Eintracht Frankfurt: Amin Younes – Erfolg auf Umwegen

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Eintracht Frankfurt stürmt in Richtung Champions League und Amin Younes spielt eine Hauptrolle in der SGE-Offensive. Nach turbulenten Jahren scheint er nun seine Heimat gefunden zu haben. 

  • Frankfurt profitiert von Younes
  • Younes: schwieriger Karriereverlauf
  • Eine interessante Option für die DFB-Elf

Younes wirbelt in Frankfurt

Samstag, der 20. Februar 2021. Eintracht Frankfurt empfängt den FC Bayern München und führt nach zwölf Minuten bereits mit 1:0. 19 Minuten später folgt der nächste Streich. Daichi Kamada spielt passt zu Amin Younes. Mit kleinen Schritten läuft er in Richtung Niklas Süle, zieht kurz nach rechts, legt sich den Ball zurecht und nagelt diesen in den Winkel. Manuel Neuer hat keine Chance. 2:0 Frankfurt. Ein wunderschönes, wichtiges Tor und ein ebenso herausragender Jubel in Gedenken an Fatih Saraçoğlu und die anderen Opfer des rechtsextremen Terroranschlags in Hanau. Die SGE gewinnt das Spiel letztendlich mit 2:1 und träumt vollkommen berechtigt von der Champions League. 

Nicht nur an diesem 22. Spieltag, sondern mittlerweile Woche für Woche drückt Younes dem Frankfurter Spiel seinen Stempel auf. Nach kurzer Eingewöhnungszeit und einer Systemumstellung, die ihm entgegen kam, wirbelt er regelmäßig inmitten der SGE-Offensive. Seine Risikobereitschaft und Dribbelqualitäten sind bei Gegnern gefürchtet und in Frankfurt gern gesehen. Doch der 27-Jährige ist bei weitem nicht mehr das Leichtgewicht, das sich unnötig in Solos verstrickte und oftmals mit der Entscheidungsfindung Probleme hatte. Younes ist gereift und hat seine Karriere wieder in die richtige Richtung lenken können. 

Foto: Imago

Younes: Karrierestart in Gladbach

Der Offensivspieler hat bislang schon so einiges erlebt in seinem Profi-Dasein. Im Frühjahr 2012 holte ihn der damalige Gladbach-Trainer Lucien Favre zur ersten Mannschaft und bescherte ihm mit einem Kurzeinsatz sein Bundesligadebüt. In der darauffolgenden Saison wurde er erst in der Rückrunde regelmäßig bei den Profis gebraucht. Im Heimspiel gegen Borussia Dortmund wirbelte er die Defensive des damaligen Meisters durch und war kaum aufzuhalten. Er belohnte sich letztendlich mit dem Ausgleichstreffer vor der Nordkurve. Sein erstes Tor als Profi. 

In Gladbach träumte man vom nächsten jungen Offensivstar aus den eigenen Reihen. Doch die hohen Erwartungen der Fohlen-Fans konnte Younes nicht erfüllen. Unter Favre kam er zu oft nur von der Bank und schaffte nicht den endgültigen Sprung in die Startelf. 2014 ließ er sich nach Kaiserslautern ausleihen und wollte in der 2. Bundesliga Spielpraxis sammeln, was auch nur mäßig klappte. Seine Karriere ist zu diesem Zeitpunkt ordentlich ins Stocken geraten. 

Erfolg auf Umwegen

Ein Verbleib in Kaiserslautern war ausgeschlossen, die Perspektive in Gladbach nicht gerade rosig. Im Sommer 2015 trat er mit der deutschen U21 Nationalmannschaft bei der EM in Tschechien an. Ein einschneidendes Karriereerlebnis, da Ajax auf den jungen Offensivspieler aufmerksam wurde. Er war vor allem einer Person sehr dankbar: Horst Hrubesch. Trotz der Versetzung in die zweite Mannschaft Lauterns hat der U21-Trainer Younes mit zum Turnier genommen. „Er hat sich gesagt: „Dem Jungen vertraue ich.“ Und ich habe ihm dieses Vertrauen mit Leistung zurückgezahlt“, so der Mittelfeldspieler gegenüber dem Spiegel. Er habe viel mit der HSV-Legende gesprochen, nicht nur über Fußball. „Wir haben noch heute so etwas wie eine Vater-Sohn-Beziehung“, verriet er im Sommer 2020. 

Foto: Imago

In Amsterdam konnte er seine eingeschlafene Karriere wieder in Fahrt bringen. Nach kurzen Anlaufschwierigkeiten spielte er sich in der ersten Elf von Trainer Frank de Boer fest und holte mit Ajax 2016 den Meistertitel. 2017 gewann er mit den Niederländern unter Bosz fast die Europa League. Sie scheiterten im Finale an Manchester United (2:0). Younes war an acht Turniertreffern direkt beteiligt, u. a. sorgte er im Viertelfinale in der Verlängerung auf Schalke für das letzte Tor, sodass die Gastgeber sich keine Hoffnungen mehr machen konnten. Nationaltrainer Joachim Löw registrierte seine Leistungen und nahm ihn mit zum Confed Cup nach Russland, den Deutschland gewann. Im Halbfinale konnte er sich sogar als Torschütze feiern lassen. 

Wechselchaos rund um Younes

Younes schien endlich angekommen zu sein, aber in der darauffolgenden Saison unter dem neuen Ajax-Coach Erik ten Hag lief es dann nicht mehr so gut. Seine Einsatzzeiten sanken und die Beziehung zwischen den beiden war nicht allzu gut. Der Zwist gipfelte in einem Eklat: Younes verweigerte im Spiel gegen Heerenveen seine Einwechslung, weil er diese wenige Minuten vor Abpfiff als unnötig empfand, wie ten Hag nach der Partie verriet. Der Klub suspendierte den Spieler. 

Im Hintergrund herrschte schon länger ein absolutes Chaos. Schon im Winter 2017 wollte er Ajax in Richtung Neapel verlassen. Ein direkter Wechsel scheiterte, aber Younes, dessen Vertrag in Amsterdam am Saisonende auslief, unterschrieb zumindest einen Vorvertrag in Italien. Plötzlich wollte der Dribbelkünstler doch nicht mehr zur SSC Napoli und befand sich in konkreten Verhandlungen mit dem VfL Wolfsburg. Es soll sogar eine Einigung gegeben haben. Nach großem Hin und Her landete er dann doch in Kampanien. Das Wirrwarr zog juristische Streitereien nach sich, die noch immer nicht vollends geklärt sind. 

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„Ich bin für alles, was ich tue, selbst verantwortlich und trage die Konsequenzen“, so Younes, der eingesteht Fehler gemacht zu haben: „Ich habe den falschen Menschen vertraut, war naiv. Das kreide ich mir an“, erklärte er im Nachhinein der Deutschen Presse-Agentur. In Neapel fand er sein sportliches Glück allerdings auch nicht. Weder Carlo Ancelotti noch Gennaro Gattuso waren sonderlich große Fans vom offensiven Mittelfeldspieler. Vor der aktuellen Saison ließ er sich dann für mehr Spielpraxis an die Eintracht aus Frankfurt ausleihen. Schon in Gladbach drängte er auf eben jene. 

Auf der Suche nach Spielpraxis

„Ich denke, jeder Fußballer kann ein Lied davon singen, wie wichtig es ist, regelmäßig zu spielen“, teilte er gegenüber Goal mit und konkretisierte weiter: „Und wenn du diese Möglichkeiten bei dem einen Verein nicht bekommst, musst du es eben bei einem anderen probieren. Ich habe in Gladbach viel gelernt, aber gutes Training alleine reicht für eine Entwicklung eben nicht aus. Dafür sind die Spiele, die Wettkampferfahrung wichtig.“ 

Diese bekommt er jetzt nun bei der SGE. Younes ist einer der ganz wenigen deutschen Profis, die noch richtige Straßenfußballer sind. Der 27-Jährige wohnte während seiner Zeit in der Gladbacher Jugend nicht im Internat, sondern noch zuhause. Das hatte zur Folge, dass er früher noch nach dem Training mit seinen Freunden auf dem Bolzplatz gespielt hat. „Das war für mich positiv. Denn gewisse Feinheiten im Umgang mit dem Ball, im Eins-gegen-Eins lernt man eigentlich nur auf der Straße“, erklärte Younes. 

Foto: Jan Huebner/Imago

Frankfurt und Younes passen gut zusammen

Doch nicht nur die technischen Aspekte machen ihn zu einem derart wichtigen Spieler für Adi Hütter und Frankfurt. Er ist nervig, gallig und unangenehm. Und das ist in einem absolut positiven Sinne gemeint. Zumindest aus Sicht der Adler, die in der Bundesliga eben aufgrund dieser Eigenschaften zu den unangenehmsten Teams der Liga. Aber dieser Zusammenhalt und die Bereitschaft, alles im legalen Rahmen für den Sieg zu tun, ist letztendlich eine Qualität, die nicht jede Mannschaft besitzt.

Younes verkörpert das Frankfurter Spiel perfekt: Offensiv, kreativ, technisch sauber, schnell, hartarbeitend, bissig, aber auch im richtigen Maße nervig. Ein Mix, der den Gegner im Kopf mürbe macht. Gegen Frankfurt zu spielen, ist eine mentale Anstrengung. Ihm und den SGE-Fans wäre es zu wünschen, dass sie sich noch in einem ausverkauften Stadion gegenseitig bewundern dürften. Mediengerüchten zufolge stehen die Chancen gut, da Frankfurt wohl die Kaufoption ziehen wird. 

„Ich würde momentan schon sagen, dass ich in einer sehr, sehr guten Form bin und gefühlt auch in der bisher besten Form meiner Karriere“, so Younes im Gespräch mit Sky. Wenn man ihn zusammen mit Kamada im offensiven Mittelfeld hinter André Silva oder auch Luka Jovic zaubern sieht, glaubt man ihm das sofort. Dass er von Löw wieder ins Aufgebot der DFB-Elf aufgenommen wurde, ist hochverdient. Ein Spieler mit seinen Qualitäten, könnte goldwert sein. 

Nach vielen Rückschlägen ist Amin Younes gereift und hat im besten Fußballalter zu einem Verein gefunden, der zu ihm perfekt passt. Eintracht Frankfurt und Younes haben eine grandiose, gemeinsame Zukunft vor sich. In Frankfurt werden seit Jahren Straßenfußballer besonders gerne gesehen und gefördert. Eine Beziehung, die passt. Das zeigt sich auch am Beispiel Younes. 

Damian Ozako

Foto: jh/Imago

Damian Ozako

Als Kind von Tomas Rosicky verzaubert und von Nelson Haedo Valdez auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht worden. Geblieben ist die Leidenschaft für den (offensiven) Fußball. Seit 2018 bei 90PLUS.

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