Mögliche Einführung der „BeNe-Liga“: 1+1=3 ?

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In der vergangenen Woche kursierten Meldungen, dass sich die belgischen Profi-Clubs auf die Einführung einer BeNe-Liga verständigt hätten. So weit scheint es zwar noch nicht zu sein, doch die Vision kommt der Realisation wohl immer näher. Grund genug, um sich Gedanken über mögliche Auswirkungen zu machen.

Der aktuelle Stand: 

Bevor wir die unterschiedlichen Vorteile, Nachteile und offenen Fragen erörtern, noch ein kurzes Wort zum derzeitigen Stand. Anders als vielerorts berichtet, haben sich die belgischen Profi-Clubs (noch) nicht für die Einführung einer sog. „BeNe-Liga“ ausgesprochen, sondern lediglich die Zustimmung zur Weiterverfolgung des Projekts erteilt. Im offiziellen Statement der Liga heißt es, dass sich die 25 Clubs sich darüber einig seien, dass man der „BeNe-Liga“ eine faire Chance geben wolle und das Management der Pro League von nun an eine aktive Rolle in diesem Projekt einnehmen solle. 

Außerdem wird spezifiziert, dass die Einführung mit der Sicherung der wirtschaftlichen Stabilität der übrigen Profi-Clubs, die weiterhin in den nationalen Ligen antreten werden, und einer nachhaltigen Lizenzierung und Wettbewerbsordnung einhergehen müsse. 

Noch kein Beschluss

Einen noch detaillierteren Einblick in den Prozess gewährte Alex Muzio, Präsident des belgischen Zweitligisten (bereits aufgestiegen) Royale Union Saint-Gilloise, im „Ornstein & Chapman“ Podcast des englischen Portals „The Athletic“. Muzio berichtete, dass es bisher nur um eine Untersuchung des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsinstituts Deloitte ginge, deren Ergebnisse nun von offizieller Stelle aus weiterverfolgt werden sollen. Wesentlicher Treiber dieses Bestrebens wäre Meister und Tabellenführer Club Brügge, was nur die Wenigsten überraschen dürfte. 

Quintessenz: Von belgischer Seite aus wird dieses Projekt nun intensiver und offizieller vorangetrieben. Niederländischen Medienberichten zufolge, hält sich die Begeisterung auf Seiten der niederländischen Klubs bisher jedoch in Grenzen. Es müsse noch viel Lobby-Arbeit geleistet werden, um auch die kleineren Eredivisie-Vereine überzeugen zu können. Die Einführung der gemeinsamen Liga steht also keineswegs unmittelbar bevor. Daher sind die folgenden Ausführung eher als Gedankenspiele zu verstehen, denn als Analyse oder Prognose.

Die möglichen Vorteile

Aus einer kommerziellen Sicht, liegt der größte Vorteil in der Zusammenführung zweier relativ kleiner Märkte zu einem größeren Markt. Während es in Belgien derzeit 18 Erstliga-Klubs bei ca. 11,5 Millionen Einwohnern gibt, sind es in den Niederlanden 18 Erstliga-Clubs auf ca. 17,3 Millionen. Bei einer Verschmelzung sind es dagegen 18 Erstliga-Clubs für ca. 28,8 Millionen Einwohner, was einem Verhältnis von 1,6 Millionen Einwohner pro Erstliga-Club entspricht (zuvor 0,96 Mio. Einwohner/Club in NED bzw. 0,63 Mio. Einwohner/Club in BEL). 

Damit wäre die „BeNe-Liga“ deutlich näher an den Verhältnissen der Top-5 Ligen (GER: 4,61 Mio. Einwohner/Club, ENG: 2,8 Mio. Einwohner/Club, Spanien: 2,35 Mio. Einwohner/Club, ITA 3,00 Mio. Einwohner/Club, FRA: 3,35 Mio. Einwohner/Club), als zuvor. 

Höhere Leistungsdichte, mehr Top-Spiele

Neben dieser Konzentration dürfte die Zusammenführung auch zu einer deutlich höheren Leistungsdichte führen, was dem Wettbewerb in vielerlei Hinsichten gut tun dürfte. Derzeit sind die Leistungsunterschiede zwischen den „Großen“ und den „Kleinen“ der jeweiligen Ligen extrem groß. So etwas manifestiert sich beispielsweise in Ergebnissen wie dem 13:0-Sieg von Ajax Amsterdam bei VVV Venlo im vergangenen Oktober. Solche Resultate sind sicherlich außergewöhnlich, doch zur Attraktivität des Wettbewerbs trägt das nicht bei. 

(Olaf Kraak/imago)

Darüber hinaus ist die Anzahl der Top-Spiele in den jeweiligen Ligen rar gesät, während es aber gleichzeitig eine Vielzahl an vermeintlich unattraktiven Spielen gibt. Das wirkt sich negativ auf den Zuschauerzuspruch der beiden Ligen auf. Mit der Zusammenführung der Ligen könnte die Anzahl der attraktiven Spiele ebenso deutlich erhöht werden, wie die Leistungsdichte der gesamten Liga. Das könnte sich wiederum in höheren Besucherzahlen im Stadion (sofern wieder möglich) und Einschaltquoten widerspiegeln. In der letzten vollen Saison vor Zuschauern (2018/19) kamen die Belgier lediglich auf eine durchschnittliche Auslastung von 62,7%, während die Eredivisie immerhin auf eine Auslastung von 87,5% kam. 

Zusammengefasst verspricht die Einführung einer gemeinsamen Liga also eine deutliche Steigerung in TV-Vermarktung, Ticket-Verkauf und Sponsoring (dürfte mit der gesteigerten Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit ebenfalls erhöht werden). Die bedeutet für die Vereine signifikante Steigerungen in den drei wesentlichen, regelmäßigen Einnahmequellen.

Schutz der eigenen Unabhängigkeit?

Eine weitere wichtige Einnahmequelle, die nur bedingt als regelmäßig bezeichnet werden kann, aber für belgische und niederländische Klubs traditionell von großer Bedeutung ist, ist der Transfermarkt. Beide Nationen sind bekannt für die Ausbildung von Jugendspielern und als Zwischenstationen für talentierte Spieler aus dem Ausland. Gerade Letzteres hat dazu geführt, dass immer mehr Klub-Netzwerke, wie z.B. die City Football Group, die zuletzt den belgischen Zweitligisten Lommel SK aufgekauft hat, in Vereine dieser beiden Ligen investiert haben. Die veränderten Transfer-Regeln der Premier League, die auf den Brexit zurückgehen, könnten solche Strategien weiter befeuern, weil es Spieler aus der Jupiler Pro League und der Eredivisie verhältnismäßig leicht haben, sich für die Registrierung in der Premier League zu qualifizieren. 

Bedingt durch die finanziellen Konsequenzen der Pandemie könnte eine solche Übernahme durch größere Club-Netzwerke auch zukünftig eine willkommene Rettung darstellen. Die Zusammenführung zu einer gemeinsamen „BeNe-Liga“ könnte eine alternative Möglichkeit bieten, um die Unabhängigkeit der Vereine zu wahren. 

Die nächste Stufe in der „Nahrungskette“

Doch damit nicht genug, die höhere Leistungsdichte und das insgesamt höhere Niveau versprechen auch ein besseres Entwicklungsumfeld für die jungen Talente. So könnten diese auch auf nationaler Ebene die nötigen Entwicklungsschritte machen und damit auch länger in ihren Klubs verbleiben. In den vergangenen Jahren war oft zu sehen, dass Top-Talente schon sehr früh den Schritt in eine größere Liga gewählt haben. Das tat den Talenten selbst oftmals nicht gut (selbst Spieler wie Memphis Depay hatten schwer zu kämpfen). Das führte ebenfalls dazu, dass die Vereine nur einen Teil der Ablöse einstreichen konnten, welche sie etwas später hätten einstreichen können.

(Matt McNulty/imago)

Mit anderen Worten: Die Clubs der „BeNe-Liga“ könnten durch die Fusion einen Sprung in der „Transfer-Nahrungskette“ machen und ihren Top-Talenten für einen etwas längeren Zeitraum ein stabiles Umfeld zur optimalen Entwicklung bieten. Von der höheren Attraktivität für ausländische Talente mal ganz zu schweigen. Auch hier bietet der Zusammenschluss also einen Hebel, um die Stellung als „Innovation-Hubs“ weiter zu stärken. 

Abgesehen davon, könnten so ganz neue Dynamiken und Geschichten entstehen, die natürlich immer wieder auf die Zuspitzung „Belgien vs. Niederlande“ hinauslaufen würde. So könnte ein weiterer Wettbewerb im Wettbewerb (ein bisschen Ryder-Cup-Vibe) entstehen, der das Narrativ der Liga noch mehrdimensionaler machen würde. Wobei es an dieser Stelle natürlich auch extrem wichtig ist, die Gemeinsamkeit und die grenzüberschreitende Einigkeit in einem Wettbewerb zu betonen, um auch einen kulturellen Mehrwert zu kreieren. Das muss natürlich entsprechend sorgfältig gestaltet werden, womit wir nun zu den offenen Fragen und Gestaltungsaufgaben kommen. 

Offene Fragen und Gestaltungsaufgaben

In diesem Abschnitt stehen insbesondere zwei Fragen hinsichtlich des Proporzes im Vordergrund

  1. Wer kann, trotz der Möglichkeit des Abstiegs, gewährleistet werden, dass die Länder-Verhältnisse gleich bleiben? 
  2. Wie viele Europa-Pokalplätze gibt es und wie werden die verteilt?

Wer steigt ab?

Der erste Vorschlag für die „BeNe“-Liga sieht vor, dass das Teilnehmerfeld zehn niederländische und acht belgische Teams umfassen soll. In den nachfolgenden Saisons sollen zudem jeweils die Meister der darunter angesiedelten, ersten nationalen Ligen aufsteigen. So weit, so gut, so einfach. Doch dann kommt die eigentlich schwierige Frage: Was passiert, wenn zwei Teams eines Landes die beiden letzten Plätze belegt? Wer steigt dann ab? 

Eine sehr einfach Lösung wäre die, dass die jeweils schlechteste Mannschaft jedes Landes absteigt. Im schlimmsten bzw. extremsten Fall könnte das aber bedeuten, dass z.B. der Tabellenachte (im Fall Belgien) oder der Tabellenzehnte (im Fall Niederlande) absteigt, obwohl andere Klubs eine schwächere Saison gespielt hätten.

Egal, wie man es dreht und wendet, gewisse Härten können immer entstehen. Denkbar wäre auch, dass man den Abstieg für ein Land aussetzt, sollte das schlechteste Team auf Platz 14 oder besser abgeschlossen haben. Dann würde man die Anzahl der Clubs vorübergehend erhöhen und ggf. in der folgenden Saison wieder nach unten korrigieren. Doch auch in diesem Fall würde man die Verhältnisse verzerren.

Eine ideale Lösung können wir an dieser Stelle nicht präsentieren, aber wir können uns zumindest einige Formate vorstellen, wie man den Abstiegskampf durch verschiedene Formate spannender gestalten könne. Möglich wäre z.B., dass die vier schlechtesten Teams jedes Landes am Saisonende in einem Miniturnier gegeneinander antreten, um einen Absteiger zu ermitteln: Das viertschlechteste Team gegen das schlechteste und das drittschlechteste gegen das zweitschlechteste Team in einer Art „Vor-Entscheid“ und ein direktes Duell der beiden Verlierer im „Abstiegsfinale“. 

Auf diese Weise könnte man echte Highlights kreieren und die Besonderheiten einer solchen Liga ausnutzen, um die Attraktivität des Wettbewerbs zu erhöhen, auch wenn es nicht zwingend zum ursprünglichen Gedanken des europäischen Profi-Fußball passt. 

Kampf um Europa:

Bevor die Frage beantwortet werden kann, wie die Europapokal-Plätze verteilt werden könnten, müsste zuerst beantwortet werden, wie viele überhaupt zur Verfügung stehen würden. Derzeit steht die Niederlande auf Platz 7 der UEFA-Fünfjahreswertung, während Belgien auf Platz 9 notiert wird. Demnach stehen der Jupiler Pro League und der Eredivisie jeweils ein fester Champions-League-Platz, ein Platz in der Qualifikation und drei Europa-League-Plätze zu. Würde man die Startplätze einfach addieren, hätte die Liga zwei feste Champions-League-Plätze, zwei in der Qualifikation und sechs (!) Europa-League-Plätze. In der Gesamtbetrachtung wäre die Liga damit mind. auf Augenhöhe mit der Premier League, La Liga, der Bundesliga und der Serie A, die jeweils vier feste Champions League und drei Europa League Plätze bekommen. 

Dass die UEFA sich wirklich darauf einlässt, darf bezweifelt werden. Vielmehr dürfte es auf einen Kompromiss hinauslaufen, bei dem die „BeNe-Liga“ wohl versuchen wird möglichst viele feste Champions League Plätze zu ergattern, während die UEFA wohl vor allem die Gesamtanzahl der Europapokal-Plätze reduzieren wollen würde. Realistisch gesehen, dürfte die Liga am Ende auf Augenhöhe mit der Ligue 1 und der Liga NOS rauskommen. Also bei zwei festen Champions League Plätzen, einem weiteren Platz in der Qualifikation und vielleicht drei Europa League Plätzen. Mit etwas Glück könnte man vielleicht sogar zwei Qualifikationsplätze rausschlagen. 

Die Unschärfe

Wobei die eben aufgeführten Ausprägungen ohnehin nur zur Orientierung dienen können, schließlich stehen in den kommenden Jahren große Veränderungen der UEFA Wettbewerbe an. Zunächst mit der Reduzierung der Europa League und der Schaffung des Conference League und anschließend mit der mutmaßlichen Anpassung der Wettbewerbsstrukturen – Stichwort „Schweizer Modell“. Wenn es also tatsächlich irgendwann zum Zusammenschluss kommen sollte, müsste man die dann geltenden Verteilungen als Maßstab nehmen. Dann wäre aber ein ähnliches Vorgehen denkbar.

Wenn es dann anschließend um die Verteilung der Plätze geht, spricht eigentlich alles für die übliche Verteilung auf Basis der Tabellenplätze. Nur so kann sichergestellt werden, dass die besten Klubs die Liga vertreten und sicherstellen, dass die Liga so viele Startplätze wie nur möglich bekommt. Zudem sollte sich die Liga dann auch als eine Liga verstehen und auf die Verteilung der Startplätze nach Nationen verzichten. Falls das doch der gewünschte Weg wäre, könnte die Liga initial nur den Meister ausspielen und dann anschließend Mini-Turniere mit den jeweils besten Teams der beiden Länder bilden, um die Europapokal-Plätze zu verteilen.

Alternative Konzepte

Eine weitere Möglichkeit wäre die Nutzung und Aufwertung der nationalen Pokal-Wettbewerbe, die mit der Zusammenführung der Liga zum bedeutendsten nationalen Wettbewerb aufsteigen würden. Auch über den Pokal könnten Champions-League- und Europa-League-Plätze vergeben werden. So wäre es zum Beispiel möglich die Champions-League-Qualifikations-Plätze über den Pokal zu vergeben, was wiederum zu einer zusätzlichen Aufwertung der Pokal-Wettbewerbe führen würde. Auf diese Weise hätte man zudem eine weitere Möglichkeit, um auch die Teams, die nicht Teil der „BeNe-Liga“ sind, finanziell von ihr profitieren zu lassen. 

Neben Fragen bezüglich der Lizenzierung, Vermarktung und Verwaltung der neuen Liga wäre vor allem die Frage nach der Verteilungsgerechtigkeit die wichtigste offene Frage, die mit einem solchen Zusammenschluss einhergehen würde. Wie bereits oben erwähnt, ist diese Frage schon jetzt Teil der Überlegungen der belgischen Vereine, die der Weiterverfolgung zugestimmt haben, und sie dürfte es auch bis zur endgültigen Entscheidung bleiben. Ohne ein überzeugendes Konzept zur solidarischen Verteilung der erwarteten Mehreinnahmen, dürfte das Projekt zum Zusammenschluss zum Scheitern verurteilt sein. Schließlich bedarf es der Zustimmung einer großen Mehrheit der Clubs und das ist auch gut so. 

Die Beantwortung der offenen Fragen ist also womöglich noch wichtiger, als das Verkaufen der zuvor genannten Vorteile. Außerdem gibt es natürlich auch noch ein paar Nachteile, die mit in die Waagschale geworfen werden müssen und dazu kommen wir nun. 

Die möglichen Nachteile

(Maurice van Steen/imago)

Ein offensichtlicher Nachteile entsteht natürlich für die Klubs, die es nicht auf Anhieb in die neue „BeNe-Liga“ schaffen. Sie sind plötzlich Zweitligist, ohne dass sie notwendigerweise „wirklich“ abgestiegen sind. Sie müssen damit rechnen, dass die geringere Aufmerksamkeit, die sich aus dem de-facto-Abstieg ergibt, negative Auswirkungen auf alle Einnahmequellen haben werden und sie verstärkt auf die Unterstützung und Solidarität der Klubs aus der „BeNe-Liga“ angewiesen sein werden. Eine unangenehme Situation, die viele Vereine wohl um jeden Preis vermeiden werden wollen. 

Die Folge: Viele Vereine könnten sich finanziell übernehmen, wenn es darum geht, sich initial für die „BeNe-Liga“ zu qualifizieren, wie damals bei der Einführung der eingleisigen dritten Liga in Deutschland, oder später, wenn es darum geht als Meister in die „BeNe-Liga“ aufzusteigen. Das ist alles andere als nachhaltig und sollte durch eine sinnvoll und wirksame Regulierung um jeden Preis vermieden werden – falls möglich. Dieser Punkt könnte demnach zwar auch zu den offenen Fragen gehören, aber aufgrund der großen Gefahr, dass die negativen Auswirkungen entstehen, ist es für uns ein Nachteil. Eindeutiger wird es bei den nachfolgenden Punkten.

Gegen Fans und Geschichte

Die Eredivisie wurde im Jahr 1956 gegründet und ist damit stolze 65 Jahre alt. Die Jupiler Pro League, die früher als Division 1A bekannt war, wurde sogar schon 1895 gegründet und zählt mit ihren 126 Jahren zu den ältesten Fußball-Ligen der Welt. Mit einem Zusammenschluss würden folglich kombinierte 191 Jahre Fußball-Geschichte den festen Boden gelebter Tradition verlassen und den Weg in die staubigen Geschichtsbücher antreten, die nur dann und wann mal hervorgeholt werden, wenn der Anschein entsteht, dass die Fans den Kontakt zu „ihrem“ Verein zu verlieren drohen.

Die Fans sind ein gutes Stichwort. Auch für die Fans verändert sich Vieles, insbesondere für diejenigen, die ihre Clubs auch auf Auswärtsfahrten begleiten. Derzeit müssen die Fans des FC Groningen einen maximalen Weg von knapp 320km auf sich nehmen, wenn es zum Gastspiel bei Fortuna Sittard geht – die weiteste Strecke, die Eredivisie-Fans derzeit auf sich nehmen müssen, während die Fans von KAS Eupen gut 240km reisen müssen, wenn ihr Team beim KV Oostende antritt – die weiteste Strecke für Fans innerhalb der Jupiler Pro League.

Bei einem Zusammenschluss der Ligen werden solche Strecken nicht mehr das Maximum darstellen, sondern die Regel, wenn es zu Auswärtsspielen geht. Gemessen an deutschen Verhältnissen ein relativ kleines Opfer, aber zweifelsohne eine negative Konsequenz, für Mensch und Umwelt.

Es gibt sicherlich noch wesentlich mehr Nachteile, sowie es auch noch etliche weitere Vorteile und offene Fragen gibt. Der Zusammenschluss dieser beiden Ligen würde ein neuartiges Projekt darstellen, das viele Herausforderungen und Ungewissheiten mit sich bringen dürfte. Der Weg bis zu einer möglichen Umsetzung ist noch weit, doch abschließend möchten wir uns trotzdem noch an ein kleines Fast wagen, das vor allem folgende Frage Indikativ beantworten soll:

Fazit: Ist die Einführung einer „BeNe-Liga“ wirklich eine gute Idee?

Die Einführung einer „BeNe-Liga“ bietet den belgischen und niederländischen Vereine einen attraktiven Ausweg aus einer sportlich und finanziell bedrohlichen Lage. Durch den Zusammenschluss könnten die Klubs höhere Einnahmen generieren und auch die eigene sportliche Stellung stärken. Damit könnten sie ihren Talenten ein attraktives Umfeld bieten, um sie weiterzuentwickeln und selbst nachhaltiger zu arbeiten, wodurch man die eigene Unabhängigkeit stärken könnte. Außerdem könnte so die Opposition gegen eine drohende „Super-Liga“ gestärkt werden, was im Interesse aller nationalen Ligen sein sollte, auch wenn es zunächst wie ein Widerspruch wirkt, da eine Abkehr von einer rein-nationalen Liga stattfinden würde. 

Nichtsdestotrotz sollten die Verantwortlichen die Nachteile nicht aus den Augen verlieren und die offenen Fragen im Sinne echter Solidarität mit der gesamten nationalen „Fußball-Pyramide“ lösen. Vor allem diese beiden Länder sollten wissen, dass man nur durch die optimale Nutzung aller Ressourcen, inklusive der Graswurzeln, dauerhaft erfolgreich sein kann. 

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(Maurice van Steen/imago)

Christoph Albers

Cruyff-Jünger und Taktik-Liebhaber. Mag präzise Schnittstellen-Pässe, schwarze Leder-Fußballschuhe, Retro-Trikots und hat einen unerklärlichen Hang zu Fußball-Finanzen. Seit 2016 bei 90PLUS.

Alle Kommentare


  • Marlon sagt:

    Klasse geschrieben und sehr durchdacht! Ich schreibe im Moment meine Masterthesis über die Vor- und Nachteile von klassischen Ligasystemen vs. Franchise Ligasystemen in Wettbewerben. Die Einführung einer Franchise Liga, durch die Zusammenführung mehrerer kleiner Ligen, zu umgehen ist auch eines meiner größten Hoffnungen gegen diese Entwicklung. Im Fußball ist das amerikanische Modell nur sehr schwer umzusetzen und sollte lieber von innovativen Ideen so wie sie in deinem Kommentar hier zu finden sind ersetzt werden.


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