Bundesliga | Eintracht Frankfurt: Auf dem Weg zur Elite

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Am Samstagnachmittag besiegte Eintracht Frankfurt den FC Bayern 2:1 und überzeugte dabei vor allem in der ersten Halbzeit – auch spielerisch. Besonders dieses Spiel zeigt, dass man das Kapitel „Büffelherde“ endgültig schließen konnte. Adi Hütter hat die Mannschaft in der Zwischenzeit neu geformt und ist damit klar auf Königsklassenkurs. Die Zukunft dieser Spitzenmannschaft – und vor allem ihrer Macher – ist jedoch ungewiss. 

Auf der Suche nach der neuen Büffelherde

Dass die erste Saison nach dem Verkauf der „Büffelherde“ nicht einfach werden würde, wussten sie alle bei Eintracht Frankfurt. Als Halbfinalist scheiterte man schon im Achtelfinale erstaunlich klar am FC Basel (0:3, 0:1), in der Bundesliga reichte es nur zu Platz 9. Zwischenzeitlich schnupperte man sogar in den Abstiegskampf.

Nachdem in der Vorsaison der Versuch scheiterte, die Büffelherde mit Bas Dost (31), André Silva (25) und Gonçalo Paciência (26) nachzubilden, wurde letzterer an Schalke ausgeliehen. Von dort an spielte man vorerst mit einer Doppelspitze sowie Daichi Kamada (24) als verbindendes Element in der Offensive.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Das funktionierte bei den Siegen in Berlin (3:1) und gegen Hoffenheim (2:1) sehr gut. Doch in den kommenden Wochen schien die Mannschaft – auch bedingt durch die Verletzung von Filip Kostic (28) – zu oft auf der Suche nach sich selbst. Neun Bundesligaspiele in Folge konnte die Eintracht zwischen Oktober und Dezember nicht gewinnen. So fiel man wieder ins Mittelfeld und die Gefilde der Saison 2019/20 zurück. Wobei man das auch nur bedingt als Krise bezeichnen kann. Denn in dieser Phase verlor man lediglich zwei Spiele. In München setzte es ein sattes 0:5, zudem unterlag man nach eigener Führung  in Wolfsburg noch spät 1:2. Das sind bis heute die einzigen beiden Saisonniederlagen.

Das eigentliche Problem waren die Unentschieden. Siebenmal konnten die Frankfurter zwischen Oktober und Dezember nur einfach punkten, darunter fallen alle drei Spiele im November. Adi Hütter (51) versuchte viel, änderte zwischenzeitlich das System. Von einem 3-4-1-2, zu einem 3-1-4-2 mit Stefan Ilsanker (31) als einziger Absicherung im defensiven Mittelfeld. Die Königslösung fand er aber im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach.

Neuzugänge schlagen ein – die Eintracht im Aufwind

Erstmals ließ er seine Mannschaft im 3-4-2-1, mit den beiden Zehnern Aymen Barkok (22) und Neuzugang Amin Younes (27) hinter der einzigen Spitze André Silva auflaufen. Der Plan ging voll auf. Trotz frühen Rückstands drehte die Eintracht die Partie und führte zur Pause 3:1. Zwar musste man sich am Ende wieder einmal mit einem Remis begnügen, weil sich der eigene Kapitän, David Abraham (34), in der 81. Minute die zweite gelbe Karte einhandelte und der gegnerische, Lars Stindl (32), den Hattrick in der 95. Minute vollendete. Doch die erste Halbzeit hat gezeigt, dass das Grundgerüst der neuen Eintracht steht. Es bedurfte ab hier nur noch lokaler Veränderungen.

In der Winterpause hatte auch Bas Dost den Verein gen Brügge verlassen. In den Folgewochen gab es Diskussionen um eine Leihe von Joshua Zirkzee (19/FC Bayern, jetzt Parma). Da sich dieser bei der U23 allerdings einen Platzverweis abholte, der auch für die Bundesliga Gültigkeit hatte, fiel die Wahl der Frankfurter letztlich auf einen alten Bekannten: Luka Jovic (23). Der serbische Nationalspieler wurde – auch qua mangelndem Vertrauen von Zinedine Zidane (48) – nie wirklich glücklich. So kehrte er leihweise bis Saisonende an den Main zurück.

(Photo by KAI PFAFFENBACH/POOL/AFP via Getty Images)

In seinem ersten Spiel ging es gegen Schalke. André Silva brachte die SGE in Führung, nur eine Minute später stellte Matthew Hoppe (19) auf 1:1. Lange war es ein enges Spiel, in dem es den besonderen Impuls brauchte. Der kam in Minute 62 und stand zehn Minuten später schon auf der Anzeigetafel. Ein schulbuchmäßiger Volley unter die Latte. Es war, als wäre Luka Jovic nie weggewesen. In der Nachspielzeit erzielte er sogar noch das 3:1.

Aber, wo eine Geschichte beginnt, endet meistens eine andere. In dem Fall die von David Abraham. Nach diesem Spiel beendete er seine Profikarriere und kehrte nach Argentinien zurück. Damit tat sich in der Dreierkette eine Lücke auf. Viel wurde überlegt, wie man diesen Abgang auffangen könnte. Die Wahl fiel am Ende auf Lucas Silva Melo, genannt Tuta (21). Frankfurts Nummer 35 zeigte sich in seinen Einsätzen zuvor bisweilen anfällig. Doch mit Martin Hinteregger (28) neben ihm stabilisierte er sich und ist inzwischen auf der rechten Seite gesetzt.

Die Entstehung einer Spitzenmannschaft – und ihre Zukunft?

So verfügt die Eintracht inzwischen über ein funktionierendes Rückgrat aus Kevin Trapp (30), Martin Hinteregger sowie Makoto Hasebe (37), Sebastian Rode (30) und Filip Kostic (28) im Mittelfeld. Dieses erlaubt den jungen Tuta, Evan N’Dicka (21) und Daichi Kamada ihr volles Potential auszuspielen.

Wie gut das funktionieren kann, hat man zuletzt im Heimspiel gegen den FC Bayern gesehen. In der ersten Hälfte dominierte die Eintracht einen passiven und pomadig aufspielenden Gegner nach Belieben. Dieser hätte sich zur Pause über einen höheren Rückstand als 0:2 nicht beschweren dürfen. Der Ballbesitz war mit 48:52 Prozent in etwa ausgeglichen, Frankfurt gab mehr Torschüsse ab (10:8) und hatte vor der Pause auch die etwas bessere Passquote (81:79 Prozent). Vor allem aber hatten sie drei Großchancen verglichen mit deren null des Rekordmeisters. In dieser Phase traten sie wie die Spitzenmannschaft auf, die sie inzwischen sind. Nach der Pause verteidigten sie kompakt und hatten in den entscheidenden Situationen das Spielglück auf ihrer Seite.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

So holen sie im fünften Rückrundenspiel den fünften Rückrundensieg und stehen mittlerweile auf Platz 4. Damit wären sie kommende Saison in der Königsklasse. Trotzdem ist die Zukunft dieser Mannschaft nicht geklärt. Denn neben den Spielern, besteht auch an den Machern Interesse. Vereinzelt hieß es, Schalke sei an Frankfurts Chefscout Ben Manga (47) interessiert. Zudem ist es längst kein Geheimnis mehr, dass Hertha BSC nach der Entlassung von Michael Preetz (53) gerne Fredi Bobic (49) zum neuen starken Mann des „Big City Clubs“ machen würde. Frankfurts Sportvorstand spielte bereits von 2003 bis 2005 in der Hauptstadt und ist dort weiterhin wohnhaft. Was bereits feststeht, ist, dass Sportdirektor Bruno Hübner (60) den Verein nach zehn Jahren im Sommer verlassen wird.

Es könnten also bald die nächsten Umbaumaßnahmen anstehen. Aber wenn man sich vergegenwärtigt, wo die Entwicklung des Klubs angefangen hat – in der Relegation 2015/16 – dann ist es ihnen, vor allem mit dem Argument Champions League, zuzutrauen, den letzten Sprung zu machen und sich endgültig unter den Spitzenvereinen der Bundesliga festzusetzen.

(Photo by DANIEL ROLAND/POOL/AFP via Getty Images)

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Victor Catalina

 

 

 

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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