FootballLeaks – Der Handel mit Minderjährigen und das Beispiel Bertrand Traoré

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In den letzten Wochen brachte „Season 2“ der FootballLeaks schon wieder einiges ans Licht. So wurde unter Anderem über Planungen zur Super League, aber auch über das weiträumige Umgehen des Financial von Vereinen wie PSG und Manchester City berichtet. Mediapart, die französischen Kollegen vom deutschen Spiegel, haben sich nun aufgrund vorliegender Dokumente ausführlich mit einer riesigen Problematik auseinandergesetzt: Der Talentejagd, die auch vor Minderjährigen keinen halt mehr macht.

Immer mehr

Das es mehr als nur ein Trend ist, minderjährige Spieler ,teils exorbitant teuer, zu verpflichten ist leicht zu belegen. 2017 wurden bei der FIFA 3300 Anmeldungen von Minderjährigen registriert. Mehr als doppelt so viele wie noch 2011. Gerade die spanischen Topvereine Real sowie Atletico Madrid und der FC Barcelona standen bei dieser Thematik häufig im Fokus. So hat Real Madrid mit den Transfers von Martin Ödegaard und Vinicius Junior die wohl spektakulärsten Transfers von Minderjährigen hingelegt. Barca und Atleti wurden beide für ihr unlauteres Verhalten gegenüber Minderjährigen schon sanktioniert. Alleine Atletico wurde von der FIFA 65 Verstöße bei Transfers von U18-Spielern vorgeworfen. Und hier kommen dann auch die ersten Zahlen die die ganze Perversion dieses Geschäftes aufzeigen. 27 dieser Spieler sollen 12 gewesen sein. Einer sogar 6 Jahre alt. Die Strafen scheinen hier eine, zumindest kurzfristige Besserung, veranlasst zu haben. Denn Spanien ist nicht das Land, mit dem sich die Aufarbeitungen Mediaparts hauptsächlich beschäftigen.

Pozo?

So soll es auch bei englischen Klubs zum Geschäftsmodell zu gehören, möglichst viele Minderjährige in ihre Jugendakademien zu locken. Manchester City zum Beispiel, sammelt teilweise für Millionenbeträge Jugendliche in ihren Akademien. Sagt ihnen der Name Pozo etwas? Ein Jugendlicher, der im Januar 2011 für, einschließlich Bonuszahlungen, bis zu 4,5 Millionen Euro nach Manchester wechselte. Hier wird die ganze Krux deutlich. Manchester City gibt viel Geld aus um Talente bei sich zu sammeln, bietet aber kaum Perspektiven. Mit finanziellen Anreizen wird die Laufbahn eines begabten Spielers schon früh beeinflusst, es geht nur darum, den einen Jackpot zu landen, wenn die jungen Leute dann mal nicht liefern, ist ihre Karriere meist vorbei bevor es überhaupt richtig losgeht. Pozo ist übrigens von Manchester City für 500.000 Euro zu Almeria gewechselt.

Regeln, die man gerne ignoriert.

Interessanterweise hat die FIFA durchaus verstanden, dass dieses Geschäft mit, teilweise noch Kindern, unmoralisch und gefährlich ist. So gibt es nicht nur endlich einmal Beispiele für durchgesetzte Strafen, sondern auch ein abrufbares Dokument vom September 2016, in dem die häufigsten Fragen über Regelungen zu Transfers von Minderjährigen beantwortet werden und deutlich wird.

„Durch den skrupellosen Handel mit jungen Spielern kam es in der Vergangenheit immer wieder
vor, dass minderjährige Spieler, die die Erwartungen der Klubs – vor allem in Europa – nicht
erfüllen konnten, fern der Heimat sich selbst überlassen wurden und schliesslich auf der Strasse
landeten. „

Deshalb gibt es Artikel 19 im Fifa-Reglement bezüglich Status und Transfer von Spielern. Der ist erstmal eindeutig. „Ein Spieler darf nur international transferiert werden, wenn er mindestens
18 Jahre alt ist.“ Doch es gibt eben noch mehr in diesem Artikel als nur diesen Satz. Ausnahmen für diese Regel. Spieler innerhalb Europas dürfen schon mit 16 wechseln. Spieler die aus anderen Gründen als einem Transfer in ein anderes Land gezogen sind, dürfen natürlich auch Fußball spielen. Gut gemeint, aber in der heutigen Zeit ein Nährboden für Missbrauch durch große Vereine.

Chelsea und Traoré

Abschließend noch einmal ein Beispiel Mediaparts, dass sehr viele Facetten des bisher Beschriebenen in sich vereint. Bertrand Traoré dürfte ein Name sein, der den meisten Fußballfans eher ein Begriff ist als Manchester Citys Pozo. Mittlerweile spielt Traorè bei Lyon, wechselte für 10 Millionen von der Stamford Bridge nach Frankreich. Seine ersten Schritte im Profifußball machte er aber in London und brachte dem FC Chelsea eine Ermittlung ein. So soll Chelsea Traoré von einer Jugendakademie in Burkina Faso für 400.000 Euro verpflichtet habne. Der Transfer wurde 2014, nach dem 18. Geburtstag des Spielers von den „Blues“ angemeldet. Der Guardian berichtete allerdings, dass der Vertrag schon im Vorjahr unterzeichnet gewesen sein soll. Die FIFA ermittelte also, schloss den Fall aber, weil Chelsea aussagte, den Spieler nur „zur Probe“ am Trainingsbetrieb teilnehmen ließ, und er nie für den Verein auflief. Die Ermittlungen mussten 2015 allerdings wieder aufgenommen werden. Der Grund? Chelsea hatte schlicht gelogen. Der Spieler ging nachweislich von 2011 bis 2013, im Alter von 16 bis 18 auf eine Londoner Privatschule und hat für Chelseas Jugendmannschaften mindestens 25 Spiele in dieser Zeit, bevor sein Transfer registriert wurde, absolviert. Eine Möglichkeit Artikel 19 auszutricksen ist also, einfach falsche Informationen zu liefern, zu lügen.

Unter der Hand

Eine andere Möglichkeit hat Chelsea im Beispiel Traoré gleich auch noch angewandt. Denn die Ausnahme, dass Spieler die aus anderem Grund das Land verlassen auch in ihrer neuen Heimat Fußball spielen dürfen, kann leicht ausgenutzt werden. So sollen immer mehr Minderjährige unter der Hand Absprachen mit Vereinen treffen, die dann einen Umzug der ganzen Familie ermöglichen und nach etwas Zeit den Spieler unter Vertrag nehmen, natürlich werden für diese Absprachen auch Handgelder ausgezahlt. Nach dem der FIFA klar war, dass Chelsea in böser Absicht Details im Fall Traoré verschwiegen hatte, wurde der Verein zur Herausgabe aller Dokumente die diesen Fall dokumentieren aufgefordert. So kam unter anderem ans Licht, dass Traorés Mutter 177.000 Euro vom Verein erhielt. Für eine Option auf die Verpflichtung ihres Sohnes. Die FIFA ist außerdem vom Naheliegendem überzeugt: Chelsea hat die Schulbildung Traorés genauso finanziert und unterstützt wie den Umzug der Mutter und des Bruders. Ob es für Chelsea allerdings überhaupt eine Strafe gab, bleibt offen, ein Transferverbot, wie es zum Beispiel Atletico traf, gab es zumindest nicht.

Photo by FRANCOIS NASCIMBENI / AFP

 

 

Julius Eid

Seit 2018 bei 90PLUS, seit Riquelme Fußballfan. Gerade die emotionale Seite des Sports und Fan-Themen sind Julius‘ Steckenpferd. Alleine deshalb gilt: Klopp vor Guardiola.

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