spiel nicht derart fokussiert wie in der Vorsaison. Mehr Rotation und höhere Belastung bedingen im Endeffekt, dass die letzten zwei bis drei Prozent fehlen. Und das merkt man.

Die Automatismen sind nicht vollumfänglich vorhanden, der ein oder andere Spieler ist punktuell im Kopf nicht wach genug. Fallen dann auch noch Spieler aus, ist der Teufelskreis vollendet. Der enorm eng getaktete Terminplan ist eine Erklärung, aber nicht die einzige. Lösungsansätze im Trainingsbetrieb zu finden ist angesichts von Pflichtspielen, die alle drei bis vier Tage absolviert werden müssen, nicht möglich. Hansi Flick (55) muss also andere Lösungen finden. Gegen RB Leipzig wurde der Trainer fast schon zu seinem Glück gezwungen.

(Photo by ALEXANDER HASSENSTEIN/POOL/AFP via Getty Images)

Nach der Verletzung von Javi Martinez (32) musste Flick reagieren. Und er beorderte den jungen Jamal Musiala (17) zur Bank, wechselte ihn ein. Mit Musiala veränderte sich die Dynamik des Spiels. Man merkte zwar in Szenen, in denen er Defensivaufgaben übernehmen musste, dass der Youngster körperlich noch zulegen muss, fußballerisch war der Effekt aber immens. Musiala spielte clever, war sehr engagiert, holte sich die Bälle ab, spielte sie früh wieder zu einem Mitspieler. Und: Er traute sich offensiv viel zu! Sein Tor zum 1:1 war absolut sehenswert, auch beim 2:1 hatte er die Füße im Spiel.

Jamal Musiala: Nicht nur gegen Leipzig stark

Dass Musiala nach seiner Einwechslung einen solchen Einfluss würde nehmen können, deutete sich bereits vorher an. Zu Beginn der Saison überzeugte der junge Offensivspieler schon als Joker, traf unter anderem gegen Schalke 04. Und unter der Woche gegen Atletico Madrid stand Musiala in der Champions League in der Startelf. In einer runderneuerten und zusammengewürfelten Bayern-Mannschaft merkte man ihm überhaupt nicht an, dass er erst 17 Jahre alt ist und erstmals in der Königsklasse von Anfang an auf dem Feld stand. Musiala spielte gut, initiierte viele Angriffe und traute sich auch selbst im Abschluss etwas zu.

(Photo by Gonzalo Arroyo Moreno/Getty Images)

Es ist eine sehr gute Mischung aus großem Talent, steigendem Selbstvertrauen und einer Spur Unbekümmertheit, die Musiala derzeit einbringt. Er denkt nicht zu viel nach, spielt instinktiv und zeigt auch die Bereitschaft, nach Ballverlusten sofort wieder die wichtigen Wege in die Defensive zurück zu legen. Joshua Kimmich (25) ist noch verletzt, Corentin Tolisso (26) hat derzeit ebenfalls Probleme, die Martinez-Verletzung wurde bereits angesprochen. Im Mittelfeldzentrum ist die Lage angespannt, lediglich Leon Goretzka (25) und Marc Roca (23) haben keine Beschwerden. Das bedeutet, dass die Einsatzchancen für Musiala in den kommenden Wochen bis zur Weihnachtspause steigen. Er kann das Bindeglied zwischen der Defensive und Offensive sein und kreative Elemente einbringen. Und diese Elemente benötigt es.

Chris Richards, Tanguy Nianzou & co.: „Jugend forscht“ beim FC Bayern?

Schon in der letzten Saison half mit Joshua Zirkzee ein junger Spieler in einer schwierigen Phase, in dieser Saison scheinen nun andere Talente im Mittelpunkt stehen zu können. Chris Richards (20) absolvierte in der Defensive immerhin rund 200 Pflichtspielminuten für den Rekordmeister, wurde gegen Leipzig kurz vor dem Ende ebenfalls eingewechselt. Auch Tanguy Nianzou (18), der im Sommer aus Paris kam und nach seiner Verletzung derzeit große Fortschritte macht, könnte in den kommenden Wochen Einsätze erhalten.

(Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Vielen Spielern in der Defensive fehlte es derzeit in einigen Teilbereichen ihres Spiels an den nötigen Prozentpunkten, davon könnten Richards und Nianzou profitieren. Jerome Boateng (32), der zurzeit eine Art Ganzkörperblessur ist, würden zwei bis drei Pflichtspiele Pause gut tun, um sich ein wenig schonen zu können. Entsprechende Alternativen sind vorhanden. Flick traut sich, die jungen Spieler einzusetzen und wurde bisher auch nicht selten belohnt. Alphonso Davies (20) war in der Vorsaison ein Beispiel dafür, wie schnell es gehen kann und sich ein junger Spieler in eine Art Rausch spielen kann.

„Jugend forscht“ muss für den FC Bayern also absolut kein Ausdruck der Verzweiflung, sondern kann unter gewissen Umständen gar ein sehr vielversprechender Lösungsansatz sein. Die nächsten Wochen werden es zeigen.

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Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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